Volkmann-Kontraktur

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
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Bei der Volkmann-Kontraktur handelt es sich um eine ischämische Kontraktur, von denen die Beugemuskeln am Unterarm betroffen sind. Im Rahmen der Erkrankung treten Weichteilverkürzungen auf, insbesondere an den Muskeln. Volkmann-Kontrakturen sind häufig Folge von Mangeldurchblutung und Schädigung der Nerven.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Volkmann-Kontraktur?

Bei der Volkmann-Kontraktur kommt es zu Nervenschädigungen in Folge sogenannter suprakondylärer Frakturen, etwa in der Kindheit. Oftmals sind einengende Gipse, Ödeme, ausgedehnte Hämatome oder Fremdmaterial Auslöser für die Kontraktur.

Die Erkrankung ist durch eine Beugefehlstellung beziehungsweise Klauenhand charakterisiert. Die Volkmann-Kontraktur tritt aufgrund der Minderversorgung von Muskelgruppen am Arm mit Blut auf. In Folge der Mangelversorgung mit Blut stirbt das entsprechende Muskelgewebe ab. Dadurch verkürzt es sich und die Volkmann-Kontraktur kann sich bilden.

Ursachen

Die Volkmann-Kontraktur kann als Folge verschiedener Auslöser entstehen. In der Regel führt eine Schädigung der Arterien und Nerven des betroffenen Unterarms zu neurologischen und muskulären Ausfallerscheinungen. Somit ist die Erkrankung durch eine Ischämie oder eine Nervenkompression bedingt.

Auch nach Humerusfrakturen, die oberhalb des Gelenkkopfes lokalisiert sind, können einzelne Fragmente den Nervus ulnaris, den Nervus medianus sowie die Arteria brachialis aufgrund von Kompression schädigen. Die Entstehung einer Volkmann-Kontraktur wird durch bestimmte Faktoren begünstigt.

Dazu zählen etwa ein zu fester und ungespaltener Gipsverband, eine späte Versorgung mit irreversibler Beschädigung der Weichteile oder eine mangelhafte Reposition nach Frakturen, wodurch direkte Gefäßverletzungen entstehen können. Durch die Minderversorgung tritt im Unterarm eine Nekrose und Atrophie der Muskulatur auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Volkmann-Kontraktur ist üblicherweise mit einer Reihe von Symptomen und Beschwerden verbunden, die nacheinander auftreten. Die Kontraktur macht sich zu Beginn in der Regel durch einen akut einsetzenden Schmerz bemerkbar. Im Anschluss bildet sich druckempfindliches, hartes Gewebe. Die ersten Zeichen der Minderdurchblutung zeigen sich. Schließlich treten beim betroffenen Patienten Bewegungseinschränkungen auf, die sich verstärken können.

In einem frühen Stadium der Volkmann-Kontraktur treten Schmerzen im Bereich des Unterarms auf, die mit Taubheits- sowie Kältegefühl an den Fingern verbunden sein können. Darüber hinaus kommt es zu einer Pulsabschwächung, die in den meisten Fällen gemeinsam mit einer Blaufärbung der Haut (Zyanose) auftritt.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es zur Atrophie der Muskulatur von Unterarm und Hand. In der Folge entstehen Beuge- und Pronationskontrakturen an der Hand. Die Grundgelenke der Finger sind überstreckt und Fingermittel- und Endgelenke weisen eine Krallenstellung (Flexion) auf. Der Daumen der betroffenen Hand ist in einer Streckstellung fixiert. Im Rahmen der Volkmann-Kontraktur erlischt die elektrische Erregbarkeit erkrankter Muskeln.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Rahmen der Diagnose einer Volkmann-Kontraktur existieren diverse Methoden der Untersuchung. Bei ersten Anzeichen der Erkrankung sollte umgehend ein Facharzt konsultiert werden, der gemeinsam mit dem betroffenen Patienten die Symptome und Krankengeschichte erörtert. Im Anschluss stehen klinische und röntgenologische Methoden der Diagnose zur Auswahl.

Zunächst prüft der behandelnde Arzt das Vorliegen charakteristischer Symptome einer Volkmann-Kontraktur. Der Patient muss beispielsweise angeben, ob die Sensibilität im betroffenen Bereich herabgesetzt ist. Symptome wie die Krallenstellung der Fingergelenke sind offensichtlich und führen zur Erhärtung der Diagnose.

