Ursachen und Behandlung von Schlafstörungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. Mai 2017
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Mancher mag erschreckt sein, wenn er als Sechzigjähriger feststellen muss, dass er zwanzig Jahre seines Lebens eine Schlafmütze war, und kommt vielleicht auf die Idee, dass er viel mehr hätte leisten können, wenn er nicht so viel Zeit verschlafen hätte. Dieser Gedanke wäre ein Irrtum, denn ohne dieses Drittel Schlafleben hätte er die Zweidrittel Wachleben nicht genießen können. Der Schlaf ist ein naturnotwendiger aktiver Vorgang, der unseren Körper vor Erschöpfung schützt.

Inhaltsverzeichnis

Gesunder Schlaf ist wichtig - Schlaftypen

Der gesunde Mensch schläft durchschnittlich täglich acht Stunden, der mollige Säugling weit mehr (bis zu achtzehn Stunden) und der Greis weniger. Da gibt es wohl einige Schlafkünstler, die stolz darauf sind, mit sechs oder gar vier Stunden Schlaf auszukommen, wobei sie allerdings zuweilen vergessen, das Nachmittagsschläfchen mitzurechnen. Diese Schlafartisten finden wir übrigens meist nur unter Männern, während viele Frauen ehrlich genug sind, zuzugeben, dass sie gern und viel schlafen, wenn sie nur Zeit dazu haben.

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass es verschiedene Schlaftypen gibt: etwa solche, die früh zu Bett gehen, schnell in tiefsten Schlaf versinken - "der Schlaf vor Mitternacht ist der gesündeste", sagt der Volksmund - und gegen Morgen etwas oberflächlicher schlummern. Oder andere, die erst abends munter und frischer werden, sich deswegen spät zur Ruhe begeben, nun aber schlecht einschlafen können und erst gegen Morgen ihren Tiefschlaf erreichen. Es ist sicher falsch und ungerecht, die Früh- und Spätschläfer moralkritisch zu beurteilen, Typ I als die Braven und Typ II als die Faulenzer anzusehen.

Neben anlagemäßigen Gegebenheiten können soziales Milieu, Beruf und Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle spielen. Der Bauer wird durch sein Arbeitsprogramm veranlasst und gezwungen mit den Hühnern schlafen zu gehen, um das Licht des Tages für seine Tätigkeit voll ausnutzen zu können. Der intellektuelle Künstler der Großstadt wird gerade die Stille des Abends, die Ruhe der Nacht für seine möglicherweise schöpferische Beschäftigung bevorzugen.

Schlafstörungen im Überblick

Entscheidend für die stetige Erholungskur des Organismus ist die Schlaftiefe. Man könnte also sagen, dass Schlafmenge gleich Schlaftiefe mal Schlafdauer ist, so dass der Schnell-Tief-Schläfer am besten dran ist. Wer gut schläft, hat mehr vom Leben. Das können diejenigen am besten bestätigen, die unter Schlafstörungen leiden; erfahren sie doch am eigenen Leib, wie quälend und zermürbend eine länger dauernde Unregelmäßigkeit des erholsamen Nachtschlafes sein kann. Wer seinen Schlaf los ist, ist schlaflos.

Es kann sich hier natürlich nicht um eine durchbummelte Nacht handeln, wie sie jeder ein oder das andere Mal in seinem Kalender erlebt. Es geht auch nicht darum, dass gelegentlich, etwa in Examenszeiten, Tag und Nacht durchgearbeitet wird, denn solche Schlaflücken werden schnell wieder aufgefüllt, und kaum einer wird dieses Defizit durch einen Arztbesuch auszugleichen für nötig halten.

Wenn aber ein durchschnittlicher Normalschläfer ohne Grund und gegen seinen Willen einige Wochen schlecht schläft und unerholt unter seinen durchlöcherten Nächten zu leiden beginnt, dann soll er, dann muss er ärztliche Beratung in Anspruch nehmen. Die Schlafstörungen können recht verschieden sein: Das Einschlafen kann erschwert sein; der Betroffene wälzt sich ruhelos im Bett herum, die Morgensonne schimmert schon durch die Fenster, wenn er endlich Schlaf findet; nach kurzer Zeit klingelt der Wecker, und er muss todmüde aufstehen.

