Volvulus (Darmverschlingung)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
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Volvulus bezeichnet die krankhafte Verdrehung eines Darmabschnitts um seine Achse. Es wird daher auch allgemein als Darmverschlingung bezeichnet. Durch diese Verdrehungen oder Verschlingungen kommt es zu einer Unterversorgung mit Blut im betroffenen Darmabschnitt. Das kann einen Darmverschluss oder ein Absterben des Darmteils (Darmgangrän) zur Folge haben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Volvulus?

Sind bestimmte Darmabschnitte miteinander verknotet oder verschlungen, so handelt es sich um eine Darmverschlingung. Diese Erkrankung kann lebensbedrohlich sein. Häufig sind Darmverschlingungen angeboren, da dann die natürliche Entwicklung des Darms schon im Mutterleib gestört war.

Die vorgeburtlich notwendigen Drehungen wurden dann vom Darm nicht oder nur fehlerhaft ausgeführt. Darmteile drehen sich so um den Gekrösestiel. Dieser trägt die zuführenden oder abführenden Blutgefäße. Diese Lageveränderung des Darms kann zu einem teilweisen oder vollständigem Verschluss des Darmrohrs führen. Es gibt zwei Hauptformen der Darmverschlingung. Bei der Invagination erfolgt die Einstülpung eines Darmteils in ein anderes Darmstück.

Die Einstülpung erfolgt längsseitig und verursacht Blutstau und Schwellungen. Sie führt zum Darmverschluss. Die zweite Hauptform der Darmverschlingung ist die Achsendrehung. Dabei dreht sich eine Darmschlinge bis zu 180 Grad, legt sich um eine andere Schlinge und presst damit die Blutzufuhr ab. Durch einen entstehenden Darmverschluss kann der Darm seine Aufgaben nicht mehr erfüllen. Es kann zu einer Unterversorgung lebenswichtiger Organe und zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen.

Ursachen

Eine bekannte Ursache für eine Darmverschlingung ist die Malrotation, eine fehlerhafte Drehung des Dünn- und Dickdarms in der vorgeburtlichen Entwicklung des Menschen. Kinder erleiden häufiger einen Volvulus, wobei dies ein sofort zu behandelnder Notfall ist.

Am Häufigsten sind Säuglinge im ersten Lebensjahr betroffen. Auch Darmentzündungen können eine Darmverschlingung verursachen. Darmentzündungen entstehen bakteriell, chemisch, durch Bestrahlung, als allergische Reaktion oder als Immunreaktion. Auch ein Darmkrebs kann eine auslösende Störung sein. Weiterhin zählen Verwachsungen zu den Ursachen für einen Volvulus.

Es handelt sich um bindegewebsartige Stränge zwischen Darmabschnitten, die normalerweise keine Verbindung haben. Genaue Ursachen für diese Verwachsungen im Darm sind nicht bekannt. Es wird vermutet, es könnten Reaktionen auf einen Fremdkörper, eine frühere Entzündung oder auch auf Operationen sein. Auch Operationen selbst können eine Darmverschlingung verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Symptome einer Darmverschlingung sind plötzlich auftretende, krampfartige Bauchschmerzen, ein geblähter Oberbauch, gallig-grünliches Erbrechen und durchfallartige, blutige Stühle. Der Oberbauch ist druckempfindlich, während der Unterbauch eher eingefallen ist.

Die Diagnose gestaltet sich für den Arzt schwierig. Sie wird in der Regel nach den auftretenden Symptomen, einer gründlichen körperlichen Untersuchung und durch bildgebende Untersuchungen erstellt. Manchmal kann eine korrekte Diagnose nur während einer Operation gestellt werden. Bildgebende Untersuchungen sind das Röntgen und der Ultraschall.

Bei einer Darmverschlingung des hinteren Dickdarms kann man auf dem Röntgenbild die massive Überblähung des Darmteils durch eine Art Kaffeebohnenzeichen erkennen. Der überblähte Darmteil hat dann oft die Kontur einer Kaffeebohne. Der Verlauf einer Darmverschlingung ist lebensgefährlich, da sie zu lebensbedrohlichem Darmverschluss führt und deshalb als Notfall behandelt werden muss.

