Uterusruptur (Gebärmutterriss)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Eine Uterusruptur ist ein teilweiser oder vollständiger Riss der Gebärmutterwand, der in den meisten Fällen unter Geburt bzw. weheninduziert auftritt. Mit einer Häufigkeit von etwa 1:1500 Geburten stellt eine Uterusruptur eine relativ seltene, wenngleich aufgrund der hohen Letalitätsrate sehr lebensbedrohliche Komplikation dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Uterusruptur?

Als Uterusruptur wird ein Riss bzw. Zerreißen der Gebärmutterwand zumeist während des Geburtsvorgangs bezeichnet. Prinzipiell wird zwischen einem kompletten Riss mit Beteiligung der Serosa (glatte Auskleidung der Bauchfellhöhle) sowie Dehiszenz (Auseinanderweichen) sämtlicher Schichten und einer inkompletten bzw. extraperitoneale Ruptur, die bei Intaktbleiben der Serosa lediglich das Myometrium (Schicht der Gebärmutterwand aus glatter Muskulatur) betrifft und zu keiner Blutung in die Bauchhöhle führt, differenziert.

In aller Regel ist die Ruptur am Korpus-Zervix-Übergang (Isthmus uteri) lokalisiert, seltener an einer wandschwachen Stelle („stille Unterusruptur“). Leitsymptomatisch äußert sich eine Uterusruptur anhand eines abrupten abdominalen Schmerzes mit ausgeprägter Druckempfindlichkeit sowie eines plötzlichen Sistierens (Aussetzens) der Wehen.

Infolge des Blutverlustes äußern sich zeitnah Anzeichen eines Schockes (Hypotonie, Tachykardie, blasse und kaltschweißige Haut, sich verstärkende Bewusstseinseintrübungen). Zudem sind nach einer Uterusruptur keine Bewegungen des ungeborenen Kindes feststellbar und die Herztöne desselben sind bradykard (verlangsamt) bzw. nicht existent.

Ursachen

Prinzipiell wird eine Uterusruptur durch eine Diskrepanz zwischen der Belastbarkeit der Uteruswand und der tatsächlich vorliegenden Belastung induziert.

In Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Ursache wird zwischen unterschiedlichen Rupturformen unterschieden. So kann es infolge einer Vorschädigung der Gebärmutter wie Enukleation des Uterusmyoms (Myomenukleation), Plazentalösung, Metroplastik oder Sectio zu einer Narbenruptur kommen. Vorangegangene chirurgische Eingriffe am Uterus stellen die häufigste Ursache für eine Ruptur dar.

Ein enges Becken sowie fetale Lageanomalien (Querlage, mentoposteriore Gesichtslage des Kindes, Armvorfall, Makrosomie) können eine Überdehnungsruptur bedingen. Dagegen kann eine Spontanruptur durch eine Endometriose oder ein Hämangiom verursacht werden. Stumpfe oder scharfe abdominale Traumata (bspw. infolge einer Zangenextraktion oder eines Verkehrunfalls) können zudem zu einer violenten bzw. traumatischen Uterusruptur führen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Uterusruptur wird in aller Regel anhand der klinischen Symptome diagnostiziert. Zudem sollte jeder unklare post- und intrapartale Schockzustand als ein deutliches Indiz für eine Uterusruptur interpretiert werden.

Darüber hinaus kann sich ein drohender Riss der Gebärmutter durch bestimmte Symptome ankündigen. So deuten hyperaktive, schmerzhafte Wehen bis hin zum Wehensturm (pathologisch gesteigerte Wehenaktivität), Druckschmerz im unteren Uterinsegment bei externer Palpation, eine Anhebung des Bandl-Ringes über den Bauchnabel sowie Unruhe und Angstzustände der betroffenen Schwangeren infolge des ausgeprägten Schmerzes auf eine drohende Uterusruptur.

Allerdings kann eine partielle Ruptur des Uterus in vielen Fällen auch asymptomatisch verlaufen. Mit einer Letalität von 10 Prozent bei den betroffenen Müttern und 50 Prozent bei den ungeborenen Feten stellt eine Uterusruptur eine der gravierendsten und lebensbedrohlichsten geburtshilflichen Komplikationen dar und sollte in jedem Fall sofort notfallmedizinisch versorgt werden.

Komplikationen

Abhängig von der Größe des Risses, kann eine Uterusruptur schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen. Meistens verursacht ein Gebärmutterriss starke vaginale Blutungen, die eine Blutarmut herbeiführen können. Starke Unterleibsschmerzen und Schweißausbrüche gehören zu den möglichen Begleitsymptomen.

Eine ausgeprägte Ruptur kann zum Kreislaufschock führen, verbunden mit Herzrasen, Blutdruckabfall und weiteren Symptomen. Lebensbedrohliche Komplikationen treten auf, wenn der Gebärmutterriss nicht sofort intensivmedizinisch behandelt werden. Dann besteht das Risiko, dass die betroffene Frau verblutet oder einen Herzinfarkt erleidet.

Ein Kreislaufzusammenbruch kann ebenfalls lebensbedrohlich sein. Beim Kind führt eine Uterusruptur eine Verlangsamung der Herzfrequenz herbei. In vielen Fällen stirbt das Kind an Herzversagen oder an einem schweren Kreislaufschock. Auch andere, meist schwerwiegende Komplikationen sind bei einem ausgeprägten Gebärmutterriss nicht auszuschließen.

Bei der Behandlung einer solch schwerwiegenden Ruptur gehen die Risiken von den verordneten Wehenhemmern aus, die mit verschiedenen Neben- und Wechselwirkungen einhergehen. Eine etwaige Entfernung der Gebärmutter kann mit Verletzungen und Infektionen einhergehen. Nach dem Eingriff ist die Fruchtbarkeit der betroffenen Frau eingeschränkt und es treten weitere körperliche und psychische Folgebeschwerden auf. Ein Verlust des Kindes hat für die Betroffene weitreichende seelische Folgen.

Behandlung & Therapie

Sowohl bei einer drohenden als auch einer erfolgten Uterusruptur sind sofortige notfallmedizinische Maßnahmen angezeigt. Zur Hemmung der Wehentätigkeit werden im Rahmen einer Akut-Tokolyse sogenannte Tokolytika, die die Kontraktionsaktivität des Uterus minimieren, intravenös infundiert.

Standardmäßig stellt eine intravenöse Bolusinjektion mit 0,025 mg Fenoterol (ein Beta-2-Sympathomimetikum) das Mittel der ersten Wahl dar, die einmalig wiederholt werden kann, ohne eine Kreislauf-Dekompensation des ungeborenen Kindes zu riskieren. Darüber hinaus sind schockprophylaktische Maßnahmen erforderlich. Bei Verdacht auf eine bevorstehende oder erfolgte Ruptur ist zudem die sofortige Einweisung in eine Klinik angezeigt, wo in aller Regel so bald wie möglich bei einem wehenlosen Uterus eine Laparatomie (chirurgische Eröffnung der Bauchdecke) bzw. bei Vorliegen von Wehen eine Sectio (Schnittentbindung, Kaiserschnitt) mit anschließender Rekonstruktion des Uterus durchgeführt werden.

Kann die Blutung nicht gestillt werden oder fällt diese besonders ausgeprägt aus, kann gegebenenfalls eine totale laparoskopische Hysterektomie bzw. Uterusexstirpation (Entfernung der Gebärmutter) erforderlich werden. Stellt sich während des Entbindungsvorgangs der Verdacht auf eine Ruptur des Uterus, wird ebenfalls notfallmäßig eine Sectio durchgeführt. Parallel sollte immer der hypovolämische Schock (reduzierte zirkulierende Blumenge) infolge des Blutverlustes bei einer Uterusruptur unter Einsatz von von Volumina- und Blutgaben versorgt werden.

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Vorbeugung

Einer Uterusruptur kann nicht in jedem Fall vorgebeugt werden. Bei bereits erfolgten chirurgischen Eingriffen am Uterus ist das Risiko für eine Ruptur, insbesondere für Narbenrupturen, leicht erhöht und der Schwangerschaftsverlauf sollte aufgrund der hohen Mortaliät bei Uterusrupturen entsprechend beobachtet und kontrolliert werden.

Bücher über Geburt & Entbindung

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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