Vocal Cord Dysfunction

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Unter einer Vocal Cord Dysfunction wird eine Stimmbandstörung verstanden. Dabei leiden die Betroffenen unter plötzlich auftretender Atemnot.

Inhaltsverzeichnis

Was kennzeichnet eine Vocal Cord Dysfunction?

Bei der Vocal Cord Dysfunction (VCD) handelt es sich um eine Funktionsstörung der Stimmbänder. Der Begriff stammt aus dem Englischen und steht für Stimmband-Fehlfunktion. Dabei verengen oder verschließen sich die Stimmbänder für kurze Zeit. Dies hat bei den Betroffenen eine anfallsartige Atemnot zur Folge. Sogar das Gefühl, ersticken zu müssen oder ein Gefühl von Todesangst treten dabei auf. Lebensgefährlich ist die Vocal Cord Dysfunction trotz ihrer heftigen Symptome jedoch nicht.

Da die Funktionsstörung der Stimmbänder noch wenig bekannt ist, wird sie nicht selten mit Asthma bronchiale verwechselt. Infolgedessen erhält der Patient oft über Jahre hinweg keine angemessene Behandlung. Der Unterschied zum Asthma besteht in einem plötzlichen Auftreten von Atemnotanfällen, die von den Betroffenen sehr heftig erlebt werden können.

Ursachen

In früheren Jahren wurden in erster Linie psychosomatische Auslöser als Ursache für eine Vocal Cord Dysfunction verantwortlich gemacht. So kann ein VCD-Anfall durch psychische Belastungen oder Stress entstehen. Aber auch körperliche Ursachen gelten verstärkt als Urheber für die Fehlfunktion der Stimmbänder. Dabei handelt es sich zumeist um Reflux-Erscheinungen wie saures Aufstoßen.

Die Stimmbänder werden schon durch kleine Mengen von Magenflüssigkeit oder Säure in Mitleidenschaft gezogen. Von geringerer Bedeutung ist dagegen Sodbrennen über dem Magen. Ebenfalls reizen lassen sich die Stimmbänder durch den Zufluss von Sekreten. Dabei fließen entzündliche Sekrete aus der Nase oder den Nasennebenhöhlen über die Rachenwand hinunter zu den Stimmbändern.

Der Verschluss der Stimmbänder ist in diesen Fällen nach Meinung von Experten ein wichtiger Abwehrreflex des Körpers. Auf diese Weise lässt sich das Eindringen von schädlichen Flüssigkeiten in die Lunge verhindern. Aus nicht geklärten Gründen entsteht aus dem Abwehrmechanismus die Erkrankung VCD. Es wird ein Absinken der Auslöseschwelle für die Schlussbewegungen der Stimmbänder vermutet. Dabei genügen schon kleinste Reize zum Auslösen der Atemwegseinengung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein typisches Symptom der Vocal Cord Dysfunction ist das plötzliche Einsetzen von Atemnot. Sie zeigt sich oft unvermittelt von einem Atemzug zum nächsten. Nicht selten geht den Atemproblemen auch ein Hustenanfall voraus. Sehr unterschiedlich ist das Ausmaß eines VCD-Anfalls.

Manche Patienten haben dabei das Gefühl ersticken zu müssen, während bei anderen lediglich eine eingeschränkte Atmung besteht. Häufig führt dies zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Ebenso plötzlich wie die Atemnot gekommen ist, verschwindet sie auch wieder. Meist treten die Anfälle unregelmäßig auf. Ein auslösender Grund lässt sich nicht erkennen. Weitere mögliche Beschwerden können ein Enge-Gefühl im Hals, Halskratzen, Heiserkeit und Räuspern sein.

Rund zwei Drittel aller VCD-Patienten leiden zusätzlich unter Asthma bronchiale. So zeigen sich neben den VCD-Symptomen auch Asthma-Beschwerden. Dieser Umstand macht es den Ärzten oft schwer, die Erkrankung zweifelsfrei zu diagnostizieren. Außerdem zeigen Medikamente gegen Asthma bei der Vocal Cord Dysfunction kaum Wirkung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnostik einer Vocal Cord Dysfunction fällt nicht immer leicht. So treten die Atemnotanfälle unvorhergesehen auf. Hinweise auf die Stimmbandstörung lassen sich durch Probleme des Patienten beim Einatmen erhalten. So leiden 95 Prozent aller VCD-Patienten unter Problemen beim Einatmen. Als beste Methode zur Diagnosestellung gilt eine Endoskopie der Stimmbänder.

