Vesikovaginale Fistel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Bei einer vesikovaginalen Fistel kommt es zur Entstehung einer unnatürlichen Verbindung zwischen weiblicher Harnblase und Scheide. Infolgedessen leiden die betroffenen Frauen unter Inkontinenz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine vesikovaginale Fistel?

Als vesikovaginale Fistel wird eine abnormale Verbindung zwischen der Harnblase der Frau (Vesica urinaria) und ihrer Scheide (Vagina) bezeichnet. Dieser krankhafte Kontakt trägt auch die Bezeichnung Harnblasen-Scheidenfistel.

Bei einer Fistel handelt es sich um eine pathologische Verbindung zwischen zwei Organen. Eine Folge der vesikovaginalen Fistel sind chronische Entzündungen der Blase sowie Harninkontinenz. In den meisten Fällen kommt es zur Mündung der Harnblasen-Scheidenfistel am Blasenboden oder an der Hinterwand der Blase.

In den Industriestaaten ist eine vesikovaginale Fistel nur sehr selten zu verzeichnen. Dagegen tritt sie in Ländern der Dritten Welt deutlich häufiger auf. Besonders betroffen von der Erkrankung ist Zentralafrika, was sich auf die schweren Geburtsvorgänge zurückführen lässt. Als Risikofaktoren werden dabei das sehr junge Alter der gebärenden Frauen sowie die mangelhafte medizinische Versorgung eingestuft. Schätzungen zufolge leben weltweit rund 500.000 bis zwei Millionen Patientinnen mit einer unbehandelten Harnblasen-Scheidenfistel.

Ursachen

In den westlichen Ländern wird eine vesikovaginale Fistel zumeist durch Komplikationen, die bei einem operativen Eingriff am Unterleib vorkommen, verursacht. Ein solches Trauma tritt in Europa vor allem bei der Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) auf. In Staaten der Dritten Welt sind dagegen schwierige Geburten die Hauptursache für eine Blasen-Scheidenfistel. So kommt es durch langwierige Geburten nicht selten zu Drucknekrosen an den Wänden von Blase und Scheide.

Weitere mögliche Gründe für das Entstehen einer vesikovaginalen Fistel sind eine Strahlentherapie des Beckens oder gynäkologische Malignome. In manchen Fällen wird sie auch durch Genitalverstümmelung oder Vergewaltigungen hervorgerufen. Größtes Problem in Ländern der Dritten Welt sind weniger Kunstfehler bei der Geburt, sondern in erster Linie das Fehlen von Geburtshilfe während des Geburtsvorganges. So werden Wendungen des Kindes nicht registriert, was zu schweren Schädigungen der Weichteile führt.

Dabei sind vor allem arme Frauen von einer vesikovaginalen Fistel betroffen, weil sie weder ärztliche Hilfe noch die Betreuung einer Hebamme erhalten. Auch mangelnde Bildung und Voreingenommenheit spielen dabei eine zentrale Rolle. Als Subformen der vesikovaginalen Fistel gelten die ureterovaginale Fistel (Harnleiter-Scheiden-Fistel) sowie die vesikointestinale Fistel (Blasen-Darm-Fistel), bei der auch Darm und Harnleiter in Mitleidenschaft gezogen werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ist eine Unterleibsoperation für das Entstehen einer vesikovaginalen Fistel verantwortlich, zeigen sich bereits nach fünf bis zehn Tagen die ersten Symptome. Dabei leiden die betroffenen Frauen unter ständigem unkontrollierten Harnverlust. Diese Beschwerden zeigen sich sowohl am Tage als auch in der Nacht. Handelt es sich um eine rektovaginale Fistel, kommt es über die Scheide zum Abgang von Stuhl.

So sind bei klinischen Untersuchungen oft Stuhlreste in der Vagina zu finden. Nur bei kleinen Fisteln ist eine gewisse Kontinenz vorhanden, wodurch sich ein Teil des Urins halten lässt. Mitunter erfolgt das Ablaufen des Urins ausschließlich im Liegen, während er in stehender Position im Körper verbleibt. Es kann aber auch umgekehrt sein.

Eine häufige Begleiterscheinung der vesikovaginalen Fistel sind Blasenentzündungen und umfangreiche Ekzeme. Als Grund für die Ekzeme gilt das permanente Benetzen der Vulva und der Oberschenkelpartien mit tröpfelndem Urin.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer vesikovaginalen Fistel erfolgt in der Regel durch eine gründliche Untersuchung der Vagina. Dabei lässt sich die Fistel lokalisieren. Im Rahmen der vaginalen Untersuchung können eine methylenblaue Lösung oder Indigocarminlösung in die Harnblase eingebracht werden. Mithilfe eines eingelegten Tampons in die Scheide findet eine bläuliche Verfärbung statt.

