Vobrationssinn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. März 2017
Startseite » Körperprozesse » Vobrationssinn

Der Vibrationssinn ist eine Wahrnehmungsqualität des Tastsinns, die durch die Meissner- und Vater-Pacini-Körperchen realisiert wird. Der Vibrationssinn des Menschen spielt nicht nur für Reize aus der Umwelt, sondern auch für solche aus dem eigenen Körper eine Rolle. Periphere Nervenschädigungen können das Vibrationsempfinden stören.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Vibrationssinn?

Der menschliche Tastsinn besitzt verschiedene Wahrnehmungsqualitäten. Neben der Druckwahrnehmung ist er zur Wahrnehmung von Vibrationen fähig. Der Vibrationssinn des Menschen ist damit eine Unterkategorie der Tastsinnesqualitäten und wird auch als Pallästhesie bezeichnet.

Die erste Stelle für Tastwahrnehmungen sind die sogenannten Mechanorezeptoren. Von diesen Sinneszellen besitzt der Mensch verschiedene Arten. Für den menschlichen Vibrationssinn sind vor allem die Vater-Pacini- und die Meissner-Körperchen zuständig. Diese Sinneszellen nehmen hochfrequente und niederfrequente Vibrationsreize aus der Umwelt auf, wandeln sie in proportionale Erregung um und schicken die Vibrationsinformationen ins zentrale Nervensystem, wo sie das Bewusstsein erreichen.

Der adäquate Reiz ist für den Vibrationssinn die mechanische Schwingungsenergie in periodischem Zeitverlauf. Menschen registrieren daher zB dank ihres Vibrationssinns auf der Fingerbeere vor allem Vibrationen mit einer Frequenz um die 200 Hz. Zur Auslösung einer Empfindung sind beim Menschen weitaus höhere Schwingungsamplituden erforderlich als beispielsweise bei Insekten, die zur Schwingungswahrnehmung spezielle Organe besitzen.

Funktion & Aufgabe

Bei den Vater-Pacini-Körperchen des Vibrationssinns handelt es sich um schnell adaptierende Mechanorezeptoren in ovoid ovaler Grundform mit einem Längsdurchmesser von etwa einem Millimeter. Ihre Lamellen sind zwiebelschalenartig angeordnet und liegen um das unisoliert marklose Ende isoliert markhaltiger Nervenfasern herum. Die Lamellen der Körperchen bestehen aus Schwann-Zellen, die über Lagen interstitieller Flüssigkeit voneinander getrennt sind und Kollagenfasern mit Glykoproteinen enthalten. Das Innere ist flüssigkeitsgefüllt und enthält ein freies Neuron.

Die Körperchen liegen insbesondere in der Unterhaut und reagieren auf Veränderungen von Druck und Vibrationen. Zur Registrierung von konstant dauerhaftem Druck sind sie nicht in der Lage. Die Verformung der Rezeptoren durch einen Vibrations- oder Druckreiz verändert die Konformation ihrer Natriumkanäle. Aus der Zellmembran strömt damit Natrium ein und löst ein Aktionspotential aus, das über afferente Nervenbahnen bis ins Gehirn wandert.

Vater-Pacini-Körperchen reagieren nur auf hochfrequente Vibration. Zusammen mit den Meissner-Tastkörperchen für niederfrequente Vibration bilden sie die Gesamtheit des menschlichen Vibrationssinns. Die Meissner-Körperchen liegen innerhalb der Leistenhaut im dermalen Stratum papillare. Die Rezeptoren sind bis zu 150 µm lang und zapfenförmig aufgebaut. Im Inneren ihrer Bindegewebskapseln liegen isoliert myelinhaltige Nervenfasern, die mit ihren unisolierten Endigungen die Aktionspotentiale bei Vibration und Druck generieren.

Für den menschlichen Vibrationssinn sind vor allem die Vater-Pacini- und die Meissner-Körperchen zuständig. Die Körperchen liegen insbesondere in der Unterhaut und reagieren auf Veränderungen von Druck und Vibrationen.

