Virales hämorrhagisches Fieber

Letzte Aktualisierung am 22. Januar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Das virale hämorrhagische Fieber ist ein Sammelbegriff für viral bedingte Erkrankungen, die mit hohem Fieber und inneren Blutungen einhergehen. Für diese Erkrankungen sind vier verschiedene Gruppen von Viren verantwortlich, die aber miteinander in verwandtschaftlicher Beziehung stehen. Derzeit kann ein ausgebrochenes virales hämorrhagisches Fieber noch nicht kausal behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein virales hämorrhagisches Fieber?

Virales hämorrhagisches Fieber bezeichnet eine Gruppe von virusbedingten Infektionskrankheiten, deren Hauptsymptom sich als Kombination aus hohem Fieber mit starken inneren Blutungen äußert. Zu dieser Gruppe von Krankheiten gehören im engeren Sinne sehr schwere, hochansteckende und lebensbedrohliche Infektionen. Im weiteren Sinne werden auch mildere Erkrankungsformen dazu gerechnet, bei denen der Übertragungsweg nicht direkt, sondern über Vektoren erfolgt.

Es gibt vier Gruppen von Erregern, die ein virales hämorrhagisches Fieber auslösen können. Dazu zählen unter anderem die Familien der Arenaviridae, der Bunyaviridae, der Filoviridae und der Flaviviridae. Diese Virusfamilien sind teilweise miteinander verwandt. Bei allen entsprechenden Erregern handelt es sich um RNA-Viren. Die Arenaviridae sind unter anderem für die Auslösung des Lassafiebers und andere hämorrhagische Fieber verantwortlich.

Überträger sind in den meisten Fällen Nagetiere. Bunyaviridae werden wiederum hauptsächlich durch Insekten wie Moskitos, Stechmücken, Sandmücken oder anderen übertragen. Sie lösen verschiedene Formen des Hanta-Fiebers sowie das Rifttalfieber (RVF) oder das Krim-Kongo-Fieber (CCHF) aus. Die Filoviridae verursachen Ebola oder das Marburgfieber. Gelbfieber, Dengue-Fieber, Wests-Nil-Fieber, Kyasanur-Wald-Fieber oder das Omsker Fieber (OHF) werden durch die Familie der Flaviviridae hervorgerufen.

Ursachen

Alle Erreger für ein virales hämorrhagisches Fieber wurden ursprünglich vom Tier auf den Menschen übertragen. Es handelt sich um sogenannte Zoonosen. Träger dieser Viren sind vor allen Affen, Nagetiere, Fledermäuse und auch Haustiere. Die Tiere selber erkranken nicht am hämorrhagischen Fieber, weil ihr Immunsystem auf diese Viren angepasst ist. Der Mensch ist jedoch ein Fehlwirt und kommt erstmalig mit den Erregern in Berührung.

Daher ergeben sich heftige Abwehrreaktionen, die zu hohem Fieber und Zerstörung der Blutgefäße führen können. Es gibt jedoch auch Infektionen, die stumm verlaufen. Als Überträger vom Tier zum Menschen kommen häufig Insekten wie Mücken oder Zecken infrage. Aber auch der Verzehr infizierter Tiere führt oft zu einer Infektion. Auch beim Kontakt mit infiziertem Tierkot oder Urin kann die Erkrankung ausgelöst werden.

Das gilt vor allem für das Lassa-Fieber. Manches hämorrhagische Fieber kann auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Das erfolgt unter anderem über Tröpfcheninfektion, Stuhl, Urin, Erbrochenes, Schweiß oder auch Blutkontakte. Je höher die Viruslast eines Patienten ist, desto höher ist auch die Infektiosität.

Die hohe Infektiosität führt unter anderem dazu, dass viele Neuinfektionen im Krankenhaus auftreten. Daher sind höchste Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Infizierte Personen müssen streng isoliert werden, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Obwohl es sich um verschiedene Erkrankungen und Erreger handelt, sind allen Infektionen hohes Fieber, innere Blutungen sowie Nieren- und Leberfunktionsstörungen mit Ödemen gemeinsam. Die Blutungen entstehen durch sogenannte capillary leakage (Zerstörung von kapillaren Blutgefäßen). Dabei treten dauernd blaue Flecken auf. Stuhl und Urin sind häufig blutig.

Es kann zu Kreislaufzusammenbrüchen, Schockzuständen, Krämpfen oder gar Lähmungserscheinungen kommen. Die Prognose der Erkrankung verschlechtert sich durch starke Blutungen und entzündliche Erkrankungen der Hirnhaut oder des Hirns. Wenn der Patient die Erkrankung übersteht, leidet er häufig an neurologischen Folgeerscheinungen wie Hörminderung.

