Ventilationsstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. Juli 2017
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Unter dem Begriff Ventilationsstörungen werden in der Humanmedizin Störungen in der Ein- und Ausatmung zusammengefasst. Dabei wird zwischen obstruktiver, restriktiver und neuromuskulärer Ventilationsstörung unterschieden. Als obstruktiv wird eine Erhöhung des Atemwegswiderstandes, als restriktiv eine Verminderung der Vitalkapazität bzw. der totalen Lungenkapazität bezeichnet und als neuromuskulär eine nervlich bedingte motorische Einschränkung der Atmung bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Ventilationsstörungen?

Die Bezeichnung Ventilationsstörung wird in der Humanmedizin sowohl für eine Behinderung der Atmung durch erhöhten Atemwiderstand wie auch für eine verringerte Lungenkapazität verwendet - und damit auch für eine verringerte Vitalkapazität. Ein erhöhter Atemwiderstand kann durch Hindernisse in den Luftwegen oder durch äußeren Druck auf die Luftwege entstehen.

Ein derartiger Atemwegswiderstand wird als obstruktiv bezeichnet. Eine restriktive Ventilationsstörung liegt vor, wenn die Lungenvolumina aufgrund einer Veränderung des Lungenfunktionsgewebes eingeschränkt sind. Ebenso entspricht eine Behinderung der Atmung durch neuromuskuläre Erkrankungen oder durch Verletzungen des Brustkorbs einer restriktiven Ventilationsstörung.

In der Regel handelt es sich dabei um eine verminderte Compliance des Atemapparates und damit auch um eine verringerte Vitalkapazität. Sowohl mechanisch-muskuläre und neuromuskuläre Probleme mit der Atmung wie auch eine Veränderung des funktionalen Gewebes (Parenchym) der Lunge und Bronchien werden gleichermaßen als restriktive Ventilationsstörungen bezeichnet.

Als neuromuskuläre Ventilationsstörungen werden nervlich bedingte Einschränkungen bezeichnet wie sie beispielsweise bei Querschnittslähmungen auftreten können oder bei einer Störung der übergeordneten Atemzentren im Gehirn.

Ursachen

Die auslösenden Faktoren einer Ventilationsstörung sind sehr unterschiedlich. Sie können zwischen der Verursachung einer obstruktiven, restriktiven oder auch neuromuskulären Störung unterschieden werden. Beispielsweise führen das allergische Asthma bronchiale und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zu einer klassischen Form der obstruktiven Ventilationsstörung.

Beide Erkrankungen ziehen durch Schleimhautschwellung, durch eine Verdickung der kontrahierenden Bronchialmuskulatur und durch Sekretion eines zähen Schleims eine Verringerung des Lumens in den Bronchien nach sich, so dass sich der Atemwegswiderstand erhöht. Auch Einengungen der Atemwege, die beispielsweise durch raumbeanspruchende Strukturen wie Tumoren entstehen, werden zu den obstruktiven Ventilationsstörungen gezählt. Zu den Verursachern einer klassischen restriktiven Ventilationsstörung zählen Lungenfibrose, eine Lähmung (Parese) oder Versteifung des Zwerchfells oder ein Pleuraerguss.

Charakteristisch für eine Lungenfibrose, die sehr viele verschiedene Ursachen haben kann, ist der allmähliche Umbau des funktionalen Lungengewebes zu bindegewebsartigen Strukturen mit allmählichem Funktionsverlust. Für den Pleuraerguss, eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung zwischen den beiden Blättern des Brustfells, ist ebenfalls eine Vielzahl möglicher Verursachungsfaktoren verantwortlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Anzeichen und Beschwerden einer Ventilationsstörung deckt eine große Bandbreite ab und ist weitestgehend abhängig von der Grunderkrankung beziehungsweise von den Verursachungsfaktoren. Beispielsweise macht sich eine chronische Bronchitis, die sich zur COPD entwickeln kann, durch einen produktiven Husten bemerkbar, der über Jahre andauern kann.

Zusätzlich zeigt sich häufig mit zunehmendem Verlauf der Krankheit eine Belastungsdyspnoe. Bei einer schweren Verlaufsform kann sich auch eine Ruhedyspnoe zeigen. Eine Ventilationsstörung, die durch einen akuten Asthmaanfall verursacht wird, kann eine akute Atemnot hervorrufen, weil die Atemwege fast vollständig blockiert werden.

