Verbrauchskoagulopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2017
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Die Verbrauchskoagulopathie ist in einem Erkrankungsbereich angesiedelt, bei dem es um Störungen der Gerinnung geht. Die Gerinnungsfähigkeit des Blutes ist eine lebenswichtige Eigenschaft, welche bei der Verbrauchskoagulopathie in einem mehr oder weniger großen Umfang gestört ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Verbrauchskoagulopathie?

Die Verbrauchskoagulopathie hat diese treffende Bezeichnung, weil diese Erkrankung zu einer Verringerung der sogenannten Gerinnungsfaktoren und der für die Blutgerinnung verantwortlichen Blutplättchen oder Thrombozyten einhergeht.

Die Zusammenklumpung von Blutplättchen (Koagulation) trägt bei einer Verletzung dazu bei, dass sich eine Wunde schnell verschließt und das an die Luft tretende Blut sich verfestigen kann. Bei einer Verbrauchskoagulopathie kommt es zu einer Erhöhung der Gerinnungsbereitschaft, welche sich innerhalb der Blutgefäße deutlich macht.

Zu den bei einer Verbrauchkoagulopathie zusätzlich aufgebrauchten Gerinnungsfaktoren gehören die im Blutplasma gelösten oder auf den Thrombozyten vorliegenden Eiweiße wie Fibrinogen, Proakzelerin, Prothrombin und weitere.

Ursachen

Die Verbrauchskoagulopathie ensteht meist im Zusammenhang mit verschiedenen Vorerkrankungen, welche zu Unregelmäßigen im Gerinnungssystem führen. Da sich bei der Verbrauchskoagulopathie immer eine Verbindung zu anderen gesundheitlichen Störungen finden lässt, ist dieses Krankheitsbild nicht eigenständig.

Sowohl die akute als auch die chronisch verlaufende Verbrauchskoagulopathie können durch einen Schwund des Lebergewebes (Leberzirrhose), Vergiftungen oder sogenannter Hämoblastosen auftreten. Gerade die Leber ist maßgeblich an der Produktion der Gerinnungsfaktoren beteiligt, sodass bei einer eingeschränkten Funktionsfähigkeit eine Verbrauchskoagulopathie entsteht.

Weitere Ursachen für eine Verbrauchskoagulopathie sind ein Schock sowie eine schwere Ausprägung der Blutvergiftung, eine akute Leukämie, ein extremer Blutverlust durch umfangreiche Verletzungen, eine akut auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und die Fruchtwasserembolie.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Beim Verlauf der Verbrauchskoagulopathie geht es um drei Stadien, welche als krankhafte Aktivierung der Blutgerinnung, eine Fehlen an Gerinnungsfaktoren und eine Unfähigkeit der Gerinnungsfähigkeit kategorisiert werden.

Bei der letzten Phase der Verbrauchskoagulation stehen die im Gerinnungsprozess an oberster Stelle befindlichen Faktoren sowie die Thrombozyten und das Antithrombin nicht mehr in ausreichender Quantität zur Verfügung. In Folge dessen tritt bei den von einer Verbrauchskoagulopathie betreffenen ein Schock ein, welcher ein Multiorganversagen herbei führt. Im Gegensatz dazu kann eine Verbrauchskoagulopathie dazu führen, dass Menschen verbluten, weil die sogenannte Blutungsneigung extrem hoch ist.

Für die Diagnose der Verbrauchskoagulopathie sind die speziellen Krankheitssymptome ausschlaggebend. Diese werden bei der Verbrauchskoagulopathie durch labortechnische Tests (mengenmäßige Bestimmung der Thrombozyten, Gerinnungstests mit Blutplasma)untermauert.

