Verschlussplethysmografie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2016
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Die Verschlussplethysmografie untersucht den Blutfluss in den Venen. Sie soll dabei venöse Durchblutungsstörungen aufspüren. Die Messmethode ist in der Regel risikofrei mit Ausnahme bei einer besonderen Thromboseform, der Phlegmasia coerulea dolens.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Verschlussplethysmografie?

Die Verschlussplethysmografie bezeichnet ein Messverfahren, welches die Berechnung von Blutflüssen in Venen und Arterien zulässt. Dabei wird über die Messung der Änderung des Beinumfanges der Zustrom und Abfluss von Blut beurteilt. Der Beinumfang ist abhängig vom Volumen der Venen.

Bei der Messung werden Dehnungsmessstreifen verwendet. Die größte Verbreitung besitzen Quecksilberdehnungsmessstreifen nach der Strain-gauge-Methode. Diese bestimmen die Volumenzunahme des Unterschenkels, während am Oberschenkel eine Staumanschette festgezogen wird. Die Verschlussplethysmografie wird auch als Venenverschlussplethysmografie bezeichnet. Mit der Venenverschlussplethysmografie können sowohl am arteriellen als auch am venösen System Durchblutungsmessungen durchgeführt werden.

Bestimmt werden bei der Messung die Ruhedurchblutung, die reaktive Hyperämie, die venöse Kapazität, der venöse Ausstrom des Blutes und die Kapillarfiltration. Eine Verschlussplethysmografie wird durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine venöse Abflussstörung etwa durch eine Thrombose besteht oder wenn die Therapie nach einer Thrombose begleitet messtechnisch werden soll.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das Messprinzip bei einer Verschlussplethysmografie beruht auf der Bestimmung von Umfang und Umfangsänderung an der zu messenden Stelle. Die Messung wird in der Regel an Wade, Fuß oder Zeh vorgenommen. Während um den Oberschenkel eine Staumanschette angelegt wird, kommt es zum Stopp des venösen Blutabflusses.

Der arterielle Blutfluss bleibt bestehen. Dieser Abflussstau des venösen Blutes lässt den Unterschenkel anschwellen. Die Quecksilberdehnungsmessstreifen registrieren die Volumenänderungen während dieser Zeit. Sie entsprechen der arteriellen Durchblutung und werden als Ruhedurchblutungsmessungen bezeichnet. Nach ca. drei Minuten wird die Staumanschette am Oberschenkel gelöst. Das venöse Blut kann wieder abfließen. Das Volumen an den Messstellen des Unterschenkels nimmt wieder ab. Diese Volumenänderungen bestimmt die reaktive Hyperämie. Die Werte der Ruhedurchblutungsmessungen und der reaktiven Hyperämie lassen arterielle Verschlussstörungen und venöse Abflussstörung unterscheiden.

Die Verschlussplethysmografie untersucht den Blutfluss in den Venen. Sie soll dabei venöse Durchblutungsstörungen aufspüren.

Die venöse Abflussstörung kennzeichnet die Durchgängigkeit des Gefäßsystems. Dabei lassen sich auch Rückschlüsse auf den Schweregrad der Durchblutungsstörung ziehen. Je schlechter die Durchblutung ist, desto geringer fällt der maximale Spitzenfluss aus und desto später tritt er auf. Mit anderen Messanordnungen kann der Blutdruck an jedem beliebigen Gliedmaßenabschnitt bestimmt werden. Dabei wird die Staumanschette oberhalb der Messstelle auf übersystolischen Druck aufgebläht und danach der Druck langsam abgelassen. Die erste registrierte Volumenzunahme entspricht dem arteriellen systolischen Blutdruck an der Messstelle. Bei der Verschlussplethysmografie legt sich der Patient hin.

