Ursachen und Behandlung von Stottern bei Kindern

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Juli 2017
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Zahlreiche Witze und die leider häufig nachgeahmten Symptome des Stotterns zeigen immer wieder, dass viele Menschen dieses Leiden für eine komische Angelegenheit halten. Andere meinen, Ermahnungen, Belehrungen, Selbstbeherrschung und fester Wille könnten die Sprachstörungen beheben. Jedoch zeugt sowohl die eine als auch die andere Meinung von Unkenntnis darüber, dass das Stottern eine Krankheit ist - eine Sprachkrankheit.

Symptome & Ursachen für Stottern

Beim Stottern wird die fließende Sprache durch krampfartige Bewegungen der Atem-, Kehlkopf- und Sprechmuskulatur unterbrochen.

Beim normalen Sprechen müssen Atmung, Kehlkopffunktion und Artikulationsbewegungen, zum Beispiel der Lippen und Zunge, aufeinander abgestimmt sein. Dies geschieht unbewusst und wird deshalb nicht als besondere Leistung bewertet. Wenn diese Koordination gestört ist, entsteht eine auffällige, charakteristische Sprachstörung, das Stottern. Da es ein recht häufiges Leiden ist - etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung ist davon befallen -, sind die Symptome jedermann bekannt.

Die fließende Sprache wird durch krampfartige Bewegungen der Atem-, Kehlkopf- und Sprechmuskulatur unterbrochen. Wir unterscheiden dabei zwei Arten von Krämpfen, Die klonischen Krämpfe führen zu raschen Wiederholungen einiger Laute, besonders der Explosivlaute (k, p und t). Bei den tonischen Krämpfen können die Laute erst nach längerem Pressen ausgesprochen werden. Konsonanten bereiten größere Schwierigkeit als Vokale. Stottern tritt vorwiegend bei der freien Rede, beim Antworten und in schwierigen Situationen auf, weniger beim Nach- und Mitsprechen, Zählen, Flüstern und Singen.

Manche Menschen stottern nur im Umgang mit einem bestimmten Personenkreis, beispielsweise mit Vorgesetzten oder Fremden, während sie sich zu Hause oder mit Freunden ungehemmt unterhalten können. Unsicherheit und Hemmungen also behindern den Stotterer im Verkehr mit anderen Menschen; dadurch wird er nicht selten menschenscheu, sein Selbstbewußtsein schwindet, so dass er schließlich das seelische Gleichgewicht völlig verlieren kann.

Minderwertigkeitskomplexe und sogar Selbstmordgedanken treten auf. Es entsteht also ein äußerst qualvolles Leiden, eine als Neurose bezeichnete funktionelle Störung infolge abnormer Reaktion des Nervensystems auf die Umwelt, eine echte, hochgradig belastende Krankheit, die entsprechendes Verständnis und Hilfsbereitschaft der Umgebung erfordert.

Häufig zeigt sich das Stottern bei Kindern, wo in den Familien schon ähnliche Fälle auftraten. Damit ist nicht gesagt, dass Stottern erblich ist. Schädigungen, die das Kind während, vor und kurz nach der Geburt erfährt, Ernährungsstörungen, Infektionskrankheiten, die eine allgemeine Verminderung der körperlichen und seelischen Widerstandskraft verursachen, Schreckerlebnisse, Unfälle, Erziehungsfehler, Konflikte im Elternhaus, Nachahmung und anderes mehr können dann das Stottern auslösen.

In einigen Lebensabschnitten besteht besondere Gefährdung. Kinder von drei bis vier Jahren wollen meistens mehr sprechen, als sie können. Der Wortschatz ist aber den erhöhten Anforderungen noch nicht gewachsen, und ihre Sprechwerkzeuge sind noch nicht auf das Schnellreden trainiert. So kann es zum "Hängenbleiben" und "überschlagen" kommen.

