Vaginale intraepitheliale Neoplasie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Juli 2017
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Bei einer vaginalen intraepithelialen Neoplasie handelt es sich um Gewebeveränderungen an der Vagina der Frau. Diese dysplastischen Veränderungen können in manchen Fällen ein Vaginalkarzinom hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine vaginale intraepitheliale Neoplasie?

Als vaginale intraepitheliale Neoplasie werden dysplastische Veränderungen des Gewebes an der Schleimhaut der weiblichen Vagina (Scheide) bezeichnet. Die Gewebeveränderungen tragen auch die Kurzform VAIN. Bei einigen Frauen lösen die Veränderungen ein Vaginalkarzinom aus.

Die vaginale intraepitheliale Neoplasie zählt zu den Neoplasien aus atypischem Plattenepithel, das in der Schleimhaut der Scheide vorkommt. Ein invasives Wachstum findet dabei nicht statt. Es bestehen Ähnlichkeiten zu den intraepithelialen Neoplasien am Gebärmutterhals (Zervix) und an der Vulva. Allerdings kommt eine vaginale intraepitheliale Neoplasie deutlich seltener vor.

So erkranken von einer Million Frauen lediglich zwei bis drei daran. In den meisten Fällen zeigt sich eine vaginale intraepitheliale Neoplasie im oberen Abschnitt der Scheide. In der Medizin wird zwischen drei Schweregraden der vaginalen intraepithelialen Neoplasie unterschieden. Sie tragen die Bezeichnung VAIN 1 bis VAIN 3.

  • Bei VAIN 1 handelt es sich um eine geringfügig ausgeprägte Dysplasie. Während sich die Zellen atypisch verändern, bleibt die Epithelschichtung noch intakt.
  • Von VAIN 2 ist die Rede, wenn die Atypien mäßig ausfallen. Sie treten im mittleren sowie im basalen Epitheldrittel auf.
  • Liegt VAIN 3 vor, bestehen schwere Dysplasien, die sich im gesamten Epithel bemerkbar machen. Außerdem liegt ein erhöhtes Risiko vor, dass die vaginale intraepitheliale Neoplasie in ein Vaginalkarzinom übergeht.

Ursachen

Aus welchen Gründen es zu einer vaginalen intraepithelialen Neoplasie kommt, ließ sich bislang nicht klären. Bekannt sind jedoch bestimmte Faktoren, die sich begünstigend auf die Entstehung von VAIN auswirken. Dazu zählen andere Neoplasien, die im urogenitalen Bereich auftreten, eine Schwächung des Immunsystems sowie eine Infektion mit humanen Papillomviren, die den Hochrisikotypen 16 und 18 angehören.

Weiterhin werden sich wiederholende Entzündungen, ein Vorfall der Gebärmutter, Feigwarzen oder eine dauerhaft bestehende Druckbelastung durch Scheidenpessare als Auslöser für die Neoplasie verantwortlich gemacht. Dies gilt auch für eine Weiterentwicklung zu einem Vaginalkarzinom.

Welche Form der vaginalen intraepithelialen Neoplasie auftritt, richtet sich nach dem Lebensalter der betroffenen Frauen. So zeigt sich VAIN 1 in der Regel zwischen 40 und 50 Jahren, während VAIN 3 vor allem bei Frauen um die 60 Jahre vorkommt. Bei rund fünf Prozent aller Patientinnen geht die Neoplasie in Scheidenkrebs über.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da die Gewebeveränderungen bei einer vaginalen intraepithelialen Neoplasie gering ausfallen und sich keinerlei Symptome dabei zeigen, bleibt die Erkrankung oft lange Zeit unbemerkt. Entartet die Neoplasie dagegen zu einem Vaginalkarzinom, kann es zu unregelmäßigen Blutungen und Ausfluss kommen.

Dabei treten die Blutungen oft nach dem Geschlechtsverkehr auf und sind in der Regel schmerzlos. Der Ausfluss zeigt sich bräunlich-blutig und findet erst in einem fortgeschrittenen Stadium statt. Breitet sich der Tumor auf benachbartes Gewebe oder angrenzende Organe aus, sind Schmerzen im Unterleib sowie Organstörungen am Darm oder der Harnblase möglich.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Festgestellt wird eine vaginale intraepitheliale Neoplasie in der Regel im Rahmen einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung. Dabei kontrolliert der Frauenarzt Scheide und Muttermund durch den Einsatz eines Kolposkops. Dabei handelt es sich um eine Art Mikroskop, das speziell zu gynäkologischen Untersuchungen dient. Das Gerät ist imstande, Aufnahmen von der inneren Vaginaschleimhaut anzufertigen.

Außerdem wird ein Abstrich aus der Vagina entnommen. Mithilfe von unterschiedlichen Anfärbemethoden lässt sich innerhalb des Abstriches atypisches Gewebe erkennen. Dazu gehören das Auftragen einer Jodtinktur, von Essigsäure, Toluidinblau sowie einer PAP-Färbung.

Der Verlauf einer vaginalen intraepithelialen Neoplasie ist zumeist positiv, wenn die Gewebeveränderungen rechtzeitig entfernt werden. Bei manchen Frauen besteht jedoch die Gefahr von Scheidenkrebs.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der vaginalen intraepithelialen Neoplasie hängt auch vom jeweiligen Stadium ab. So reicht bei VAIN 1 und VAIN 2 zunächst eine Beobachtung aus. Darüber hinaus sind der Einsatz von topischem 5-Fluoracil sowie eine Entfernung mit einem Kohlendioxid-Laser möglich. Allerdings haben diese Verfahren den Nachteil, dass sie kein histologisches Aufarbeiten ermöglichen.

Setzt bei VAIN 1 oder VAIN 2 eine Verschlechterung des Zustands ein, werden der Patientin Medikamente mit immunmodulierenden oder zytostatischen Wirkstoffen verabreicht. Auch eine Vereisung (Kryotherapie) lässt sich vornehmen. Als sicherstes Verfahren gilt jedoch das partielle Entfernen der Scheide. Bei unbehandelten Läsionen ist das Risiko groß, dass eine weitere Entartung stattfindet. Ebenso möglich ist allerdings auch eine spontane Normalisierung.

Liegt bereits VAIN 3 vor, handelt es sich um eine echte Krebserkrankung, die jedoch noch begrenzt ist. In solchen Fällen müssen eine komplette Operation sowie eine Bestrahlung durchgeführt werden. Sinnvoll kann zudem eine Chemotherapie sein. Als Behandlung der ersten Wahl gilt die Bestrahlung, die entweder vor oder nach dem chirurgischen Eingriff durchgeführt wird.

Eine Operation findet jedoch nur dann statt, wenn der Vaginaltumor noch klein genug ist. Je nach Ausmaß und Stadium des Tumors wird dieser aus der Schleimhaut der Scheide herausgeschnitten. Aber auch das Entfernen von Teilen der Scheide sowie der Gebärmutter kann erforderlich sein.

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Vorbeugung

Um einer vaginalen intraepithelialen Neoplasie und damit auch Scheidenkrebs vorzubeugen, wird empfohlen, einmal im Jahr eine Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt vornehmen zu lassen. Blutungen, die außerhalb des Menstruationszyklus auftreten, sollten unbedingt ernstgenommen werden. Dies gilt besonders für Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr.

Bücher über Scheidenkrebs

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006

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