Zunächst werden die Beine drei Minuten vor der Untersuchung höher gelagert. Dann erfolgt das Anlegen der Staumanschette um den Oberschenkel. Für mehrere Minuten staut sich das Blut auf. Nach Öffnung der Manschette misst der Dehnungsmessstreifen die Änderung des Volumens an den Messstellen des Unterschenkels. Über ein Computerprogramm werden die Daten grafisch dargestellt. Anhand der Daten kann der Arzt die Durchblutungssituation beurteilen. Dabei sind die venöse Kapazität und der venöse Ausstrom wichtige Parameter für die Beurteilung des Venensystems. Die venöse Kapazität kennzeichnet das aufstaubare Venenvolumen und den venösen Ausstrom den maximalen passiven venösen Ausstrom pro Zeiteinheit.

Gleichzeitig wird auch noch die arterielle Ruhedurchblutung bestimmt, denn von ihr ist die venöse Kapazität anhängig. Die Messung ist sehr aussagekräftig im Hinblick auf die gute Reproduzierbarkeit der quantitativen Beurteilung einer venösen Abflussstörung. Daher kann das Verfahren zur Therapiekontrolle eingesetzt werden. Mittels dieser Parameter können Thrombosen, postthrombotische Zustände und ausgeprägte Varikosen bestimmt und beurteilt werden. Das Verfahren der Verschlussplethysmografie wird nach streng standardisierten Gesichtspunkten durchgeführt. Das ist notwendig, weil sich während der Messdurchführung zahlreiche Fehlermöglichkeiten ergeben können.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Verschlussplethysmografie beinhaltet mit Ausnahme der Erkrankung Phlegmasia coerulea dolens kaum Risiken. Bei der Phlegmasia coerulea dolens handelt es sich um eine seltene besonders schwere Form einer Venenthrombose.

Alle Venen eines Abschnitts sind verschlossen, sodass die Abflussstörung den Gewebedruck so stark ansteigen lässt, dass auch die arterielle Versorgung zum Erliegen kommt. Diese Erkrankung stellt eine Notfallsituation dar, die sofort behandelt werden muss. Es muss sofort eine Thrombektomie durchgeführt werden, um das Leben des Patienten zu retten. In dieser Situation kann natürlich keine Verschlussplethysmografie durchgeführt werden. Sie wäre sogar kontraproduktiv. Ansonsten ist das Verfahren risikofrei. Allerdings ist eine streng standardisierte Durchführung des Verfahrens notwendig, um Fehler auszuschließen.

Die Fehlermöglichkeiten sind vielfältig. Bereits eine zu hohe oder zu niedrige Raumtemperatur beeinflusst das Ergebnis. Einengende Kleidung sollte vermieden werden. Lagerungsfehler verfälschen das Ergebnis. Bei ausgeprägten Ödemen kann die Volumenänderung nicht mehr richtig festgestellt werden. Gewebsveränderungen können das Ergebnis beeinflussen. Bei einer fortgeschrittenen arteriellen Verschlusserkrankung durch arteriovenöse Fisteln wird die venöse Kapazität nicht mehr optimal dargestellt. Die Erkrankung sollte mit in die Beurteilung von venösen Abflussstörungen einbezogen werden. Eine Fehlermöglichkeit ist auch ein zu hoher Andruck des Messfühlers gegen das Gewebe.

Das Gleiche gilt für die falsche Anlage des Messfühlers. Des Weiteren darf die Staumanschette nicht zu schmal sein, da sich dadurch der Druck auf eine kleine Fläche konzentriert. Eine weitere Fehlerquelle stellt auch die verzögerte Deflation zum Ende der Anstauzeit dar. Bei der Dokumentation der Ergebnisse sollten Abweichungen von den geltenden standardisierten Untersuchungsbedingungen unbedingt auf der Kurve angegeben werden. Trotz gewisser einschränkender Einflussfaktoren ist die Verschlussplethysmografie ein gutes Messverfahren zur Feststellung von Durchblutungsstörungen.

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