Oder das Aufwachen erfolgt viel zu früh; nach relativ gutem Start in das Reich der Träume wacht man viel früher auf, als der Wecker es befiehlt, ohne wieder einschlafen zu können, oder der Schlaf ist oberflächlich, wird mehrfach unterbrochen, durch jedes kleinste Geräusch, das Knacken der Möbel, das Bellen eines fernen Hundes, in Viertelstunden zerhackt, so dass dieser Halbschläfer den Morgen fast als Erlösung empfindet, obwohl er ebenso müde aus dem Bett steigt, wie er sich hineingelegt hat. Es bedarf kaum weiterer Worte darüber, dass derartige Schlafqualen die Lebensfreude beeinträchtigen, die Arbeitskraft schmälern und den Mißmut bis zur Reizbarkeit steigern können.

Man kann die Schlafstörungen daher auch in verschiedene Unterformen aufteilen und näher beurteilen. In der Sprache des Mediziners sind das:

1. die organischen Schlafstörungen,

2. endogene Schlafstörungen,

3. psychogene Schlafstörungen und

4. die peristatischen Schlafstörungen

Was ist nun darunter zu verstehen? Zum ersten gehören alle Schlafstörungen, die Ausdruck einer organischen Krankheit sind. Sie können als Vorpostensymptom oder als Begleiterscheinung von Stoffwechselkrankheiten, zum Beispiel Diabetes, von Gefäßleiden, beispielsweise Arteriosklerose, von chronischen Vergiftungen wie Alkoholmißbrauch, von Nervenkrankheiten und anderem mehr auftreten. In solchen Fällen genügt es selbstverständlich nicht, die Schlafstörung, die auch in einem gesteigerten Schlafbedürfnis bestehen kann, isoliert zu behandeln, sie muss selbstverständlich in die Therapie des Grundleidens einbezogen werden.

Schlafstörungen bei Depressionen

Schlafstörungen beeinträchtigen die Lebensfreude und steigern den Mißmut bis zur Reizbarkeit.

Die endogenen Schlafstörungen sind für den Nichtmediziner vielleicht am schwersten zu verstehen. Es gibt psychische Erkrankungen, die man mangels besseren Wissens bisher noch als endogene, das heisst als von innen heraus entstehend, bezeichnet. In unserem Zusammenhang ist hier vor allem die endogene Depression zu erwähnen, ein Gemütsleiden, das scheinbar motivlos über den Menschen hereinbricht.

Der Patient fühlt sich traurig verstimmt, macht sich unbegründete Selbstvorwürfe, findet an nichts mehr Freude, hat Zukunftsangst und lebensverneinende Gedanken. Er wird appetitlos, seine Gewichtskurve sinkt ab, er ist arbeitsunfähig. Vor allem aber klagt er über schlechten Schlaf. Man darf sogar sagen, dass es keine endogene Depression ohne Schlafstörung gibt oder umgekehrt gesehen, dass der Arzt bei jeder hartnäckigen Schlaflosigkeit an eine Depression denken sollte. Auch hier muss das Grundleiden erkannt und behandelt werden, was am besten in einer Fachklinik geschieht.

Psychische Schlafstörungen

Die psychogenen, also rein seelisch bedingten Schlafstörungen decken sich mit denen, die man auch gern als Nervosität zusammenfaßt. Sie sind zweifellos die häufigsten und werden gern als Krankheit unserer hastigen Zeit angesehen. Jeder hat schon öfter an sich selbst erfahren, dass Aufregungen des Tages sich in die Schlafzeit einschleichen und dem Menschen die Nachtruhe rauben können: Berufskonflikte, Existenzangst, Gewissensbisse, sexuelle Dissonanzen fliegen an den müden Augen vorüber.

Es werden Reden gehalten, Briefe geschrieben, versäumte Pointen gefunden, bisher ungesagte Argumente schwirren durch das Gehirn, Diskussionen jagen durch die Gedanken, und je mehr man an den Schlaf denkt, um so schlechter kann man ihn finden. Zerschlagen und verzweifelt beginnt der Patient in der Frühe seine Arbeit, der er nur unkonzentriert und unwillig nachzugehen vermag, schon erfüllt von der ängstlichen Befürchtung, wie er wohl und ob er überhaupt in der nächsten Nacht schlafen wird. Gewiss kann in solchen Fällen ein Schlafmittel gelegentlich segensreich wirken, aber entscheidend ist, dass der Mensch in seinem Widerspruch behandelt wird, dass ihm geholfen werden muss, den Widerspruch in seiner Umwelt zu überwinden.