Dieses Wiederholen von Silben tritt in einem gewissen sprachlichen Entwicklungsstadium nicht selten auf und ist noch nicht als krankhaft anzusehen. Es handelt sich dabei um einen pathologisch bedingten Reflex, der überwunden werden kann. Dieses sogenannte Entwicklungsstottern darf dem Kind nicht zum Bewußtsein kommen. Dieses Stottern soll von den Erziehern möglichst nicht beachtet werden.

Auf keinen Fall darf ein Kind dazu angehalten werden, falsch Ausgesprochenes richtig zu wiederholen. Die Symptome verschwinden dann in der Regel nach kurzer Zeit von selbst. Die nächste Klippe ist der Schulbeginn. Änderung des Milieus und neue Aufgaben können die Sprachstörung erneut auslösen. Die letzte Krise ist die Zeit der Pubertät mit ihren körperlichen und seelischen Veränderungen. Das Stottern beginnt also meistens im Kindes- und Jugendalter.

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Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung des Stotterns gab und gibt es zahlreiche Fehler. Noch 1841 wurde das Herausschneiden eines keilförmigen Stückes aus dem hinteren Teil der Zunge empfohlen. Dieser Eingriff war sehr schmerzhaft, da die Narkose noch nicht bekannt war. In einigen Fällen verlief er sogar tödlich. Heute ist für uns ein Erfolg dadurch auch schwer vorstellbar, denn es handelt sich beim Stottern ja nicht um ein organisches Leiden etwa infolge einer anormalen Zunge.

Trotzdem kommen aber immer wieder Eltern mit der irrigen Ansicht in die Sprechstunde, dass das Durchtrennen des Zungenbändchens helfen könne. Auch Hypnosen und Elektrotherapie helfen nicht gegen Stottern. Für die Behandlung ist es ratsam, das Kind einem Sprach-, Nerven- oder Kinderarzt oder auch einem Sprachheilpädagogen vorzustellen. Man ist immer wieder erstaunt, auch erwachsene Stotterer in der Sprechstunde sehen, die sich seit ihrer Kindheit mit dem Leiden herumquälen, ohne jemals ärztliche Hilfe in Anspruch genommenzu haben. Bei der Behandlung kommt es darauf an, die Wurzeln des Leidens zu erkennen und zu berücksichtigen, die in der Erlebnissphäre liegen. Bei älteren Patienten wird durch Sprachübungen eine Entspannung angestrebt und ein neuer Sprechtyp aufgebaut, eine oft langwierige und leider nicht immer erfolgreiche Maßnahme.

Unterstützend wirken beruhigende Medikamente. Bei Kindern ist für ausreichenden Schlaf, leicht verdauliche vitaminreiche Kost, ruhige häusliche Atmosphäre, konsequente, aber nicht strenge, Erziehung und gleichmäßigen Tagesablauf zu sorgen. Sportarten mit rhythmischem Verlauf, wie Joggen und langsames Schwimmen, wirken sich günstig aus. Äußerst schädlich ist es auch, Kinder wegen ihres Sprachfehlers zu kritisieren oder gar zu bestrafen. Der Umgang mit ihnen erfordert Ruhe und Geduld von Seiten der Familienangehörigen und Erzieher. In der Schule muss besondere Rücksicht genommen werden, hauptsächlich bei mündlichen Prüfungen, die in manchen Fällen ganz vermieden werden sollten.

Für schwer stotternde und erfolglos behandelte Kinder sind in fast allen Bundesländern Sprachheilschulen, teilweise mit Internat, eingerichtet, in denen, den Normalschulen entsprechenden Lehrplan, der Unterricht von Sprachheilpädagogen durchgeführt wird und die Therapie auf diese Art in den gesamten Tagesablauf eingebaut wird. Es gibt also ausreichend Möglichkeiten, stotternden Menschen zu helfen. Wichtig ist, dass sie erkannt und ausgenutzt werden, dass die Patienten nicht resignieren, sondern durch Verständnis und Unterstützung ihrer Mitmenschen befähigt werden, ihr Leiden richtig einzuschätzen und zu überwinden.

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