Anhaltender Hustenreiz, Erhöhung der Pulsfrequenz und eine ausgeprägte Zyanose mit blauen Lippen können als Sekundärsymptome eingeschätzt werden, die sich aufgrund der verminderten Sauerstoffversorgung entwickeln. Die restlichen Verursacher einer obstruktiven oder restriktiven Ventilationsstörung zeichnen sich meist durch eine unspezifische Belastungs- oder Ruhedyspnoe und durch einen Hustenreiz aus, der mit einer vermehrten Schleimbildung assoziiert ist.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ventilationsstörungen sind immer Ausdruck unterschiedlicher Grunderkrankungen, so dass die Feststellung einer obstruktiven, restriktiven oder neuromuskulären Ventilationsstörung häufig noch keine Aussage über die verursachenden Faktoren beinhaltet. Für den Nachweis einer Ventilationsstörung steht eine Vielzahl diagnostischer Hilfsmittel innerhalb einer Lungenfunktionsprüfung zur Verfügung wie Spirometrie mit Messung der Vitalkapazität und verschiedener statischer und dynamischer Parameter.

Ein wenig aufwändiger ist die sogenannte Bodyplethysmographie oder Ganzkörperplethysmographie, die eine geschlossene Kabine mit spezialisierter Technik erfordert. Das Verfahren gibt Aufschluss über Druckverhältnisse im Brustkorb und über den Atemwegswiderstand sowie über einige weitere Parameter wie Totalkapazität der Lunge und nicht ausatembares Restvolumen. Der Verlauf einer Ventilationsstörung hängt von der verursachenden Grunderkrankung ab. Im Falle einer COPD oder einer Lungenfibrose kann es unbehandelt zu einem schweren Verlauf mit ungünstiger Prognose kommen.

Behandlung & Therapie

Die Therapierung einer Ventilationsstörung ist immer auf die Behandlung der verursachenden Grunderkrankung ausgerichtet. Falls es sich um eine durch langfristiges Einatmen toxischer Dämpfe oder Stäube oder durch Zigarettenrauch handelt, besteht der erste Teil einer Therapie darin, die Substanzen zukünftig zu meiden. Die nächste Stufe einer Behandlung besteht meist in einer Behandlung mit Beta2-Mimetika, sogenannten Bronchodilatatoren, damit sich die Gefäßmuskulatur der Atemwege lockert und sich die Atemwege weiten.

Die Medikamente können auch in Form von Atemsprays eingenommen werden. Das hat den Vorteil, dass der Wirkstoff auf einfache Weise direkt an das betroffene Gewebe verbracht wird. Falls chronische Atemwegsentzündungen Mitverursacher der Ventilationsstörungen sind, werden vielfach Kortikosteroide eingesetzt. Allerdings müssen bei einer langfristigen Anwendung von Kortison auch dessen Nebenwirkungen bedacht werden, die unter anderem in einer Schwächung des Immunsystems gegenüber Infektabwehr bestehen kann.

In einigen Fällen, in denen bereits eine chronische Unterversorgung mit Sauerstoff besteht, kann eine zusätzliche Sauerstoffversorgung mittels Maske erforderlich sein. In sehr schweren Fällen können beispielsweise durch operative Eingriffe verengte und total verlegte Atemwege wieder eröffnet oder umgangen werden. Als Ultima Ratio werden bei einer Nichttherapierbarkeit auch Lungentransplantationen durchgeführt.

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Vorbeugung

Direkt vorbeugende Maßnahmen, die eine Ventilationsstörung verhindern könnten, existieren nicht, weil die Krankheit entweder auf einer verursachenden Grunderkrankung basiert oder auf der Inhalation langfristig toxisch wirkender Stäube oder Aerosole beruht. Falls ein Fernhalten von bestimmten, toxisch wirkenden, Stoffen – dazu zählt auch Zigarettenrauch – nicht möglich ist, empfiehlt sich die Durchführung von Lungenfunktionsprüfungen in regelmäßigem Turnus von etwa drei bis fünf Jahren.

Bücher über Ventilationsstörung und Atembeschwerden

Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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