Ventrikelseptumdefekt

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Der Ventrikelseptumdefekt (VSD) bezeichnet ein Loch in der Scheidewand des Herzens. Rund ein Drittel aller angeborenen Herzfehler sind Ventrikelseptumdefekte. Damit ist der VSD der häufigste angeborene Herzfehler.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Ventrikelseptumdefekt?

Beim Ventrikelseptumdefekt handelt es sich um eine kongenitale (angeborene) Herzfehlbildung. Der VSD gehört somit zu den Herzfehlern. Die Herzscheidewand zwischen den beiden Herzkammern hat ein Loch, sodass rechte und linke Herzkammer miteinander verbunden sind. Die Symptomatik ist abhängig von der Größe des Defekts. Kleinere Defekte verschließen sich oft innerhalb der ersten zwei Lebensjahre von alleine. Bei größeren Defekten kann eine Operation erforderlich sein.

Ursachen

Die Ursachen des Ventrikelseptumdefekts sind nicht bekannt. Es besteht ein Defekt in der Herzscheidewand (Ventrikelseptum). Der Defekt kann sich an unterschiedlichen Stellen befinden. Am häufigsten findet er sich direkt unterhalb der Aortenklappe. Seltener liegen muskuläre oder perimembranöse Defekte vor. Das Blut aus dem linken Herzen wird in den Körperkreislauf gepumpt, das Blut aus dem rechten Herzen gelangt in die Lunge.

Da im Lungenkreislauf ein wesentlich niedrigerer Blutdruck herrscht als in den übrigen Körpergefäßen, muss das linke Herz mit einem größeren Druck pumpen. Somit herrscht auch in der linken Herzkammer ein größerer Druck als in der rechten Herzkammer. Über den Ventrikelseptumdefekt gelangt so sauerstoffreiches Blut von der linken in die rechte Kammer. Es liegt ein sogenannter Links-Rechts-Shunt vor. Deshalb gehört der VSD auch zu den Shuntvitien.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Folgen dieses Shunts sind abhängig von der Größe des VSD. Bei einem kleinen Defekt zeigen sich kaum Symptome. Viele dieser Defekte werden nur zufällig entdeckt. Bei mittelgroßen und großen Ventrikelseptumdefekten fließt jedoch ein Großteil des arteriellen Blutes zurück in das rechte Herz. Dieses pumpt das Blut dann erneut in die Lunge.

Durch die zusätzlichen Blutmengen erhöht sich der Blutdruck in den Gefäßen der Lunge. Es entsteht eine pulmonale Hypertonie. Das rechte Herz muss gegen diesen erhöhten Blutdruck anpumpen und vergrößert sich deswegen. Diese Vergrößerung wird als Rechtsherzhypertrophie bezeichnet. Die Gefäße der Lunge sind dem großen Druck nicht gewachsen, sodass sie mit der Zeit verhärten. Diese Verhärtungen verschlimmern die Situation allerdings nur noch.

Der Blutdruck in der Lunge steigt weiter an und das rechte Herz vergrößert sich. Irgendwann pumpt das rechte Herz so kräftig, dass es zu einer Shuntumkehr kommt. Von nun an fließt das Blut durch den Ventrikelseptumdefekt nicht mehr von der linken zur rechten Herzkammer, sondern von der rechten zur linken Herzkammer. Das Blut aus der rechten Herzkammer stammt aus dem Körperkreislauf und ist sauerstoffarm.

Der Körper wird also mit sauerstoffarmem Blut versorgt. Die Haut der Patienten bekommt dadurch eine leichte Blaufärbung. Durch den Blutstau in der Lunge kann es zudem zu einem Lungenödem kommen. Bei einem Lungenödem sammelt sich Flüssigkeit in den Lungenbläschen. Die Folgen sind Atemnot und Husten. Kinder mit einem VSD zeigen oft eine vermehrte Atmung. Sie trinken nicht gut und wachsen nur spärlich. Kinder mit einem VSD sind häufig sehr schlank.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei der Auskultation des Herzens kann ein Pressstrahl-Geräusch über dem dritten bis vierten Intercostalraum wahrgenommen werden. Mit zunehmender Größe des Ventrikelseptumdefekts wird dieses Geräusch aber immer leiser. Bei einem großen Defekt kann infolge der Blutdruckerhöhung im Lungenkreislauf ein diastolisches Flowgeräusch auftreten. Der zweite Herzton ist dann gespalten. Das EKG ist bei kleinen Defekten meist unauffällig.