Komplikationen

Ein Volvulus kann schwerwiegende Komplikationen hervorrufen. Eine Darmverschlingung verursacht zunächst starke Bauchschmerzen, die im Verlauf der Erkrankung an Intensität zunehmen und den Betroffenen im alltäglichen Leben erheblich einschränken. Große Komplikationen sind zu erwarten, wenn die Verschlingung zu einer Unterversorgung eines Darmabschnitts führt.

Dann kann es zu einem Absterben des Darmteils oder zu einem Darmverschluss kommen. Begleitend dazu tritt oft auch eine Bauchfellentzündung auf, die im weiteren Verlauf auf andere innere Organe übergreift und sich schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickelt. Wird der Volvulus nicht umgehend intensivmedizinisch behandelt, besteht die Gefahr eines Kreislaufschocks.

Eine Darmverschlingung kann im schlimmsten Fall tödlich verlaufen. Die Behandlung ist ebenfalls mit Gefahren verbunden. Eine Operation birgt immer das Risiko, dass Teile des Darms verletzt werden oder dass es zu einer Infektion kommt. Bei Verletzungen der Darmwände kann es zu Funktionsstörungen kommen, die unter Umständen dauerhaft bestehen bleiben.

Manchmal muss ein künstlicher Darmausgang gelegt werden, der mit dem Risiko von Hernien und Verletzungen verbunden ist. Zuletzt kann es durch die Gabe von Medikamenten zu Neben- und Wechselwirkungen kommen.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung einer Darmverschlingung ist es erforderlich, den betreffenden Darmabschnitt schnellstmöglich wieder in die ursprüngliche Position zu bringen. Das gelingt nur mittels einer Operation. Die Zeit drängt bei solchen Operationen, da die abgeschnittene Blutversorgung des betreffenden Darmabschnittes schnell zu einem Absterben des Gewebes führt.

Der zurückgedrehte Darmteil wird während der OP befestigt, um eine wiederholte Verdrehung zu verhindern. Ist der betreffende Teil des Darms schon so geschädigt, so dass mit einer Wiederherstellung der Funktion nicht mehr zu rechnen ist, so werden Anteile des geschädigten Gewebes entfernt. Unter Umständen kann es notwendig werden, dass ein Enterostoma (künstlicher Darmausgang) gelegt werden muss.

Bei einem konservativeren Vorgehen wird der Volvulus zunächst akut dekomprimiert. Es wird mit einem flexiblen Koloskop gearbeitet. Wichtig hierbei ist festzustellen, ob der Darm noch vital ist oder nicht. Bei einem noch vitalen Darm wird als Erstmaßnahme eine Untersuchung des Analkanals durchgeführt. Im Anschluss an die Untersuchung wird ein Darmrohr gelegt. Eine Verkleinerung des Volvulus zeigt sich dann an einer geräuschvollen Entladung von Gas und Stuhl. Die Art der Therapie hängt immer davon ab, wie stark die Durchblutung des Darms bzw. des betroffenen Darmabschnittes beeinträchtigt ist.

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Vorbeugung

Eine vernünftige Vorbeugung gegen eine Darmverschlingung bedeutet, für eine gute Darmgesundheit zu sorgen. Dazu gehört eine gesunde Ernährung mit wertvollen Ballaststoffen, viel Obst und Gemüse. Der Säure-Basen Haushalt sollte ausgewogen sein.

Weiterhin ist es für den Darm wichtig, ausreichend Flüssigkeit zuzuführen – möglichst Wasser oder Getränke mit geringen Zuckerwerten. Speisen, die schwer verdaulich sind, sollten besser gemieden werden. Weiterhin ist eine regelmäßige Bewegung wichtig für einen gesunden Darm.

Bücher über Darmverkrankungen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013

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