Varikozele (Krampfaderbruch)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Oktober 2017
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Eine Varikozele oder Krampfaderbruch ist eine krampfaderartige Erweiterung der Hodenvene und des Venengeflechts im Scrotum (Hoden), die die häufigste Ursache für Infertilität beim Mann darstellt. Varikozelen werden operativ oder sklerotherapeutisch (Verödung) behandelt, wodurch eine vorliegende Unfruchtbarkeit in vielen Fällen wieder rückgängig gemacht werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Varikozele?

Als Varikozele (Krampfaderbruch) wird eine krampfaderartige Erweiterung, Verlängerung und Schlängelung der Hodenvene (Vena testicularis) und des Venengeflechts im Hoden und Nebenhoden (sogenannter Plexus pampiniformis) bezeichnet.

Etwa 10 bis 20 Prozent der Männer, vor allem zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr, können von einer in der Regel keine Beschwerden verursachenden Varikozele betroffen sein. Lediglich in einigen Fällen manifestiert sich eine Varikozele anhand eines ziehenden Schmerzes im Hoden- und Leistenbereich, wobei dieser insbesondere bei körperlicher Anstrengung auftritt.

Eine Varikozele beeinträchtigt in Abhängigkeit vom Grad der Ausprägung über verschiedene Mechanismen (u.a. Erhöhung der Körpertemperatur im Bereich des Hodens) die Fertilität (Fruchtbarkeit) und ist die häufigste Sterilitätsursache (Unfruchtbarkeit) beim Mann, wobei durch eine operativen Entfernung oder Sklerosierung der Varikozele die Fertilität in vielen Fällen wieder hergestellt werden kann.

Ursachen

In den meisten Fällen ist eine Varikozele auf eine anlagebedingte Störung des Blutabflusses der Hodenvene in die linksseitige Nierenvene zurückzuführen (primäre Varikozelen). Dies hat eine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der Venenklappe in der Hodenvene zur Folge, die wiederum eine Erhöhung des Druckes in diesem Blutgefäß nach sich zieht.

Durch die Druckerhöhung wird die für die Varikozele charakteristische krampfaderartige Erweiterung der Hodenvene bzw. des gesamten Venengeflechts im Hoden verursacht. Dabei kann die Störung des Blutabflusses durch eine Verengung der Nierenvene durch die Aorta (Hauptschlagader) bzw. die Aortenabgänge oder durch einen anatomisch ungünstigen Übergang der Hodenvene in die Nierenvene verursacht werden.

Darüber hinaus können Tumoren durch ihre Ausdehnung zu einer Druckerhöhung führen und Gefäßeinreißungen oder Blutgerinnsel eine Störung des Blutabflusses bedingen. In beiden letztgenannten Fällen wird von symptomatischen Varikozelen gesprochen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Varikozelen werden in der Regel im Rahmen einer körperlichen Untersuchung, bei welcher die Hoden in unterschiedlichen Positionen (im Stehen, Liegen, Hocken) abgetastet werden, diagnostiziert. Hierbei sind bereits Aussagen zum Stadium möglich. So können Varikozelen ersten Grades im Stehen bei gleichzeitigem Valsalva-Manöver (Bauchpresse) als wurmförmige Knäuel ertastet werden.

Dagegen sind Varikozelen zweiten Grades ohne Valsalva-Manöver im Stehen ertastbar, während Erweiterungen des Venengeflechts dritten Grades anhand der Varizen (Krampfadern) durch die Haut sichtbar sind. Subklinische Varikozelen (Anfangsstadium) können hingegen lediglich im Rahmen einer Dopplersonographie (Ultraschall von Gefäßen) bei Anwendung des Valsalva-Manövers nachgewiesen werden.

Mit Hilfe einer Sonographie kann darüber hinaus ein Nierentumor ausgeschlossen und die Hodenstruktur und -größe bestimmt werden. Eine Phlebographie (Röntgenbild mit Kontrastmittel) gibt Aufschluss über die Funktionsfähigkeit des Venengeflechts. Untherapiert führt eine Varikozele zu Infertilität.

Komplikationen

Eine Varikozelle kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht das Risiko, dass der Krampfaderbruch zu einer gestörten Spermienbildung führt. Dies kann eine Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit zur Folge haben. Auch ernste Störungen der Hodenfunktion können auftreten, wenn die Varikozelle nicht behandelt wird.

Begleitend dazu kommt es meistens auch zu starken Schmerzen, die für den Betroffenen eine große Belastung darstellen können. Liegt der Varikozelle ein Nierentumor zugrunde, kann dieser weitere Komplikationen hervorrufen. Bleibt die Behandlung aus, kommt es zum Nierenversagen, Metastasenbildung und im weiteren Verlauf zum Tod des Patienten.

Bei einem operativen Eingriff können Organe und Strukturen im Bereich des Eingriffs verletzt werden, zum Beispiel der Samenleiter oder die Harnröhre. Es kann zu Blutungen, Hämatomen und Nervenverletzungen kommen. Auch eine Verletzung eines Hodens ist nicht auszuschließen. In einigen Fällen tritt eine sogenannte Hydrozele auf, eine Wasseransammlung im Hodensack, die mit Schmerzen und Funktionsstörungen verbunden sein kann.

Ist der Patient Allergiker, besteht die Gefahr einer allergischen Reaktion auf die verwendeten Mittel und Materialien. Auch Wechselwirkungen durch die verordneten Medikamente können auftreten und teilweise schwere gesundheitliche Komplikationen nach sich ziehen.

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Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einer Varikozele vom Ausmaß und Stadium der Erkrankung ab. Mit zunehmenden Beschwerden und pathologischem Spermiogramm (Analyse des Ejakulats) wird heutzutage bevorzugt eine sogenannte Transkathetersklerosierung zur Verödung der Varikozele durchgeführt.

Man differenziert bei dieser Behandlungsmethode zwischen einer retrograden und antegraden Varikozelensklerosierung. Im Rahmen einer retrograden Sklerosierung wird die Leistenvene punktiert, von wo aus über die Nierenvene ein Katheder zum erweiterten Bereich des Venengeflechts geschoben und im Anschluss das Verödungsmittel durch den Katheder injiziert wird. Bei einer antegraden Sklerosierung wird direkt in die erweiterte Vene ein Katheder gelegt, über den das Verödungsmittel gespritzt wird.

Eine antegrade Sklerosierung erfolgt in der Regel unter Lokalnarkose, da der Betroffene nach Möglichkeit während des Eingriffs pressen sollte.Neben diesen nicht-operativen Verfahren werden operative Methoden zur Behandlung einer Varikozele angewandt. Hierbei wird entweder das gesamte Gefäßbündel (Operation nach Palomo) oder lediglich die Vena testicularis (Hodenvene) unterbunden (Operation nach Bernardi). Dies erfolgt in beiden Fällen entweder über einen Schnitt im Unterbauchbereich oder laparoskopisch (Knopflochchirurgie) mit Hilfe mehrerer kleiner Schnitte.

Bei der inguinalen Operationsmethode wird der Schnitt direkt in Leistenhöhe gesetzt und sämtliche Venen des Samenstrangs unterbunden. Alle genannten Behandlungsmethoden einer Varikozele werden als gleich gut hinsichtlich des Therapieerfolgs bewertet.

Vorbeugung

Da Varikozelen auf einen gestörten Blutabfluss der Vena testicularis (Hodenvene) zurückzuführen ist, der in der Regel genetisch bzw. anatomisch bedingt ist, kann diesen nicht direkt vorgebeugt werden.

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Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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