Als weitere Diagnosemöglichkeiten kommen bildgebende Methoden wie eine Röntgenuntersuchung der unteren Harnabschnitte, eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) in Betracht. Eine vesikovaginale Fistel bedarf unbedingt einer medizinischen Behandlung. Ansonsten leidet die betroffene Frau für den Rest ihres Lebens unter Inkontinenz.

Komplikationen

Die größte Komplikation einer vesikovaginalen Fistel ist Inkontinenz. Meist leiden die betroffenen Frauen bereits nach einigen Tagen unter Problemen beim Harnverhalt, die sich im Verlauf der Erkrankung verstärken. Der Harnverlust führt zu Blasenentzündungen und ruft Ekzeme hervor.

Eine Dermatitis ist mit weiteren Beschwerden verbunden, etwa Hautausschläge oder bakteriellen Infektionen, die antibiotisch behandelt werden müssen. Abseits von etwaigen Nebenwirkungen der verordneten Antibiotika, verläuft die Therapie einer vesikovaginalen Fistel relativ komplikationsfrei. Im Verlauf einer Operation kann es zu Verletzungen am Harntrakt kommen.

In Einzelfällen treten Infektionen auf oder es kommt zu Blutungen und Wundheilungsstörungen. Im Falle einer Narbenbildung können weiteren Funktionsstörungen auftreten. Muss dem Patientin ein Dauerkatheter gelegt werden, kann dies ebenfalls zu Infektionen und Verletzungen führen. Zudem besteht ein geringes Risiko, dass ein Blutgerinnsel entsteht.

Eine lokale Östrogentherapie, wie sie beispielsweise bei kleineren Operationen stattfindet, erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Aufgrund der einmaligen Anwendung ruft diese sogenannte Östrogenisierung aber meist keine schwerwiegenden Komplikationen hervor und ist für die Patientin generell unproblematisch. In manchen Fällen treten allergische Reaktionen auf die Begleitstoffe des jeweils eingesetzten Präparats auf.

Therapie & Behandlung

Die Therapie einer vesikovaginalen Fistel kann sowohl auf konservative als auch auf operative Weise erfolgen. Wurde die Fistel im Anschluss an eine Unterleibsoperation festgestellt, reicht oftmals das Einlegen eines Dauerkatheters für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen aus, um eine Heilung zu ermöglichen. Die Erfolgsquote schwankt zwischen 10 und 50 Prozent.

Die Prognose gilt als günstig, sofern die Behandlung frühzeitig beginnt und es sich um eine kleine Fistel handelt, die nicht größer als einen Zentimeter ist. In den meisten Fällen ist für die erfolgreiche Behandlung einer Blasen-Scheidenfistel eine Operation erforderlich. Diese wird entweder vaginal oder abdominal durchgeführt. Mit dem Eingriff sollte jedoch etwa drei Monate lang gewartet werden, um das Abheilen von entzündeten Gewebeveränderungen zu gewährleisten.

Außerdem empfiehlt sich vor der Operation eine örtliche Östrogenisierung. Auf diese Weise wird die Vaskularisierung der Scheidenwand gefördert. Bei kleineren vesikovaginalen Fisteln, die als unkompliziert gelten, kommt die vaginale Operationstechnik zur Durchführung. Mit dem vaginalen Zugang ist ein schonenderer Eingriff möglich. So muss die Patientin dadurch weniger Zeit im Krankenhaus verbringen.

Im Falle einer größeren Fistel, die mehr als zwei Zentimeter Umfang erreicht, bedarf es eines abdominellen Zugangs. Dieser gilt jedoch als aufwendig und belastend. Zur Anwendung kommt er auch bei schwierigen anatomischen Verhältnissen, kombinierten Vaginafisteln und Rückfällen.

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Vorbeugung

Damit nach einer Geburt erst gar keine vesikovaginale Fistel entsteht, muss der Geburtsvorgang entsprechend behandelt werden. Dabei gilt es, zu lange anhaltenden Druck durch Teile des Kindes zu vermeiden. Aber auch eine gesunde Lebensweise senkt das Risiko für eine Inkontinenz beträchtlich. Im Allgemeinen sollte man für die Vorbeugung gegen Inkontinenz auf eine gesunde Ernährung achten, nicht rauchen und möglicherweise bestehendes Übergewicht bekämpfen.

Bücher über Inkontinenz

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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