Veillonella parvula

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Veillonella parvula ist eine Spezies von Bakterien, die den Acidaminococcaceae zugeordnet wird. Die Art lebt normalerweise als Kommesale in der menschlichen Mundflora und im Darm. Vor allem bei einem Immundefizit kann die Spezies zum opportunistischen Krankheitserreger werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Veillonella parvula?

Veillonella sind nach dem französischen Bakteriologen Adrien Veillon benannt. Es handelt sich um eine Gattung der Acidaminococcaceae, die früher auch als Veillonellaceae bezeichnet wurden. Die Bakteriengattung ist ein Teil der physiologischen Mundflora und verursacht unter gewissen Umständen Zahnkaries. Veillonella kommen außerdem in der Darmflora und der Vaginalflora vor. Bakterien der Gattung leben weiterhin im Pansen von Wiederkäuern und ermöglichen dort in einer Pansensymbiose den Umsatz der Milchsäure zu Acetat und Propionat.

Bei allen Spezies der Gattung handelt es sich um obligat anaerobe Bakterien mit gramnegativem Färbeverhalten, die in Form von Kokken vorkommen. Sie sind für ihre Fermentationsfähigkeit von Laktat bekannt. Veillonella parvula sind eine Art der Gattung Veillonella, die unter gewissen Bedingungen als humanpathogen assoziiert ist und so als opportunistischer Krankheitserreger bezeichnet werden kann. Bakterien der Spezies wurden zum Beispiel aus Patienten mit Endokarditis, Parodontitis, Meningitis oder Osteomyelitis isoliert. Auch einige Fälle der Sepsis sind im Zusammenhang mit der Bakterienart bekannt geworden.

Die Bakterienstämme der Spezies besitzen keine aktive Fortbewegungsfähigkeit und treten vor allem in Kettenanordnung auf. Ihre Größe beträgt etwa 0.4 Mikrometer. Die Stämme der Spezies tragen eine Außenhülle aus Lipopolysacchariden, was als Virulenzfaktor der Bakterienart interpretiert wird.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die Art Veillonella parvula bildet keine Sporen und kommt als Kommensale im menschlichen Darm sowie im Plaque der Mundflora vor. Ohne Putrescin und Cadaverin kann die Bakterienart nicht leben, da es sich um wichtige Bestandteile des spezieseigenen Peptidoglycans handelt. Auch Plasmalogene und Ether-Phospholipide machen die Art aus, die zur Regulierung der Membranfluidität beitragen.

Bakterien der Art Veillonella parvula verstoffwechseln, anders als andere Bakterien, keine Kohlenhydrate, sondern nutzen organische Säuren wie Laktat zur Energiegewinnung. Da Bakterien dieser Spezies Kohlenhydrate nicht fermentieren können, stellt die Umwandlung von Laktat in Vinylpropionat und Vinylacetat ihre Hauptquelle zur Energiegewinnung dar.

Die Bakterien besitzen keine Hexokinase, aber verfügen über das Enzym Methylmalonyl-CoA Decarboxylase. Damit können die Bakterien Succinat in der Anwesenheit von Laktat metabolisieren. Die dabei entstehende, freie Energie verwenden sie, um ihre Natriumionenpumpen zu betreiben.

Die Organismen leben strikt anaerob. Sie brauchen zum Überleben und Wachsen also keinen elementaren Sauerstoff, sondern werden durch die Anwesenheit von Sauerstoff in ihrem Wachstum sogar gehemmt. Mit anderen Mikroorganismen leben sie häufig in einer gegenseitigen Nutzbeziehung, so zum Beispiel mit den Bakterien der natürlichen Mundflora. Die Stoffwechselvorgänge der verschiedenen Mundbakterien sind genau aufeinander abgestimmt, sodass die Anwesenheit der einen Art die Anwesenheit der anderen begünstigt.

In vielen Fällen nutzen humanpathogene Bakterien die Anwesenheit von Veillonella parvula für sich aus und verwenden die Spezies so als ihren persönlichen Virulenzfaktor.

Grundsätzlich gilt die Bakterienart Veillonella parvula als Kommensale, der dem menschlichen Organismus weder Schaden zufügt, noch direkt nutzt. Da Stämme des Bakteriums allerdings auch aus Patienten mit Infektionen wie der Herzinnenhautentzündung (Endokarditis), der Parodontose, der Meningitis und der Osteimyelitis isoliert wurden, ist zuweilen von opportunistischen Krankheitserregern die Rede, die eine Schwächung des Immunsystems für sich ausnutzen und so unter bestimmten Umständen Infektionen begünstigen können.

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Krankheiten & Beschwerden

Bei einer Meningitis entzünden sich Pia mater und Arachnoidea mater im Bereich des Gehirns. Dieses Phänomen kann durch Bakterien wie die Art Veillonella parvula hervorgerufen werden. Die bakterielle Meningitis wird in eine eitrige und eine nicht-eitrige Form unterteilt und ruft Symptome wie allgemeine Infektionsanzeichen mit Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerz hervor. Vergesellschaftet sind diese Symptome mit Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen, einem steifen Nacken und Opisthotonus. Zusätzlich stellen sich oft Bewusstseinsstörungen ein, die von Desorientiertheit oder Realitätsverlust und Apathie bis hin zu Koma begleitet sein können. Auch Krämpfe, Lichtscheu und Hautveränderungen sind typische Symptome der potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung.

Auch die mit der Bakteriengattung assoziierte Osteomyelitis ist eine akut oder chronisch verlaufende Entzündung, die in diesem Fall jedoch den Knochen betrifft und sekundär oft auf das Knochenmark übergreift. Oft tritt die Osteomyelitis nach einer Operation ein und wird dann meist durch Hospitalkeime verursacht. Bei einer Osteomyelitis durch den Erreger Veillonella parvula handelt es sich um eine endogene Infektion, da die Bakterien dieser Art aus dem eigenen Körper stammen. Bei der Parodontose ruft die Bakterienart Entzündungen des Zahnhalteapparates hervor. Oft entspricht der primäre Infektionsherd bei einer Osteomyelitis oder Meningitis durch den Erreger Veillonella parvula einem Infektionsherd im Mundbereich, von dem aus sich die Bakterien zu den Zielorganen ausbreiten.

Neben dem Knochen und dem Gehirn kann auch das Herz von der Infektion befallen werden, so etwa bei einer Endokarditis oder Herzinnenhautentzündung. In seltenen Fällen wurde von einer Sepsis (Blutvergiftung) nach Infektion mit Veillonella parvula berichtet. Bei einer Sepsis befinden sich die Bakterien im Blut und rufen eine systemische Entzündungsreaktion des gesamten Organismus hervor. Immungesunde Patienten sind für solcherlei Blutvergiftungen weniger anfällig, da ihr Immunsystem Bakterien im Blut binnen kürzester Zeit unschädlich macht, damit sie sich nicht weiter ausbreiten. Krankheiten, hohes Alter und medikamentöse Therapien mit beispielsweise Zytostatika können das Immunsystem schwächen und damit Sepsis begünstigen.

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