Vermännlichung (Androgenisierung)

Letzte Aktualisierung am 29. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Unter einer Vermännlichung oder Androgenisierung versteht man körperlich-männliche Veränderungen einer Frau. Diese treten auf, wenn ein Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen) im Körper einer Frau vorhanden ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Vermännlichung (Androgenisierung)?

Die Vermännlichung tritt bei einer Frau auf, bei der sich eine vermehrte Wirkung der männlichen Hormone, der Androgene zeigt. Diese Hormone sorgen beim Mann bzw. beim Jungen dafür, dass sich die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale ausbilden und entwickeln können.

Dazu zählen zum Beispiel die Hoden, der Stimmbruch und die vermehrte Behaarung am Körper ab der Pubertät. Außerdem sorgen Androgene dafür, dass durch Eiweißbildung mehr Muskelmasse aufgebaut wird. Auch Frauen produzieren diese Hormone normalerweise in geringem Maße, bei einer Vermännlichung findet man jedoch einen erhöhten Gehalt im Blut.

Die Symptome zeigen sich hauptsächlich darin, dass ein verstärktes Haarwachstum am ganzen Körper eintritt und die Stimme deutlich tiefer klingt.

Ursachen

Es gibt unterschiedliche Ursachen, damit es zu einer Vermännlichung kommt. Meist liegt eine Störung des Hormonstoffwechsels vor, bei der vor allem die männlichen Hormone betroffen sind. Hierbei können die Androgene beispielsweise nicht richtig abgebaut oder umgewandelt werden; es kommt zu einer Erhöhung des Gehaltes an Androgenen im Blut.

Eine andere Ursache für die gesteigerte Produktion von männlichen Hormonen kann ein Tumor in der Nebennierenrinde sein, welche für die Produktion der Hormone zuständig ist, oder auch an den Eierstöcken. Von der Hirnanhangdrüse (auch Hypophyse) erfolgt die Hormonproduktionssteuerung, indem von ihr wiederum bestimmte Hormone freigesetzt werden. Somit kann auch ein Tumor an der Hypophyse dafür sorgen, dass die Nebennierenrinde oder die Eierstöcke die Androgene vermehrt produzieren, was dann ebenfalls zu einer Vermännlichung führt.

Auch eine Störung der Enzyme und Enzymbildung kann zu einer Vermännlichung führen; dies kann angeboren sein oder auch später im Zeitraum bis zur Pubertät auftreten. Wer als Frau häufig Hormonpräparate einnimmt, zum Beispiel Anabolika, kann sich eine weitere Ursache für eine Vermännlichung herleiten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Androgenisierung der Frau zeigt sich vor allem durch körperliche Merkmale. Je nach Intensität können diese Symptome variieren und unterschiedlich stark ausgeprägt auftreten. Häufig kommt es zu einer sichtbaren verstärkten Gesichts- und Körperbehaarung (Hirsutismus). Bei den betroffenen Frauen wachsen zunächst dunkle Barthaare im Gesicht, die sich zunehmend verdichten können.

Oft entsteht ein Oberlippenbart. Typischerweise wachsen dabei keine neuen Haare im Gesicht, sondern das bestehende weiche Flaumhaar verdichtet sich sukzessive. Zudem kann es zu verstärkter Brustbehaarung kommen. Zeitgleich zeigt sich bei den betroffenen Frauen ein krankhafter, vermehrter Haarausfall des Kopfhaars in typisch männlichen Haarausfallmustern (Alopezie).

Üblicherweise kommt es zu diffusem Haarausfall im Scheitelbereich in der Form von Geheimratsecken. Manchmal entstehen lichte Stellen am Hinterkopf. Durch den Einfluss der männlichen Hormone verschlechtert sich das Hautbild deutlich. Die Talgdrüsen sondern mehr Talg ab. Es bilden sich daher vermehrt Pickel, Abszesse und Knötchen. Manchmal kommt es zu Akne.

Weitere mögliche körperliche Symptome einer Androgenisierung sind eine Vergrößerung der Klitoris, eine sichtbare Zunahme der Muskelmasse, eine tiefer werdende Stimme, zunehmende Rückbildung der Brüste sowie Störungen des Menstruationszyklus. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann es zur Unfruchtbarkeit kommen. Äußerst selten zeigt sich eine Androgenisierung psychisch durch verstärkte Aggressionen oder einen verstärkten Sexualtrieb.

Diagnose & Verlauf

Liegt der Verdacht einer Vermännlichung vor, nimmt der Arzt eine genaue Untersuchung und Befragung vor. Damit die genaue Ursache finden zu können, müssen einige Labortests zur Bestimmung des Hormonhaushalts erfolgen. So kann die Konzentration der verschiedenen Hormone im Körper festgestellt werden.

Wenn es einige Hinweise auf einen eventuellen Tumor im Bereich der Hypophyse, der Eierstöcke oder der Nebennierenrinde gibt, sind bildgebende Untersuchungen notwendig. Vor allem werden im Bauchraum Computertomographien und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, zur Untersuchung der Hypophyse wird eher die Magnetresonanztomographie angewendet, da diese zum befunden des Kopfes genauer ist.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Vermännlichung ist oftmals langwierig und kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Wichtig ist es, die Behandlung nicht zu unterbrechen, da die Beschwerden sonst erneut auftreten können. Es bedarf also ein starkes Durchhaltevermögen, um einen Erfolg der Therapie zu erreichen.

Um die richtige Behandlung zu beginnen, muss zunächst die genaue Ursache für die Vermännlichung bekannt sein. Bei einem Tumor beispielsweise ist eine Operation unumgänglich, sowie eine nachfolgende Therapie. Liegt die Ursache für die Vermännlichung hingegen bei einem Defekt der Enzyme, wird eine Hormontherapie eingeleitet, bei der die Produktion der Androgene unterdrückt wird.

Die Wirkstoffe sind dabei ähnliche, wie jene, die in hormonellen Verhütungsmitteln verwendet werden. Je nachdem, wie stark die Vermännlichung ausgeprägt ist, kann sie auch ohne Hormontherapie gelindert werden, zum Beispiel bei Anzeichen an der Haut. Eine dauerhafte Epilation oder eine Behandlung mit Laser kann eine vermehrte Körperbehaarung lindern; die Wurzeln der Haare werden dabei zerstört und das Haarwachstum nimmt mit der Zeit nach und nach ab.

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Vorbeugung

Einer Vermännlichung kann man nur dann vorbeugen, wenn die Ursache bei der Einnahme von Anabolika zu finden ist. Diese androgen wirkenden Präparate sollten nicht mehr eingenommen werden, damit die Vermännlichung nicht weiter fortschreitet. Es handelt sich dabei vorwiegend um Anabolika und Dopingmittel, welche dafür sorgen, dass Muskelmasse vom Körper rascher aufgebaut wird.

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Quellen

  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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