Neben einer aufbauenden körperlichen Therapie liegt hier das Hauptgewicht auf der seelischen Krankenbehandlung (Psychotherapie). Dass wir uns nicht falsch verstehen: Wer sich mal über seinen Chef oder seinen Meister, über eine Behörde oder seinen Lehrer, über seine Freundin oder Frau (beziehungsweise Freund oder Mann) geärgert hat, der wird sich nicht gleich einen Krankenschein holen; wer aber durch eine nervöse Schlafunruhe körperlich herunterkommt, ungenießbar wird und nichts genießen kann, der suche seinen Arzt auf, der ihm sicher behilflich sein wird, die nicht selten versteckte Quelle des Übels zu entdecken und zu harmonisieren.

Schlafstörungen durch äußere Einflüsse

Ein wohltuendes Fichtennadelbad bringt oft die nötige Beruhigung, um dann im Bett in einen tiefen Schlaf zu fallen.

Peristatisch heisst durch äußere Umstände bedingt. Peristatische Schlafstörungen sind demnach solche, die sich aus dem Milieu des Schlafzimmers unschwer erklären lassen. Die Hygiene des Schlafzimmers ist ein sanftes Ruhekissen. Es soll nicht zu trocken, nicht zu feucht, nicht zu warm und nicht zu kalt und immer gut gelüftet sein. Wenn neben dem Bett eine alte Esszimmeruhr um Mitternacht sechzehnmal gongt, darf man sich nicht wundern, wenn der müde Mann oder die müde Frau nicht schlafen kann. Der Krimi im Fernsehen ist kein Schlafmittel und die quietschende Straßenbahn keine Beruhigungstablette.

Es gibt auch ein inneres Milieu des Schläfers: Blase und Darm sollen entleert sein, die Nachtbekleidung soll leicht und die Bettdecke nicht zu schwer sein. Manche Frau zum Beispiel kann nicht einschlafen, weil sie kalte Füße hat, und oftmals hat der Rat, jeden Abend für warme Füße zu sorgen, ihre Schlaflosigkeit beseitigt. Gewiß gibt es robuste Schläfer, die auf einem Nagelbrett schlafen können oder im lauten Wartesaal genauso schnarchen, wie im trauten Heim, aber ebenso gibt es empfindliche Mitbürger, die sich an ein Urlaubsbett erst dann gewöhnt haben, wenn sie wieder abreisen. Wie man sich bettet, so schläft man.

Behandlung & Therapie von Schlafstörungen

Es gibt also nach Art und Ursache sehr verschiedene Schlafstörungen, und es ist verständlich, dass sie verschiedene therapeutische Methoden erfordern. Wir wissen aber auch, dass eine große Anzahl von Menschen derartige Unruhe-zustände im Selbstbedienungsladen der Medikamente behandelt. Es ist gar nichts dagegen einzuwenden, wenn die übermüdete Sekretärin ein paar Baldriantropfen oder abends ein wohltuendes Schlafbad nimmt, aber die echten Schlafmittel sind nicht ohne Grund nur auf Rezept zu erhalten, müssen also von einem Arzt mit strenger Anweisung verschrieben werden.

Es hat keinen Sinn, unseren geneigten Lesern nun eine riesige Liste leichter rezeptfreier Beruhigungsmittel, oder schwerer Hypnotika vorzulegen. Uns liegt vielmehr daran, von einer sinnlosen Einnahme derartiger Tabletten in überhöhter Dosis zu warnen. Gar zu leicht kann es zu einer Gewöhnung und darüber hinaus zu einer Sucht kommen, so dass man den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben hat. Am liebsten ist uns der Patient, der seine "Zaubertablette" auf den Nachttisch legt, sie wegen guten Einschlafens zu nehmen vergisst und auf diese Weise mit einer Tablette vier Wochen auskommt.

Auch sollte man nicht die ungefährliche, aber trotzdem recht wirksame Anwendung von hydrotherapeutischen Maßnahmen vergessen: Wadenwickel, Wechselbäder, feuchte Packungen, Fichtennadelbäder schaffen oft eine wohltuende Beruhigung. Und wenn ein schlechter Schläfer gar nichts Besseres weiss, dann lese er diesen Aufsatz, der für diesen oder jenen einschläfernd wirken könnte. Gute Nacht!

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