Vibrio parahaemolyticus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Vibrio parahaemolyticus ist eine bakterielle Spezies, die viele einzelne Stämme enthält. Die Bakterien leben bevorzugt in Meerwasser und können vor allem bei dem Verzehr von unzureichend gegartem Fisch und Meeresfrüchten auf den menschlichen Darm übergehen. Nicht alle Stämme des Bakteriums gelten als humanpathogen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Vibrio parahaemolyticus?

In der bakteriellen Abteilung der Proteobacteria bilden die Gammaproteobacteria eine eigene Klasse. Sie umgreift Ordnungen wie die der Vibrionales, zu denen wiederum die Bakterienfamilie Vibrionaceae zählt. Diese Familie enthält die Gattung der Vibronen oder Vibro, die verschiedene Arten von gramnegativen, fakultativ anaeroben und gebogenen Stäbchenbakterien mit unipolaren Geißeln umgreift. Die Bakterien aus dieser Gattung sind dank ihrer Begeißelung zur aktiven Fortbewegung fähig.

Eine Spezies der Vibrionen ist die Bakterienart Vibrio parahaemolyticus mit ihren einzelnen Stämmen. Die Pathogenität der Bakterien wurde nach einer bakteriell bedingten Krankheitswelle in Japan im Jahr 1951 von Fujino Tsunesaburō festgehalten. Seit Ende der 1990er Jahre sind Infektionen mit Vibrio parahaemolyticus auch in Nord- und Südamerika verbreitet. Fälle mit Infektionen des Verdauungstrakts wurden mittlerweile zudem in Europa dokumentiert.

Mit dem Vibrio parahaemolyticus ist eine enorme Vielzahl unterschiedlicher Stämme assoziiert, die, abhängig von intrazellulären Antigenen, in Serotypen untergliedert werden. 76 Serotypen sind bislang identifiziert worden. Zwölf von ihnen sind pathogene Krankheitserreger. Die Pathogenität anderer Stämme ist bislang noch unklar und entspricht so aktuell noch immer einem Forschungsgegenstand.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Fakultativ anaerobe Bakterien wachsen optimal in Gegenwart von Sauerstoff, können aber auch in Abwesenheit von O2 leben, indem sie ihren Stoffwechsel umschalten. Als fakultativ anaerobe Bakterienart ist die Spezies Vibrio parahaemolyticus zum Wachsen also nicht zwingend auf ein sauerstoffreiches Milieu angewiesen, obgleich ihr Wachstum von Sauerstoff begünstigt wird.

Die Stämme der Spezies besitzen die Enzyme Katalase und Oxidase. Die idealen Temperaturen für das Wachstum liegen zwischen 10 und - 15 Grad Celsius. Auch mit höheren Temperaturen können die Bakterien gut leben, so beispielsweise mit Celsiusgraden zwischen 20 und 30. Das macht das Bakterium zu einem mesophilen Bakterium.

Wie andere Vertreter der übergeordneten Gattung betreibt die Spezies Vibrio parahaemolyticus chemoorganotrophen sowie heterotrophen Stoffwechsel. Demzufolge benutzen die Bakterien organische Verbindungen als Energiequelle und bauen aus ihnen außerdem zelleigene Stoffe auf. Die Bakterien sind zur Verwertung verschiedener Substrate in Form von Gärung in der Lage. Sie verstoffwechseln Kohlenhydrate wie Glucose, Arabinose oder Mannose zum Beispiel fermentativ zu Säuren oder ähnlichen Produkten. Dank der Enzyme Ornithindecarboxylase und Lysindecarboxylase ist ihnen die Abspaltung von Kohlenstoffdioxid von Aminosäuren wie Ornithin und Lysin möglich.

Der natürliche Lebensraum der Spezies Vibrio parahaemolyticus ist das Wasser, wo sie vor allem in den Sommermonaten vermehrt nachgewiesen wird. Bevorzugt lebt das Bakterium im Meerwasser, so insbesondere in Brack- und Küstengewässern. Ab Temperaturen von etwa 14 Grad Celsius werden die Bakterien aus dem Sediment freigesetzt und heften sich an Planktonbestandteile, sodass es zur Übertragung auf Fische und Krebstiere kommt. Die Übertragung auf den Menschen kann durch den Verzehr von kontaminierten Meeresbewohnern wie Austern stattfinden, da diese oft roh verspeist werden.

Auch über unzureichend aufbereitetes Trinkwasser kann eine Infektion erfolgen. In Einzelfällen wurde auch ein Eindringen von Bakterien über kleinere Wunden beobachtet, mit denen der Betroffene in kontaminiertem Wasser schwimmen war.

Nicht alle Stämme des Bakteriums sind humanpathogen. Einige verhalten sich nach dem Eindringen in den menschlichen Organismus als Kommensale und rufen weder Schaden hervor, noch bringen sie Nutzen.

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Krankheiten & Beschwerden

12 pathogene Serotypen des Vibrio parahaemolyticus sind bislang beschrieben worden. Diese Serotypen werden vor allem mit der bakteriellen Infektion der Gastroenteritis in Verbindung gebracht. O3:K6 ist der am häufigsten identifizierte Serotyp. Dabei handelt es sich um den Stamm Vibrio parahaemolyticus RIMD 2210633. Außerdem gelten die Serotypen O1:K25, O1:K41, O1:K56, O3:K75, O4:K8 und O5:KUT als pathogen.

Infektionen mit Vibrio parahaemolyticus sind vor allem im asiatischen Raum verbreitet, so in Japan, Taiwan oder Südostasien. 1998 gab es in Texas und zwölf weiteren US-Staaten eine Epidemie. Wenig später wurden auch in Chile epidemische Infektionen dokumentiert. Innerhalb Europas trafen Frankreich die schwerwiegendsten Infektionsfälle.

Der bevorzugte Infektionsweg der Bakterienart Vibrio parahaemolyticus ist der fäkal-orale Weg. Roher oder ungenügend gegarter Fisch wie Makrele, Thunfisch, Sardine und Aal oder Meeresfrüchte wie Krabben, Tintenfische, Garnelen, Hummer und Muscheln gelten als häufigste Infektionsquellen. Seltener ziehen sich Personen die Infektion durch eine Wunde bei Badeaufenthalten in warmem Meereswasser zu.

Die Infektion mit pathogenen Stämmen der Bakterienart ruft eine akute Gastroenteritis hervor. Oberflächliche Wundinfektionen und Sepsis (Blutvergiftung) sind ebenfalls denkbare, aber eher seltene Symptome. Nach bis zu einem Tag Inkubationszeit erleiden die Betroffenen wässrigen Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Fieber und Erbrechen.

Die Symptome halten meist drei Tage an, bei immunschwachen Patienten auch bis zu zehn Tage. Eine medikamentöse Therapie wird nur beim Eintritt der Bakterien ins Blut und damit bei der Gefahr einer Sepsis erforderlich. In schweren Fällen der Infektion findet neben Elektrolyt- und Flüssigkeitsersatz durch Infusionen die Gabe eines Antibiotikums wie Doxycyclin oder Ciprofloxacin statt. Da bei immungeschwächten Patienten generell ein höheres Risiko für Komplikationen besteht, werden ihnen bei einer Infektion grundsätzlich Medikamente verabreicht.

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