Nicht alle Infektionen führen jedoch zu einem hämorrhagischen Fieber. Es gibt sogar Patienten, die asymptomatisch sind. Auch innerhalb einer spezifischen Infektion sind durchaus auch unterschiedliche Krankheitsverläufe möglich. Erkrankungen wie Ebola oder das Marburgfieber zeigen jedoch fast immer die Symptome eines hämorrhagischen Fiebers. Bis zu 90 Prozent der Betroffenen überstehen diese Infektionen nicht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Untersuchung eines viralen hämorrhagischen Fiebers muss unter Hochsicherheitsbedingungen durchgeführt werden, um eine Übertragung der Erreger zu vermeiden. Das Virus kann im Blut, Urin oder Speichel diagnostiziert werden. Zunächst müssen Differenzialdiagnosen gegen Malaria und bakterielle Infektionen erfolgen. Durch die eindeutige Bestimmung des Virus kann die entsprechende Erkrankung diagnostiziert werden.

Komplikationen

Abhängig von der Art und Schwere der Erkrankung, kann ein virales hämorrhagisches Fieber verschiedene Komplikationen hervorrufen. Gemeinsam haben die verschiedenen Erkrankungen und Erreger hohes Fieber, Nieren- und Leberfunktionsstörungen sowie innere Blutungen. Werden innere Blutungen nicht umgehend gestoppt, kann der Blutverlust eine Blutarmut mit Mangelerscheinungen und Schockgefahr hervorrufen.

Bei einem schweren Verlauf kann das Fieber lebensbedrohliche Folgen haben, zum Beispiel kann es zu Herz-Rhythmus-Störungen und Kreislaufversagen kommen. Auch Krämpfe und Lähmungserscheinungen sind bei einem schweren Verlauf nicht auszuschließen. Tritt eine entzündliche Erkrankung der Hirnhaut auf, kann dies eine Blutvergiftung zur Folge haben. Daraus kann ein septischer Schock und akutes Kreislaufversagen resultieren.

Weiterhin kann es zu Organversagen, Hirnabszessen und neurologischen Schäden kommen. Ein virales hämorrhagisches Fieber ist meist auch mit Folgeerscheinungen wie Hörminderung und neurologischen Ausfallerscheinungen verbunden. Die Behandlung verläuft normalerweise ohne Zwischenfälle.

Allerdings können fiebersenkende Medikamente Nebenwirkungen hervorrufen und beispielsweise zu Kreislaufbeschwerden führen. Wird eine Infusion gelegt, um den Flüssigkeits- und Nährstoffhaushalt zu regulieren, treten mitunter Entzündungen an der Einstichstelle auf. In Einzelfällen reagiert der Patient allergisch auf die verwendeten Materialien und Stoffe.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Behandlung von viralem hämorrhagischen Fieber ist zurzeit noch nicht möglich. Es kann lediglich eine symptomatische Therapie durchgeführt werden. Diese Therapie besteht in fiebersenkenden Maßnahmen, weitgehender intensivmedizinischer Betreuung und Regulierung des Glykose-, Wasser- und Elektrolythaushaltes.

Wichtig ist dabei auch der Schutz des Krankenhauspersonals vor einer Infektion. Sicherheitsmaßnahmen und Isolation des Patienten sind während der Behandlung zwingend notwendig. Gegen Hanta- und Adenoviren wirkt auch der virostatische Wirkstoff Ribavirin. Allerdings gilt das nur für das Anfangsstadium der jeweiligen Infektion. Die anderen Viren sprechen auf den Wirkstoff nicht an.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung vor einem viralen hämorrhagischen Fieber besteht vor allen in Maßnahmen zum Schutz vor übertragenden Insekten. Auch der Verzehr von rohem Fleisch in Infektionsgebieten sollte unterlassen werden. Des Weiteren müssen die hygienischen Grundregeln zwingend eingehalten werden. Körperkontakte mit erkrankten Personen sind unbedingt zu vermeiden werden.

Besonders das medizinische Personal muss sich durch Schutzkleidung und Atemschutzmasken vor einer Ansteckung schützen. Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Deutschland besteht bei Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber generell Meldepflicht, um entsprechende Quarantänemaßnahmen zu ergreifen. So ist eine Isolierung betroffener Patienten zwingend vorgeschrieben. Gegen das Gelbfieber gibt es bereits einen Impfstoff. Zur Vorbeugung vor anderen Erkrankungen mit viralem hämorrhagischen Fieber wird derzeit intensiv an Impfstoffen geforscht.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Modrow, S., Falke, D.: Molekulare Virologie. Springer Spektrum, Berlin 2010
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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