Vesikorenaler Reflux

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Als Vesikorenaler Reflux wird ein Rückfluss des Harns aus der Blase in die Harnleiter oder sogar zurück bis in die Nierenbecken bezeichnet. Der Rückfluss kann entstehen, wenn die Ventilfunktion an der Eintrittsstelle der Harnleiter in die Blase gestört ist. Durch den Rückfluss des Urins können Bakterien in die Nierenbecken gelangen und Nierenbeckenentzündungen verursachen. Ein chronischer Reflux des Urins kann zu Funktionsstörungen der Nieren führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Vesikorenaler Reflux?

Die beiden Harnleiter, die aus den beiden Nierenbecken in der Ureteröffnung in die Blase münden, lassen den Harn normalerweise nur in der Richtung Blase passieren.

Die Ureteröffnung nimmt sozusagen eine Ventilfunktion wahr, um den Rückfluss des Harns in Richtung Nieren zu verhindern. Wenn die Ventilfunktion gestört ist, kann es zu einem Rückfluss (Reflux) des Harns in die oberen Harnleiter oder sogar bis in die Nierenbecken kommen. Die Störung kann an einem oder an beiden oberen Harnleitern auftreten.

Die Fehlfunktion an der Eintrittsstelle der Harnleiter in die Blase ist meist angeboren, kann aber auch später erworben werden. Der Reflux wird je nach Schwere einer von fünf Klassen von Klasse I bis Klasse V zugeteilt. Der Reflux kann zu Harnwegsinfektionen bis hin zu Nierenbeckenentzündungen führen und letztlich – wenn die Krankheit nicht behandelt wird – schwere Nierenschäden oder sogar einen Funktionsverlust der Nieren verursachen.

Ursachen

Ein primärer vesikorenaler Reflux liegt vor, wenn der Reflux – wie in den meisten Fällen – durch eine genetisch bedingte Fehlentwicklung entsteht. In der Regel handelt es sich um einen zu kurzen Endverlauf der Harnleiter in der Blasenwand, so dass ein Druckaufbau in der Blase nicht zu einem vollständigen Verschluss der Harnleiter führt, sondern ein Teil des Harns wieder zurück gedrückt wird.

Eine andere Form der genetisch bedingten Entwicklungsstörung liegt vor, wenn ein Harnleiter doppelt angelegt ist (Ureter duplex), was ebenfalls einen Reflux des Harns verursachen kann. Ein sekundärer oder erworbener vesikorenaler Reflux liegt vor, wenn sich der Reflux erst nachträglich aufgrund äußerer Umstände einstellt.

Die Ursachen dafür können eine Harnwegsinfektion oder eine direkte Schädigung sein, die z. B. bei einer Harnleiterspiegelung mit Aufdehnung der Harnleiter entstehen kann. Eine Nervenerkrankung (Spina bifida) und eine angeborene Verengung der Harnröhre können ebenfalls als Verursacher des Reflux in Betracht kommen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Harnblase. Klicken, um zu vergrößern.

Da es sich in den meisten Fällen eines Reflux um angeborene Fehlentwicklungen innerhalb des Urinaltraktes handelt und diese von außen nicht sichtbar sind, können bei Säuglingen und Kleinkindern Untergewicht und Blässe, Fieber sowie Wiedereinnässen, Erbrechen oder Durchfall und Bauchschmerzen als Symptome für das Vorliegen eines primären vesikorenalen Reflux gedeutet werden, vor allem, wenn in der Familie Fälle bekannt sind.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen können Harndrang mit Brennen beim Wasserlassen, unangenehm übelriechender Harn, Nierenschmerzen und mit Schmerzen verbundenes Wasserlassen auf einen Reflux hindeuten. Die Symptome sollten näher abgeklärt werden. Als wichtigste Diagnoseverfahren bieten sich hierfür Ultraschall, Harnstrahlmessung und ein Miktionszystourethrogramm an, mit dem die Schließfähigkeit der Harnleiter am Blaseneintritt gemessen werden kann.

Je nach Schweregrad des Reflux kommt es unbehandelt zu erweiterten Harnleitern und zu chronischen Nierenbeckenentzündungen bis hin zu einer Insuffizienz der Nieren. In weniger schweren Fällen sind auch spontane Ausheilungen bei Kindern bis zum 10. Lebensjahr zu beobachten.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: N39.4 Harninkontinenz) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

In vielen Fällen kommt es bei dieser Erkrankung nicht zu besonderen Symptomen oder zu Komplikationen, sodass die Krankheit erst relativ spät entdeckt wird. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einem Bettnässen. Dieses kann sich auch sehr negativ auf die Psyche des Betroffenen auswirken und damit auch zu Mobbing oder zu Hänseleien beim Patienten führen.

Viele Betroffene leiden weiterhin auch an Depressionen und an einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl oder an Minderwertigkeitskomplexen. Die Lebensqualität wird durch die Erkrankung deutlich eingeschränkt und verringert. Weiterhin tritt auch eine Niereninsuffizienz auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Dabei können die Betroffenen im schlimmsten Fall versterben.

Sie sind dann auf die Transplantation einer Niere oder auf eine Dialyse angewiesen, um nicht zu versterben. Vor allem bei Kindern kann die Krankheit auch zu Wachstumsstörungen führen, sodass es auch im Erwachsenenalter zu Komplikationen kommen kann. Beim Wasserlassen kommt es häufig zu Schmerzen und der Harn riecht sehr unangenehm.

Die Behandlung der Krankheit wird in der Regel durch einen operativen Eingriff durchgeführt. Komplikationen treten dabei nicht auf. In der Regel können damit alle Beschwerden eingeschränkt und gelindert werden. Ob sich die Erkrankung negativ auf die Lebenserwartung des Patienten auswirkt, hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab.

Behandlung & Therapie

Bei Reflux mit mäßigem Schweregrad wird eine Behandlung mit niedrig dosierten Antibiotika empfohlen, um Entzündungen im Harntrakt vorzubeugen. Bei Vorliegen eines höheren Schweregrades von Reflux und bei Gefahr von Nierenfunktionsstörungen ist ein operativer Eingriff angezeigt.

Der Harnleiter wird von der Blase abgetrennt und in einer verlängerten Strecke wieder in die Blase eingepflanzt. Für diesen offenen operativen Eingriff, der antirefluxiven Harnleiterneuimplantation, stehen mehrere verschiedene OP-Methoden zur Verfügung. Die Erfolgsaussichten für den Eingriff sind hoch und werden mit über 90% angegeben.

Es gibt auch die Möglichkeit, während einer Blasenspiegelung ein Medikament unter dem Harnleiter in die Blasenwand zu spritzen. Das Medikament soll den Harnleiter verengen und den Rückfluss des Urins stoppen. Dieser minimalinvasive Eingriff vermeidet die Risiken einer offenen Operation, hat aber den Nachteil der geringeren Erfolgsquote.

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Vorbeugung

Eine direkte Vorsorge zur Vermeidung eines primären Reflux ist nicht möglich. Sollten aber Fälle von Reflux in der Familie bekannt sein, werden Untersuchungen angeraten, um einen eventuellen Reflux auszuschließen.

Bei bereits diagnostiziertem Reflux wird empfohlen, die Blasenentleerung in mindestens 2 Etappen durchzuführen und nach der ersten Entleerung mehrere Minuten zu warten, weil dann zurückgedrückter Harn aus den Harnleitern wieder in die Blase fließen kann und mit ausgeschieden wird, wenn die 2. Entleerung mit möglichst wenig Druck erfolgt.

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Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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