Letztendlich kann die Diagnose der Volkmann-Kontraktur mittels Röntgenuntersuchungen gesichert werden, falls ein Knochenbruch vorlag und sich der betroffene Arm im Gipsverband befindet. Im Röntgenbild können sich Hinweise auf eine potenzielle unzureichende Reposition der Fraktur ergeben, die auf eine Volkmann-Kontraktur schließen lassen.

Komplikationen

In erster Linie führt die Volkmann-Kontraktur zu starken Schmerzen. Diese können dabei in Form von Ruheschmerzen oder als Belastungsschmerzen auftreten, sodass die Betroffenen in ihrem Alltag deutlich eingeschränkt sind. Ruheschmerzen können dabei vor allem in der Nacht zu Schlafbeschwerden und damit zu psychischen Verstimmungen oder zu einer Gereiztheit des Betroffenen führen.

Weiterhin breiten sich die Schmerzen bis in die Schultern oder in den Nacken aus. Aufgrund der verringerten Durchblutung führt die Volkmann-Kontraktur auch zu Lähmungen oder zu verschiedenen Gefühlsstörungen, sodass der Patient in seinem Alltag an starken Bewegungseinschränkungen leidet. Auch der Puls kann durch die Volkmann-Kontraktur abgeschwächt werden, sodass sich die Haut aufgrund der verringerten Sauerstoffversorgung blau färbt.

Weiterhin werden auch die Muskeln abgeschwächt, falls die Erkrankung nicht behandelt wird. Die Behandlung der Volkmann-Kontraktur richtet sich immer nach der genauen Ursache und nach der Verletzung. In der Regel treten dabei keine Komplikationen auf, falls die Krankheit früh erkannt und behandelt wird.

Im schlimmsten Fall kann das Muskelgewebe unbehandelt absterben und nicht mehr wiederhergestellt werden. Die Volkmann-Kontraktur wirkt sich allerdings nicht negativ auf die Lebenserwartung des Patienten aus und verringert diese nicht. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung sind die Patienten auf verschiedene Therapien angewiesen.

Therapie & Behandlung

In Bezug auf die Therapie der Volkmann-Kontraktur stehen diverse behandlungstechnische Methoden zur Verfügung, die der behandelnde Arzt in Abhängigkeit des Schweregrads der Erkrankung, der exakten Lokalisation und der individuell gezeigten Symptome abwägt. Befindet sich der betroffene Arm im Gips, müssen die einengenden Verbände sofort abgenommen werden. In Verbindung damit kann es unter Umständen notwendig sein, im Zuge eines operativen Eingriffs eine Faszienspaltung der betroffenen Partien vorzunehmen.

Wenn die Ursache der Volkmann-Kontraktur in einer Verletzung liegt, muss zunächst eine Versorgung dieser Verletzung erfolgen. Zum Teil kann dabei die Wiederherstellung von beschädigten Blutgefäßen notwendig werden. Tritt ein Bluterguss auf, der sich innerhalb einer Sehnenhülle befindet, muss dieser im Zuge eines operativen Eingriffs geöffnet werden. Der Bluterguss muss dabei ausgespült werden.

Im Anschluss an die Operationen müssen adäquate Nachbehandlungen erfolgen. Zu diesem Zweck sind in der Regel intensive krankengymnastische Übungen erforderlich, um eine optimale Funktion der Muskeln wiederzuerlangen. Wenn durch die Volkmann-Kontraktur besonders viel Muskelgewebe abgestorben und in der Folge dauerhaft verkürzt ist, kann es zu bleibenden Bewegungseinschränkungen kommen.

Prinzipiell gilt, dass es nach einer Volkmann-Kontraktur für eine kausale Therapie bereits zu spät ist. Die Beeinträchtigung der Lebensqualität des betroffenen Patienten kann durch Physiotherapie vermindert werden. Mittels operativer Anlage von sogenannten Arthrodesen im Bereich des Ellenbogens können die Betroffenen symptomatisch behandelt werden.

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Vorbeugung

Präventive Maßnahmen in Bezug auf eine Volkmann-Kontraktur existieren und richten sich in erster Linie auf eine adäquate Behandlung von Frakturen im Bereich des Unterarms.

Suprakondyläre Humerusfrakturen sollten so schnell wie möglich und auf schonende Weise reponiert werden. Beim Anlegen von Gipsverbänden ist darauf zu achten, diese zu spalten. Dadurch kann der Entstehung von Volkmann-Kontrakturen sinnvoll und wirksam vorgebeugt und dauerhafte Schäden vermieden werden.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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