Verapamil

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Verapamil ist ein gefäßerweiternder Arzneistoff, der zur Gruppe der Kalziumantagonisten oder zur Gruppe der Kalziumkanalblocker gezählt wird. Laut Vaughan/Williams-Klassifikation zählt Verapamil zu den Antiarrhythmika.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Verapamil?

Verapamil ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen weit verbreitet ist. Seit dem Jahr 1983 ist der Arzneistoff Teil der Liste der unentbehrlichen Medikamente. Diese Liste wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geführt.

Verapamil ist in Form von Monopräparaten oder Kombinationspräparaten erhältlich. Im Handel erhältliche Präparate enthalten den Arzneistoff in Form von Racemat. Es handelt sich dabei um ein 1:1-Gemisch von Enantiomeren. Die Resorption von Verapamil steigt bei Dauergabe von 20 % auf 40 %. Es ist ein hoher first-pass-Effekt zu beobachten. Die Halbwertszeit des Arzneistoffes beträgt 3-7 Stunden. Die Ausscheidung findet über die Gallensäuren und über die Nieren statt.

Pharmakologische Wirkung

Verapamil ist ein Kalziumantagonist. Kalziumantagonisten verringern den Einstrom von Kalziumionen in das Innere von Muskelzellen. Dadurch kontrahiert die glatte Muskulatur weniger. In Folge erweitern sich die Blutgefäße. Auch der Kalziumeinstrom in die spannungsabhängigen Kalziumkanäle des Herzens wird blockiert. Durch die Hemmung des Kalziumeinstroms wird die Schlagkraft des Herzmuskels gemindert. Dies wird auch als negativ inotrope Wirkung bezeichnet. Auch die Schlagfrequenz des Herzens wird herabgesetzt. Dadurch wird der Sauerstoffbedarf des Herzens gemindert, der Blutdruck sinkt, die Gefäße werden weit gestellt und das Herz dadurch entlastet. Durch die Gefäßweitstellung wird dem Herzmuskel zudem vermehrt sauerstoffreiches Blut zur Verfügung stellt.

Verapamil wirkt jedoch nicht nur gefäßerweiternd, sondern im AV-Knoten des Herzens auch leitungsverzögernd.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Verapamil ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen weit verbreitet ist.

Verapamil wird häufig bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) eingesetzt. Auch die chronisch stabile Angina pectoris, die instabile Angina pectoris und die spastische Angina pectoris sind Indikation für den Arzneistoff. Als Angina pectoris wird ein anfallsartiger Schmerz in der Brust bezeichnet. Er wird durch eine vorübergehende Störung der Durchblutung des Herzens verursacht. Meistens liegt der Angina pectoris eine koronare Herzkrankheit zugrunde. Diese entsteht wiederum durch ein oder mehrere verengte Herzkranzgefäße.

Auch bei Patienten nach einem Herzinfarkt wird der Arzneistoff eingesetzt. Der Einsatz erfolgt allerdings nur dann, wenn zum einen keine Herzinsuffizienz besteht und zum anderen Betablocker nicht eingesetzt werden können.

Verapamil gehört zu den wichtigsten Antiarrhythmika. Diese werden zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Da die Pulsfrequenz erniedrigt wird, kann der Arzneistoff auch bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern verordnet werden. Darüber hinaus wird Verapamil zur Vorbeugung bei Cluster-Kopfschmerz eingesetzt. Zur Unterdrückung der Attacken ist eine sehr hohe Dosierung nötig. Da sich diese auch auf das Herz auswirken kann, müssen bei der Einnahme regelmäßig EKG-Untersuchungen durchgeführt werden.

In seltenen Fällen wird Verapamil zur Blutdrucksenkung bei arteriellem Bluthochdruck eingesetzt. In anderen Ländern wird Verapamil auch bei Induratio penis plastica (Penisverkrümmung) verabreicht. Männer mit dieser Erkrankung haben bei einer Erektion starke Schmerzen, die auf eine unnatürlich starke Biegung des Penis zurückzuführen sind. In Deutschland ist Verapamil für die Behandlung dieser Erkrankung nicht zugelassen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Zu den unerwünschten Nebenwirkungen gehören ein verminderter Herzschlag, AV-Blockierungen (bis hin zum AV-Block III. Grades), ein zu niedriger Blutdruck, Verstopfung, Kopfschmerzen und Schwindel. Der Arzneistoff darf nicht bei Schock, bei akutem Herzinfarkt und ausgeprägten Bradykardien eingesetzt werden. Auch das Sinusknoten-Syndrom, eine manifeste Herzinsuffiziens und Vorhofflimmern bei Patienten mit einem Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) sind mögliche Kontraindikationen.

Verapamil darf ebenfalls nicht bei bekannter Überempfindlichkeit und in den ersten sechs Monaten einer Schwangerschaft eingenommen werden. Auch Betablocker dürfen nicht zusammen mit dem Arzneistoff verabreicht werden. Andernfalls kann ein AV-Block mit lebensbedrohlichem Blutdruckabfall entstehen. Beim AV-Block I. Grades, bei niedrigem Blutdruck und bei einem niedrigen Puls sowie bei einer eingeschränkten Leberfunktion, beim Lambert-Eaton-Syndrom, bei der Myasthenia gravis und bei einer fortgeschrittenen Muskeldystrophie darf Verapamil nur unter sorgfältiger Überwachung verabreicht werden. Da Verapamil auch in die Muttermilch übergeht, sollte es in der Stillzeit nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Es ist zu beachten, dass Grapefruit bei gleichzeitiger Einnahme zur einer verbesserten Aufnahme von Verapamil führen kann. Somit kann ein stärkerer Effekt eintreten. Auch harntreibende Arzneimittel können den blutdrucksenkenden Effekt verstärken. Bei der gleichzeitigen Anwendung von Verapamil und Cholesterinsenkern in höheren Dosen, erhöht sich das Risiko eine Rhabdomyolyse zu erleiden. Die Dosis des cholesterinsenkenden Medikaments sollte entsprechend angepasst werden.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Loperamid und Verapamil können Atemstörungen ausgelöst werden. Loperamid wird zur Behandlung von Durchfällen eingesetzt. Bei Einnahme von Verapamil sollte dann möglichst auf ein anderes Präparat zurückgegriffen werden.

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