Bei einem größeren Ventrikelseptumdefekt werden Zeichen der Linksherz- oder der Rechtsherzhypertrophie sichtbar. Röntgenaufnahmen des Brustkorbs sind bei kleinen Defekten ohne Befund. Sonst zeigen sich Zeichen eines Lungenödems. Die Diagnosesicherung erfolgt mithilfe der Echokardiographie. Bei älteren Patienten wird zudem eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, um die Widerstandsverhältnisse innerhalb der Lunge zu klären.

Komplikationen

Da es sich beim Ventrikelseptumdefekt um einen Herzfehler handelt, wirkt sich dieser in erster Linie sehr negativ auf die Lebenserwartung des Betroffenen aus und kann diese verringern. In der Regel tritt dieser Fall allerdings erst dann auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einem sehr hohen Blutdruck, sodass es zu einem Herzinfarkt kommen kann.

Auch dauerhafte Müdigkeit oder Abgeschlagenheit können dabei auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. Es kommt beim Ventrikelseptumdefekt nicht zu einer Selbstheilung und die Beschwerden verschlimmern sich mit der Zeit. Da der Körper keine gewöhnliche Sauerstoffzufuhr erhält, können die Betroffenen auch keine Sportarten oder keine anstrengenden Tätigkeiten ausführen.

Vor allem bei Kindern kann dies zu einer verzögerten oder sehr eingeschränkten Entwicklung führen. Viele Patienten leiden ebenso an einer starken Atemnot oder an Husten. Die Behandlung dieser Erkrankung erfolgt mit Hilfe von Medikamenten und durch einen operativen Eingriff. In den meisten Fällen können die Beschwerden dadurch gelindert werden. Die Betroffenen sind in ihrem Leben allerdings auf regelmäßige Untersuchungen beim Arzt angewiesen, damit es nicht zu weiteren Komplikationen kommt.

Therapie & Behandlung

Bei einem Drittel aller Säuglinge mit einem VSD verschließt sich der Defekt innerhalb der ersten zwei Lebensjahre von ganz allein. Bei 20 Prozent aller Säuglinge verkleinert er sich zumindest. Größere Defekte verlaufen bei einem Zehntel der betroffenen Kinder innerhalb des ersten Lebensjahres tödlich. Die Kinder versterben durch wiederkehrende Infekte der Bronchien und der Lunge oder durch eine akute Insuffizienz des linken Herzens. Da Patienten mit größeren Ventrikelseptumdefekten häufig unter Gedeihstörungen leiden, müssen sie häufig schon im Säuglingsalter operiert werden. Ansonsten wird eigentlich erst abgewartet, ob der Defekt sich nicht von selbst verschließt. Der VSD kann in drei verschiedenen Verfahren operiert werden:

  • Bei der transatrialen Methode erfolgt der Zugang durch den rechten Vorhof des Herzens.
  • Der transventrikuläre Zugriff erfolgt durch die rechte Herzkammer
  • und bei der transarteriellen Methode wird der Zugangsweg durch die Lungenarterie oder die Hauptschlagader (Aorta) gewählt.

Der Defekt wird dann entweder mit einer Naht oder mit einem Flicken verschlossen. Normalerweise wird eine Naht vermieden, da es durch die entstehende Narbe später zu Herzrhythmusstörungen kommen kann. Während der Operation sind die Patienten an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Bei einem unkomplizierten Ventrikelseptumdefekt verstirbt ein Prozent der Kinder.

Die Sterblichkeit liegt bei Säuglingen mit einer Herzinsuffizienz deutlich höher. Zu Komplikationen kommt es in drei bis fünf Prozent der Fälle. Die schwerste Komplikation ist eine Überleitungsstörung. Dabei wird die elektrische Erregung, die für die Kontraktion des Herzmuskels verantwortlich ist, nicht vom Vorhof auf die Kammer übertragen.

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Vorbeugung

Ein Ventrikelseptumdefekt kann nur schwer verhindert werden. Alkohol und Rauchen sind jedoch große Risikofaktoren für eine Fehlentwicklung des Ungeborenen und sollten deshalb zwingend gemieden werden.

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Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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