Bei den Meissner-Körperchen handelt es sich um schnell adaptierende Differentialrezeptoren, sogenannte D-Rezeptoren mit einer Aktionspotentialfrequenz in Proportionalität zur Geschwindigkeit der Reizveränderung. Jedes rezeptive Feld eines Meissner-Körperchens besitzt nur geringe Größe, dafür aber ein umso höheres Auflösungsvermögen. Damit können die Körperchen auch eng nebeneinander liegende Vibrationen unterscheiden.

Wie die Vater-Pacini-Körperchen schicken auch die Meissner-Körperchen Informationen über detektierte Vibrationen über das Rückenmark in das zentrale Nervensystem und das Gehirn, um sie in das Bewusstsein übertreten zu lassen.

Die Pallästhesie oder der Vibrationssinn ist nicht nur für die Detektion von extrozeptiven Reizen aus der Umwelt, sondern auch für die Registrierung von introzeptiven Vibrationsreizen aus dem eigenen Inneren relevant. In diesem Zusammenhang spielt die Sinnesqualität des Tastsinns vor allem für die Tiefensensibilität eine Rolle.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Krankheiten & Beschwerden

Störungen oder Beschwerden des Vibrations- und Tastsinns sind Nervenstörungen und somit ein Gebiet der Neurologie. Die Pallästhesie wird in der Neurologie wegen ihrer Relevanz für die Tiefensensibilität vor allem zur Beurteilung der Tiefensensibilität untersucht. Mit einer graduierten 128-Hz-Stimmgabel nach Rydel-Seiffer wird eine Quantifizierung von Vibrationsempfindungen in Skalenbereichen zwischen 0 und acht vorgenommen. Der Neurologe schlägt die Stimmgabel an und legt sie distal beginnend auf oberflächliche Anteile des Knochens. Falls im distalen Bereich Wahrnehmungsdefizite in Zusammenhang mit Vibration ins Auge fallen, setzt der Neurologe die Untersuchung in proximale Richtung fort. An den unteren Extremitäten legt er die Stimmgabel dazu beispielsweise an der Großzehe oder der Spina iliaca anterior superior an. An den oberen Extremitäten legt er sie an den Processus styloideus ulnae oder das Olecranon und im Bereich des Körperstamms prüft er das Vibrationsempfinden am Sternum. Für die gesamte Dauer der Untersuchung muss der Patient die Augen geschlossen halten und dem Neurologen nach Instruktionen die Zeitpunkte angeben, in denen er keine Vibrationen mehr wahrnimmt. Der Wert für das Vibrationsempfinden wird so auf der Skala abgelesen.

Störungen des Vibrationssinns können entweder einer verminderten Vibrationswahrnehmung mit Werten unter 6/8 entsprechen oder einem Komplettausfall des Vibrationssinns gleichkommen. In ersterem Fall liegt eine Pallhypästhesie vor. Der kompletten Ausfall wird auch als Pallanästhesie bezeichnet. Bei beiden Störungen liegt der Verdacht auf ein Nervenleiden im peripheren Nervensystem nahe, so beispielsweise auf eine Polyneuropathie. Polyneuropathien können zum Beispiel mit Vergiftungen oder früheren Infektionen in Zusammenhang stehen.

Ein gestörtes Vibrationsempfinden als Folge einer Läsion im zentralen Nervensystem ist eher selten. Unter Umständen können aber auch Rückenmarksläsionen oder Verletzungen am Lemniscus medialis mit Vibrationsstörungen assoziiert sein. Besonders selten, aber möglich, ist die Störung des Vibrationssinns eine Folge aus einer Verletzung des sensorischen Cortex. Falls der Vibrationssinnesstörung tatsächlich eine Läsion im zentralen Nervensystem zugrunde liegt, kann es sich bei dieser Läsion neben traumatischen Verletzungen beispielsweise um Tumore oder entzündliche Verletzungen von Nervengewebe handeln.

Bücher über Wahrnehmungsstörungen

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: