Ursachen und Behandlung von niedrigem Blutdruck

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Juli 2017
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Ich habe zu niedrigen Blutdruck. So mancher versucht mit dieser Aussage seine lästigen Mißempfindungen oder Versagenszustände zu erklären. Deshalb ist es verständlich, dass der konsultierte Arzt eine solche Bemerkung mit einer gewissen Skepsis aufnimmt und zunächst erst einmal durch eingehende Untersuchungen zu klären sucht, ob der niedrige Blutdruck wirklich der wesentliche Grund für die vorgebrachten Beschwerden ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Blutdruck & welche Funktion hat er?

Die üblicherweise gemessenen Blutdruckwerte geben den Druck in größeren Arterien, meist der Oberarmarterie, wieder. Dabei werden die während der Zusammenziehung des Herzens und der Herzpause herrschenden Druckwerte gemessen und zueinander in Beziehung gesetzt. In körperlicher Ruhe beträgt der Blutdruck jüngerer Menschen zwischen 100/60 und 125/80 mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule). Weit schwieriger als diese Werte sind die Druckverhältnisse in den Lungenarterien zu ermitteln, die bei einer kleineren Anzahl von Kreislauf- und Lungenkrankheiten von praktischem Interesse sind.

Der Blutdruck in den Arterien ist von zahlreichen Faktoren abhängig und kann sich daher ständig ändern. Er wird bestimmt von der mit jedem Herzschlag ausströmenden Blutmenge, von der Schlagfrequenz des Herzens, der zirkulierenden Gesamtblutmenge und der Zähflüssigkeit (Viskosität) des Blutes. Einen entscheidenden kreislaufmechanischen Faktor stellen die kleinsten Schlagadern, auch Arterien genannt, dar.

Diese können sich sehr eng zusammenziehen und relativ stark weiten, so dass sie den für die Blutdruckgestaltung entscheidenden Engpass des Kreislaufsystems bilden. Die Regelung des Blutdrucks geschieht nach dem Prinzip einer mehrfachen Sicherung, wobei Nervensystem, blutdruckwirksame Hormone und eine Reihe bei der Zelltätigkeit aller Organe entstehenden Stoffwechselprodukte beteiligt sind.

Eine ökonomische Kreislaufregelung bedeutet bestmögliche Blutzuführung zu den arbeitenden Organen bei sparsamster Beanspruchung des Gesamtkreislaufs. Das schließt gleichzeitig die Fähigkeit zu möglichst rascher Anpassung an arbeitsbedingte Erhöhungen des Blutbedarfs in einzelnen Organen ein.

Dabei müssen die Kreislaufleistungen in zur Zeit weniger intensiv arbeitenden Organsystemen gedrosselt und die Ruhewerte möglichst rasch wieder erreicht werden, nachdem der momentane Mehrbedarf befriedigt ist. Durch die Notwendigkeit einer elastischen Anpassung der Kreislaufleistung an die oftmals rasch wechselnden Ansprüche des Organismus ergibt es sich, dass auch beim Gesunden der arterielle Blutdruck entsprechend wechselt.

Bei starker körperlicher Mehrbelastung, wie bei psychischen Erregungen, kann der Druck 20 bis 60 mm Hg über die Ruhewerte ansteigen. Er kehrt danach um so rascher zu den Ausgangswerten zurück, je leistungsfähiger das Kreislaufsystem ist. Umgekehrt werden die tiefsten Blutdruckwerte im Zustand der größten Entspannung während des Nachtschlafes gemessen. Bei älteren Menschen werden infolge der geweblichen Veränderungen der Gefäßwände, etwas höhere Blutdruckwerte notwendig, um eine ausreichende Blutversorgung der Gewebe zu gewährleisten. Es handelt sich hierbei also um einen normalen Anpassungsvorgang an physiologische Altersveränderungen.

Niedriger Blutdruck

In körperlicher Ruhe beträgt der Blutdruck jüngerer Menschen zwischen 100/60 und 125/80 mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule).

Von einer zu niedrigen Blutdrucklage sollte man nur dann sprechen, wenn zugleich entsprechende Zeichen örtlichen oder allgemeinen Kreislaufversagens vorliegen. Die Auswirkungen einer niederen Blutdrucklage sind in der Tat sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die zeitlebens nie mehr als Ruhewerte von 100/70 oder darunter haben, ohne je an Beschwerden oder Einschränkungen ihrer Leistungsfähigkeit zu leiden.

Viele von ihnen erreichen sogar ein hohes und unbeschwertes Alter. Bei diesen Menschen liegt eine besondere konstitutionelle Verfassung vor, bei der durch die allgemeine Gewebsbeschaffenheit, den Bau der Gefäße, oft auch durch eine besondere Konstellation im Haushalt der Drüsen mit innerer Absonderung und durch ein ruhiges Temperament die genannten niederen Blutdruckwerte vollkommen ausreichen, um eine harmonische Kreislaufleistung zu gewährleisten.

Verbreiteter ist jedoch jene Gruppe, bei der die niedrige Blutdrucklage Teilerscheinung einer allgemeinen Labilität der Kreislaufregulation ist. In diesen Fällen ist das Zusammenspiel der zahlreichen blutdruckregulierenden Faktoren gestört, und oft finden sich hier auch neben der allzu niedrigen Blutdrucklage andere Zeichen einer unökonomischen Herz- und Gefäßtätigkeit.

Darüber hinaus wird jeder Hausarzt Patienten kennen, bei denen Zeiten niederer Blutdrucklage mit Perioden zu hohen Blutdrucks abwechseln. Diese unausgeglichene Kreislaufregelung äußert sich nicht selten in mangelhafter Blutversorgung ganz bestimmter Kreislaufbezirke, so des Kopfes, der Herzkranzgefäße und Lunge, der Bauchorgane oder Gliedmaßen.

Dementsprechend können Beschwerden und Krankheitszeichen sehr unterschiedlich sein. Als allgemeine Zeichen solchen regulatorischen Kreislaufversagens kommen vor: Verlust an Ausdauer bei körperlichen und geistigen Anstrengungen, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfblässe (ohne Vorliegen einer Blutarmut).

Symptome & Anzeichen

Manche Kreislaufgestörte können nicht längere Zeit stehen, ohne von Übelkeit und Ohnmachtsanwandlungen betroffen zu werden. Auch Stimmungsschwankungen sind sehr häufig; meist überwiegt das Niedergeschlagensein. Andere Kreislaufgestörte leiden unter Wärmehaushaltsstörungen mit Frösteln und Unterkühlung der Gliedmaßen. Durch Versacken des allzu träge fließenden Blutes in den Venen und Haargefäßen neigen die Füße zu Anschwelllungen.

Mit dem vorwiegenden Versagen einzelner Kreislaufgebiete treten entsprechende Beschwerden in den Vordergrund. So herrschen bei Versagen der Kopfdurchblutung oft Kopfschmerzen, Mattigkeit und gesteigerte psychische Erregbarkeit vor, bei mangelnder Blutversorgung des Herzmuskels Beklemmung und Herzschmerzen.

Das Zirkulationsversagen des Lungenkreislaufes erzeugt oft Atemnot, während Durchblutungsstörungen an den Verdauungsorganen Appetitlosigkeit und Blähungsneigung hervorrufen können.

Ursachen

Die beschwerdeverursachenden Formen der Blutdruckerniedrigung können durch mancherlei Umstände bedingt sein. Eine große Rolle spielen der Mangel an körperlicher Übung beziehungsweise der plötzliche Abbruch bis dahin gewohnter körperlicher Betätigung.

Nach schweren seelischen Erschütterungen kommt es ebenfalls nicht selten zu länger andauernden Tonusverlusten des Gefäßsystems mit gleichzeitiger Senkung der Blutdrucklage. Auch Stoffwechselvorgänge können das Absinken des Blutdrucks zur Folge haben, so eine allzu starke Einschränkung der Eiweißzufuhr. Auch Leberleiden werden oft von einem niedrigen Blutdruck begleitet.

Als vorübergehendes Krankheitszeichen wird die Blutdrucksenkung nach akuten Infekten beobachtet. Gerade die Genesung nach Virusgrippe ist bei manchen Epidemien durch lästige, die Leistungsfähigkeit beeinträchtigende Kreislaufstörungen gekennzeichnet. In anderen Fällen verursachen chronische Infekte der Kopforgane, insbesondere an Gebiss, Mandeln und Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raums, Regulationsstörungen des Kreislaufs, ebenso das Versagen einiger Drüsen mit innerer Absonderung, vor allem der Schilddrüse und Nebennieren.

Anders als die bisher genannten Formen zu niedrigen Blutdrucks ist die durch chronische Herzfehler oder akutes Versagen der Herzleistung verursachte Blutdrucksenkung zu werten.

Behandlung & Therapie

Viele Beschwerden, die durch den Unterdruck hervorgerufen werden, lassen sich mit Hilfe entsprechender Lebensgewohnheiten und gezielter Behandlungsmaßnahmen wirksam bekämpfen. In den meisten Fällen kommt es vor allem darauf an, das unzureichende Regulationsvermögen des Kreislaufs zu trainieren. Hierzu sind richtig dosierte körperliche Bewegung und einige Wasseranwendungen hervorragend geeignet. Die Betätigung der Muskulatur regt die wesentlichen Einzelfaktoren der Kreislaufregelung an. Sie bewirkt eine Mehrdurchblutung der jeweils beanspruchten Muskelpartien; gleichzeitig aber wird die Blutführung in anderen Kreislaufbezirken ausgleichend gedrosselt.

Bei stärkerer Muskeltätigkeit werden zusätzlich erforderliche Blutmengen aus den Blutspeichern (Milz, Haut, Leber, Lungen) abgezogen. Schließlich fördert das Muskelspiel auch die Rückführung des Blutes zum Herzen. Alle diese Faktoren tragen nicht nur zum einwandfreien Funktionieren der vielfältigen Regulationsabläufe der Blutverteilung bei, sondern erhöhen zugleich Ausdauer und Gesamtleistung des Herz-Kreislauf-Systems. Das tägliche Eine-größere-Strecke-Gehen ist die geeignetste und zugleich am leichtesten und konstant realisierbare Form des Kreislauftrainings, so ein Fußweg zum Dienst, der Abendspaziergang und die Wochenendwanderung.

Im Sommer lässt sich die kreislauffördernde Wirkung der Bewegung durch Luftbäder und Mannschaftspielsportarten (z.B. Volleyball) steigern. Auch der ältere Mensch sollte sich kreislauftrainierende Gewohnheiten, wie Gartenpflege, Ballspiel und Schwimmen, zu eigen machen.

Hausmittel & Eigenbehandlung

Unter den kreislauftrainierenden Behandlungsformen, die sich zu Hause allein durchführen lassen, seien genannt: das Trockenbürsten, kalte Ganzwaschungen oder Abreibungen, kalte Reibe oder Bürstenschenkelbäder. Für die kalten Ganzwaschungen werden lediglich ein zusammengefaltetes Handtuch und kaltes Wasser benötigt.

Man steht entkleidet auf einer Matte und wäscht mit dem gut durchgefeuchteten Tuch in großen Strichen Gesicht, Hals, Extremitäten und Vorderseite des Rumpfes. Zwischendurch wird das Tuch immer wieder im Wasser gespült. Zur Behandlung des Rückens entfaltet man das Tuch, so dass es, an beiden Enden gefasst, über beide Schultern und zirkulär reibend alle Partien des Rückens erreicht.

Nach der nur etwa 2 Minuten dauernden Waschung wärmt man sich entweder ohne vorheriges Abtrocknen im Bett auf oder frottiert sich kräftig trocken. Danach kleidet man sich sofort an. Für die kalten Reibe- oder Bürstenbäder wird die Badewanne handbreit mit möglichst kaltem Wasser gefüllt. Man setzt sich mit gestreckten Knien hinein und reibt mit flachen Händen, die immer wieder in das Wasser eingetaucht werden, Beine, Arme und Vorderseite des Rumpfes. Zum Schluss rückt man unter Beugung der Knie mit dem Gesäß etwas zum Fußende der Wanne und taucht zwei- bis dreimal kurz mit dem Rücken in das Wasser. Statt der bloßen Hände kann man auch zwei Badebürsten benutzen. Die Dauer des Bades soll 2 Minuten betragen.

Anschließend frottiert man sich kräftig trocken. Bestehen Wiedererwärmungsschwierigkeiten nach kalten Wasseranwendungen, so ist es besser, anfangs wechselwarme Waschungen und Fußbäder vorzunehmen und erst später zu den stärker tonisierenden kalten Anwendungen überzugehen. Je nach den vorherrschenden Beschwerden ergibt sich eine Fülle spezieller Maßnahmen, deren Verordnung jedoch Sache des behandelnden Arztes ist.

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Besondere Therapien

Es sei lediglich auf zwei für viele Fälle geltende Gesichtspunkte hingewiesen. Ein Tonusverlust der Bauchorgane, und zwar der Bauchdecken wie der Eingeweide, ist häufig von zentraler Bedeutung für die Entstehung von Unterdruckbeschwerden. Infolge dieses Tonusverlustes versacken an den Bauchorganen größere Mengen nur träge zirkulierenden Blutes, die insbesonderes den Organen der oberen Körperhälfte entzogen werden. Hier sind spezielle gymnastische Übungen am Platz, die kräftigend auf die Bauchorgane wirken.

Sehr geeignet sind zum Beispiel rhythmische Schwungübungen, insbesondere auch das Seilschwingen, Seilspringen und die meisten Ballspiele. Unter erfahrener Anleitung erlernte Atemübungen können ebenfalls die Kreislaufregelung verbessern. Gegen die Blutleere in den Kopforganen, wohl als lästigstes Unterdrucksymptom bekannt, hilft das Hochlagern der Beine während einer kurzen Liegepause. Nicht nur im Sinne einer augenblicklichen Umschaltung der Blutverteilung, sondern zugleich als wirksamer Übungsfaktor bewähren sich gymnastische Übungen wie die sogenannte Kerze oder — für den Beweglicheren — der Kopfstand. Beide Übungen geben Impulse zu einer lang anhaltenden Durchblutungsverbesserung des Kopfes.

Für die gleichen Patienten bedeutet das täglich mehrmalige kalte Abgießen des Gesichts eine gute Förderung der Kopfdurchblutung. Aus einem etwa 2 Liter fassenden Gefäß wird dabei in Augenbrauenhöhe langsam von rechts nach links und zurückgehend das Gesicht breitflächig übergössen. Mit 2 bis 3 Gefäßen beginnend, kann die Zahl der Güsse allmählich erhöht werden.

Zum Schluß noch folgender Hinweis: Nicht selten bestehen ursächliche Beziehungen zwischen einer ungenügenden Versorgung mit dem Vitamin-B-Komplex und dem Kreislaufversagen. Eine ausreichende Aufnahme dieser Wirkstoffe, die wir in den Vollkornprodukten, insbesondere auch in Weizenkeimen und den Hefearten finden, ist für die Verbesserung des Blutdrucks besonders wichtig. Auch die Eiweißmenge in der Nährung darf nicht zu knapp bemessen sein. Der Wahl des einzelnen bleibt es überlassen, ob er mehr Milchprodukte (alle Milcharten, Quark, Käse) oder Fisch beziehungsweise mageres Fleisch bevorzugen will.

Man sollte zunächst durch Überprüfung der Lebensgewohnheiten an den Ursachen des Kreislaufversagens angreifen, bevor man die medikamentösen Hilfen beansprucht.

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