Valproat

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Valproat findet in der Medizin vielfach Anwendung, um Anfälle bei Epilepsien zu vermeiden. Zudem wird es häufig als Phasenprophylaktikum bei bipolaren Erkrankungen und schizoaffektiven Psychosen eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Valproat?

Bei Valproaten handelt es sich um Salze der künstlich hergestellten Valproinsäure, die chemisch zu den verzweigten Carbonsäuren gehört. In den 1960er Jahren wurde zufällig die antiepileptische Wirkung dieser Salze entdeckt. Seitdem haben sie sich in der Behandlung von Epilepsien etabliert. Somit gehört Valproat zu der sogenannten Gruppe der Antikonvulsiva, die krampflösend wirken und epileptischen Anfällen vorbeugen.

Aufgrund ihres speziellen biochemischen Wirkmechanismus sind Valproate außerdem für die präventive Behandlung von bipolaren Erkrankungen (Wechsel zwischen Manie und Depression) sowie für schizoaffektive Psychosen (Psychosen mit affektiven und schizophrenen Elementen) zugelassen. In der psychiatrischen Praxis finden sie deshalb ebenfalls Verwendung.

Hintergrund ist, dass durch die Dämmung von Erregungsleitungen im Gehirn eine stimmungsstabilisierende Wirkung der Valproate zu beobachten ist. Somit können schnelle, krankheitsbedingte Stimmungsumbrüche, wie sie bei der bipolaren Erkrankung vorkommen, oftmals unterbunden werden. Aus diesem Grund gilt Valproat auch als sogenanntes Phasenprophylaktikum, als bewährter Stimmungsstabilisator. Im Gegensatz zum klassischen Stimmungsstabilisator Lithium, dessen Funktionsweise noch weitgehend unerforscht ist, gibt es stichhaltige Erklärungen für die Wirkweise von Valproaten.

Pharmakologische Wirkung

Die antiepileptische Wirkung der Valproate bzw. der Valproinsäure rührt vermutlich daher, dass bestimmte erregende Ionenkanäle im Gehirn blockiert werden. Dies betrifft vor allem die spannungsabhängigen Calcium-Kanäle sowie die Natrium-Kanäle, die durch den Wirkstoff verschlossen werden. Diese können dadurch nicht mehr in die Zelle gelangen und kein vermehrtes Aktionspotenzial verursachen, welches für epileptische Anfälle verantwortlich ist.

Zudem wird angenommen, dass Valproate auf die GABA-Rezeptoren im Gehirn wirken. GABA (Gamma-Aminobuttersäure) sind Neurotransmitter, die Erregung hemmen. Sie sind Bestandteil des natürlichen Ausgleichsmechanismus des Gehirns, mit dem Anspannung und Entspannung geregelt werden. Da sowohl bei epileptischen Anfällen als auch bei krankhaften Stimmungsumbrüchen wie bei der bipolaren Erkrankung eine Überregung von Teilen des Gehirns feststellbar ist, liegt es nahe, den Neurotransmitter GABA künstlich zu aktivieren, um solche Phasen zu blockieren.

Ebenso wie beispielsweise durch Benzodiazepine wird GABA durch Valproate verstärkt, woraus sich die akut krampflösende und antimanische Wirkung erklärt. Valproat fördert zum einen die Synthese von GABA, zum anderen hemmt es deren Abbau. Daraus ergibt sich ein breites Wirkungsspektrum, was erklärt, warum Valproat bei fast allen Formen der Epilepsie und bei einigen affektiv gefärbten Störungen einsetzbar ist.

Verabreicht werden Valproate als sogenanntes Natriumvalproat, woraufhin im Magen die Umwandlung in die eigentliche Valproinsäure stattfindet. Im Blut bindet sich diese an Plasmaproteine. Pharmakologisch vorteilhaft ist bei dem Wirkstoff, dass er sehr rasch ein- und hochdosiert werden kann. Dadurch können akute Phasen schnell abgefangen werden.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Valproat findet in der Medizin vielfach Anwendung, um Anfälle bei Epilepsien zu vermeiden.

Das ursprüngliche Indikationsfeld für Valproinsäure sind epileptische Anfälle. Bei der Behandlung der Epilepsie wird Valproat gegen generalisierte Anfälle, fokale und sekundär-generalisierte Anfälle sowie bei therapieresistenten Epilepsien in Kombination mit anderen Antikonvulsiva eingesetzt.

Generalisierte Anfälle betreffen beide Gehirnhälften. Fokale Anfälle gehen von einer bestimmten Gehirnregion aus. Sie können sich über beide Gehirnhälften ausbreiten (sekundär-generalisierte Anfälle). Valproinsäure hat sich als sehr wirksam erwiesen, um diesen Formen von Anfällen vorzubeugen: Laut Statistiken sprechen sechs von zehn Epilepsie-Patienten auf Valproat an.

Die zweite Indikation für den Wirkstoff sind bipolare und schizoaffektive Erkrankungen, wobei Valproat vor allem bei Manien verabreicht wird. Akute Manien können durch Valproat abgefangen werden. Gegen depressive Phasen ist es allerdings kaum wirksam. Deswegen werden bei depressiv gefärbten Psychosen zusätzlich Antidepressiva verschrieben. Jedoch dürfen die entsprechenden Präparate aufgrund der anzunehmenden Auswirkungen auf ungeborenes Leben Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter nur noch verordnet werden, wenn Lithium nicht vertragen wird, obwohl sich Valproinsäure generell als verträglicher erwiesen hat. Bei bipolaren und schizoaffektiven Störungen kommt der Wirkstoff als Phasenprophylaktikum zum Einsatz und soll rapide Stimmungsumschwünge unterbinden.

Neben diesen beiden Hauptindikationen wurde festgestellt, dass Valproat hilfreich ist, um Migräneattacken vorzubeugen. Auch gegen Cluster-Kopfschmerzen (Schmerzen an Augen, Stirn und Schläfen) soll es wirksam sein.

Neuerdings wird außerdem eine krebshemmende Wirkung diskutiert. Dieses vielversprechende mögliche Indikationsfeld wird derzeit noch untersucht.

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Risiken & Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel birgt auch der Wirkstoff Valproat Risiken und Nebenwirkungen. Die verbreitetsten Begleiterscheinungen sind: vermehrter Appetit und Gewichtszunahme (vor allem zu Beginn der Behandlung), Übelkeit, Erbrechen, Zittern, Leberschäden, Schäden der Bauchspeicheldrüse, erhöhte Leberwerte, Blutgerinnungsstörungen, Kopfschmerzen, Verwirrtheitszustände, Aufmerksamkeitsstörungen, parkinsonähnliche Symptome und vorübergehender Haarausfall. Insbesondere die Leberwerte müssen sorgfältig überwacht werden. Eine Verordnung bei bekannten Leberschäden, auch in der Familiengeschichte, ist kontraindiziert.

Aufgrund der Auswirkungen auf ungeborene Kinder (verringerter IQ, Fehlbildungen) darf Valproat nur unter strengster Überwachung während der Schwangerschaft verordnet werden. In seltenen Fällen kann es zu chronischen Erkrankungen des Gehirns (Enzephalopathie) mit Störungen der Gehirnfunktionen kommen.

Viele Nebenwirkungen sind dosisabhängig und können bei einer guten medikamentösen Einstellung des Patienten gemildert oder vermieden werden. Zu beachten ist, dass der therapeutische Bereich von Valproinsäure 50 bis 100 mmol beträgt (bei einer täglichen Maximaldosis von 2.400 mg). Der Blutspiegel muss deswegen regelmäßig überprüft werden.

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