Vojta-Therapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2016
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Bei der Vojta-Therapie handelt es sich um eine physiotherapeutische Behandlungsmethode, die von dem Neurologen Václav Vojta in den 1960er Jahren entwickelt wurde. Sie zielt darauf ab, Menschen mit Erkrankungen oder Verletzungen im Bereich des Zentralen Nervensystems zu einem größtmöglichen Grad ihre Bewegungsfreiheit zurück zu geben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Vojta-Therapie?

Die Therapie wird bei Störungen im Haltungs- und Bewegungsapparat eingesetzt. Dies gilt ebenso für Erkrankungen oder Bewegungseinschränkungen, die vom Nervensystem ausgehen. Diese Schädigungen schränken die dem Menschen angeborenen Bewegungsmuster wie Greifen, Drehen, Gehen und Stehen stark ein oder können sie gänzlich blockieren.

Das Ziel der Vojta-Therapie ist es, diese Bewegungsmuster bei Menschen mit Behinderungen verschiedener Art wieder zu reaktivieren. In welchem Maße dies möglich ist, hängt von der zugrunde legenden Erkrankung beziehungsweise der Behinderung an sich ab. Um den bestmöglichen Effekt zu erzielen, arbeitet die Therapiemethode mit der sogenannten Reflexlokomotion. Reflex definiert sich als unbewusste und unkontrollierte Reaktion auf einen bestimmten Reiz, wobei Lokomotion für Fortbewegung steht. Bei der Reflexlokomotion handelt es sich also um eine durch Reflexe erzwungene Bewegung.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Vojta-Therapie ist bei zahlreichen Erkrankungen einsetzbar. Sie gilt als Basistherapie bei nahezu jeder Bewegungsstörung. Lange Zeit galt die Therapie als bei Erwachsenen unwirksam und einzig bei Kleinkindern erfolgreich. Der Grund hierfür lag in der Formbarkeit des Zentralen Nervensystems bei Kindern, welche bei Erwachsenen jedoch deutlich nachlässt. Diese Vermutungen erwiesen sich als falsch. Zwar wird durch die leichtere Formbarkeit die Chance auf Erfolge erhöht, allerdings werden auch bei Erwachsenen immer wieder Erfolge mit dieser Methode erzielt.

Die einzige Voraussetzung für die Vojta-Therapie ist eine neuromuskuläre Verbindung zwischen den Muskeln und Nervenbahnen. Solange diese Leitung vorhanden ist, kann die Therapie genutzt werden. Ein Anwendungsbereich ist beispielsweise Multiple Sklerose. Hierbei wird das neurologische Potenzial ausgeschöpft.

Die Therapie wird bei Störungen im Haltungs- und Bewegungsapparat eingesetzt. Dies gilt ebenso für Erkrankungen oder Bewegungseinschränkungen, die vom Nervensystem ausgehen.

Es gibt verschiedenste Indikatoren für die Therapie. So kann sie genutzt werden, wenn Bewegungsstörungen aufgrund von Hirnschädigungen auftreten oder bei verschiedenen Muskelerkrankungen. Zudem können bei verschiedenen Arten von Lähmungen Erfolge erzielt werden. Dazu gehören Lähmungen im Bereich der Arme und Beine, aber auch Querschnittslähmungen, sofern die oben genannte Bedingung erfüllt wird. Außerdem findet die Therapie Anwendung bei Koordinationsstörungen im Säuglingsalter. Diese können beispielsweise auf verschiedene genetische Erkrankungen zurückgeführt werden.

Zudem wird die Vojta-Therapie bei Menschen mit Einschränkungen im Bereich der Wirbelsäule eingesetzt. Dazu gehört beispielsweise Skoliose, also eine Wirbelsäulenverkrümmung. Hinzu kommen bereits aufgegriffene neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Ischalgien und Bandscheibenvorfälle. Daneben ist sie auch ein Mittel der Wahl, welches nach Schlaganfällen eingesetzt wird, um den Betroffenen einen Weg ins Leben zurück zu aufzuzeigen. Die Therapie kann helfen, natürliche Bewegungsmuster weitestgehend wiederherzustellen und somit das Leben wieder zu erleichtern.

Je nach Art kann die Vojta-Therapie auch bei angeborenen Fehlstellungen und damit verbundenen Fehlbelastungen eingesetzt werden. Zusätzlich können solche Fehlbelastungen auch durch Unfälle und Verletzungen sowie den dadurch verursachten Schmerzen ausgelöst werden.

Dagegen sollte die Therapie nicht angewendet werden, wenn akute und entzündliche Erkrankungen vorliegen. Hierauf ist sie nicht ausgerichtet oder spezialisiert. Das Gleiche gilt für den Einsatz bei Personen mit Glasknochen, da die Reflexlokomotion hier zu starken Schädigungen führen kann. Zudem sollte bei manchen Herz- und Muskelerkrankungen auf die Vojta-Therapie verzichtet werden. Entsprechende Vereinbarungen sind mit dem zu behandelnden Arzt und Physiotherapeuten individuell zu treffen.

Die Therapie arbeitet mit der Auslösung von Reizen durch den Therapeuten. Diese werden aus verschiedenen Grundpositionen heraus aktiviert. Eine Variante ist die Aktivierung, wenn der Patient sich in einer liegenden Position befindet. Die Reizung führt dabei zu entsprechenden Bewegungskomplexen, dem Reflexkriechen oder Reflexumdrehen. So werden Bewegungen erzielt, die den meisten Patienten zuvor unter Umständen nicht möglich waren. Durch Kombination und Variation verschiedener Reize und Bewegungen kann so ein auf den Betroffenen zugeschnittenes Therapieprogramm erzielt werden.

Die Therapie muss auf die Krankheit und deren Verlauf sowie die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Zusammen mit dem Therapeuten wird ein passendes Therapieprogramm entwickelt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Kritiker der Vojta-Therapie zielen vor allem auf den Einsatz der Methoden auf Säuglinge ab. Dabei werden sie von Müttern betroffener Kinder unterstutzt. Der Grund dafür ist das Schreien der Säuglinge während der Therapiesitzung, welches zu psychischem Stress bei der Mutter führt.

Sie ist dabei gezwungen, das Schutzbedürfnis zu unterdrücken. Außerdem besteht die Befürchtung, den Kindern damit unterbewusst psychische Schäden zuzufügen. Die Kinder könnten den Eltern die Behandlung übel nehmen. Grundlage hierfür ist das fehlende Verständnis von Säuglingen, was die erzwungene Bewegung angeht. Möglicherweise empfänden Kinder die Therapie als Misshandlung, was sich negativ auf die geistige Entwicklung auswirkt. Dabei ist der enorme Stress, denen die Eltern und vor allem Mütter bei der Therapie ausgesetzt werden, nicht zu verachten.

Erfahrungsberichte berichten von ununterbrochenem Schreien der Kinder. Häufig sprechen Kinderärzte und Therapeuten von möglichen Szenarien, die auf die Familie zukommen, wenn die Behandlung nicht fortgeführt wird. Allerdings ist es sinnvoll, zunächst unterschiedliche Kinderärzte anzuhören und über Alternativen nachzudenken, bevor sich Eltern für die Vojta-Therapie entscheiden. In einigen Fällen gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten, die weniger nervenraubend sind und bei denen die Kinder unter geringeren Druck gesetzt werden. Daher sollte die Vojta-Therapie bei Säuglingen nur dann eingesetzt werden, wenn sie von mehrerlei Seite als zwingend notwendig empfunden wird.

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