Gelingt es durch die Einführung eines Endoskops einen VCD-Anfall auszulösen, tritt dadurch der Stimmbandverschluss zutage. Auch wenn es durch die Untersuchung nicht gelingt, einen Anfall auszulösen, kann durchaus eine Vocal Cord Dysfunction bestehen.

In der Regel nimmt eine VCD einen positiven Verlauf. So erlernen die meisten Patienten mit der Zeit den richtigen Umgang mit der Stimmbandstörung und empfinden sie als weniger gefährlich. Mitunter können die Beschwerden auch vollkommen verschwinden.

Komplikationen

Die Vocal Cord Dysfunction führt zu einer Atemnot. Diese tritt dabei sehr plötzlich und unerwartet ein und kann damit zu schwerwiegenden Komplikationen und im schlimmsten Fall zum Tod des Betroffenen führen. Vor den Atembeschwerden kommt es häufig auch zu einem starken Husten. Sollten die Atembeschwerden nicht rechtzeitig gelöst werden, so können diese auch zu einem Bewusstseinsverlust und damit eventuell zu einer anderen Verletzung führen.

Die Anfälle sind dabei nicht regelmäßig und können nicht vorhergesagt werden, sodass sich die Lebensqualität des Patienten durch die Vocal Cord Dysfunction erheblich verringern. Weiterhin kommt es auch zu einer starken Heiserkeit, zu Herzrasen oder zu einem Fremdkörpergefühl im Hals des Patienten. Häufig kann auch keine eindeutige Diagnose der Erkrankung erfolgen, da die Beschwerden nur kurzzeitig oder sehr plötzlich eintreten.

Auch eine frühzeitige Behandlung wird aus diesem Grund in der Regel nicht durchgeführt. Eine direkte Behandlung ist nicht möglich. Die Betroffenen können die Anfälle eventuell mit Hilfe verschiedener Therapien lindern. Auch der Einsatz von Medikamenten kann sich möglicherweise positiv auf die Erkrankung auswirken.

Therapie & Behandlung

Wichtigster Teil einer VCD-Therapie ist, dem Patienten die Angst vor einem Atemnotanfall zu nehmen. So wird die Bedrohung von den Betroffenen oft weitaus intensiver empfunden, als sie in Wirklichkeit ist. Um aus einer Atemnot rasch herauszukommen, erlernt der Patient spezielle Atemtechniken. Diese werden individuell angepasst und können dabei helfen, einen VCD-Anfall sogar komplett zu vermeiden.

Sind psychische Gründe der Auslöser der Vocal Cord Dysfunction, müssen diese entsprechend behandelt werden. Dabei ist die Mitarbeit des Patienten sehr wichtig. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, unterzieht sich der Patient bestimmter Atemübungen. Es gilt als ratsam, diese auch in Belastungssituationen durchzuführen. Auf diese Weise fällt die Anpassung an das Alltagsleben leichter.

Um die Atemmuskulatur sowie die Muskeln von Hals und Kehlkopf zu lockern, können spezielle Atemmassagen stattfinden. Als sinnvoll gilt außerdem das Erlernen von Phonationsübungen. So sind diese wichtig, um die gesamte Stimmmuskulatur nachhaltig zu entspannen. Kennt der Arzt die genauen Ursachen der VCD, hat er die Möglichkeit, ein individuelles Behandlungskonzept für den Patienten zu erstellen.

Mitunter gilt der Einsatz von Protonenpumpenhemmern als hilfreich. Leidet der Patient zusätzlich unter Asthma bronchiale, erhält er eine entsprechende Asthmabehandlung. Weitere wichtige Therapiebausteine sind eine Physiotherapie, eine psychotherapeutische Behandlung sowie eine Entspannungstherapie. Zahlreichen Patienten fällt eine VCD-Therapie schwer. So leiden sie unter Begleiterkrankungen oder schaffen es nicht, die psychischen Faktoren wirksam aufzuarbeiten.

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Vorbeugen

Gezielt vorbeugen lässt sich einer Vocal Cord Dysfunction nicht. Zur Vorbeugung eines VCD-Anfalls können Entspannungstechniken zur Anwendung kommen. Dazu zählen die Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training. Mit diesen Methoden lässt sich die Angst vor einem neuen Anfall besser beherrschen.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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