Komplikationen

Bei der Verbrauchskoagulopathie leiden die Betroffenen in der Regel an einer starken Blutgerinnungsstörung. Dabei benötigt das Blut einen relativ langen Zeitraum, um zu gerinnen, sodass Blutungen nicht ohne Weiteres gestoppt werden können. Dabei kann es schon bei sehr leichten Verletzungen oder Schnitten zu starken Blutungen kommen, die im schlimmsten Fall zum Verbluten und damit zum Tode des Betroffenen führen können.

Weiterhin treten häufig Hautblutungen auf, sodass die Betroffenen auch an ästhetischen Beschwerden leiden. Viele Patienten fühlen sich damit unwohl und leiden auch an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl. Die Haut kann sich durch die Verbrauchskoagulopathie blau färben, da die inneren Organe nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt werden.

Auch Blutungen an den inneren Organen selbst treten nicht selten auf und können die jeweiligen Organe schwerwiegend beschädigen. Vor allem bei operativen Eingriffen müssen die Patienten ihren Arzt über die Verbrauchskoagulopathie rechtzeitig informieren. Die Behandlung der Verbrauchskoagulopathie muss in der Regel nur dann erfolgen, wenn es tatsächlich zu Blutungen kommt. Dabei sind die Betroffenen auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Weitere Komplikationen treten dabei in der Regel nicht auf.

Behandlung & Therapie

Üblicherweise geht eine Verbrauchskoagulopathie immer als Folgeerscheinung einer anderen Erkrankung oder eines operativen Eingriffs sowie eines Unfalls mit einer starken Dezimierung der Blutmenge einher.

Aus diesem Grund ist eine greifbare Therapie der Verbrauchskoagulopathie nicht immer einfach umzusetzen. Bei der Therapie einer Verbrauchskoagulopathie steht zu allererst die Behandlung der ursächlichen Erkrankung im Vordergrund. Die Behandlungen der Verbrauchskoagulopathie basieren insbesondere auf der Erzielung von Effekten, welche die Risiken einer Verbrauchskoagulopathie reduzieren.

In diesem Bezug ist es naheliegend, zunächst die verlustig gegangenen Gerinnungsfaktoren einschließlich der Thrombozyten wieder "aufzufüllen". Zur Verfügung stehen für diesen Zweck spezielle Thrombozytenkonzentrate, welche per Infusion verabreicht werden können. Die Blutspendeeinrichtungen und Kliniken halten für diese lebensbedrohlichen Notfälle ein sogenanntes Fresh-Frozen (frisch eingefrorenes) Plasma bereit, welches schnell aufgetaut und infundiert werden kann.

Dieses Plasma ist nicht nur mit Thrombozyten angereichert, sondern enthält gegen eine Verbrauchskoagulopathie ebenfalls große Konzentrationen an Gerinnungsfaktoren. Die Behandlung einer Verbrauchskoagulopathie erfordert eine permanente medizinische Überwachung und wird daher auf den Intensivstationen durchgeführt.

Wurde bei einer Verbrauchskoagulopathie festgestellt, dass eine Thrombopenie (Anzahl der Blutplättchen unter dem Normalwert) und eine Störung der Funktion der Thrombozyten vorliegen, erfolgte eine Therapie mit Desmopressin. Tritt eine Verbrauchskoagulopathie in Folge einer Vergiftung mit Kumarin auf, wird Vitamin K gegeben.

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Vorbeugung

Einer Störung der Blutgerinnung, welche eine Verbrauchskoagulopathie bedingen kann, ist nur schwer vorzubeugen. Menschen, welche unter den dargestellten Symptomen leiden, sollten eine möglichst gesunde Lebensweise aufbauen und regelmäßig die Gerinnungswerte kontrollieren lassen. Außerdem leben Patientinnen und Patienten mit klassischen Krankheiten, welche eine Verbrauchskoagulopathie begründen, mit einem erhöhten Risiko, welches unbedingt ernst genommen werden muss.

Bücher über Gerinnungsstörungen

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Netter, F.H. et. al.: NETTERs Allgemeinmedizin. Thieme, Stuttgart 2006
  • Nixdorff, U.: Check-Up-Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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