Ursachen und Behandlung von Heuschnupfen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Jährlich gibt es Tausende und aber Tausende von Heuschnupfenkranken. Ihre Krankheit ist zwar völlig ungefährlich, aber sie ist lästig, behindernd und beeinträchtigt alljährlich mehrere Wochen Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Betreffenden. Jedes Jahr während der Gräserblüte verspüren sie Kribbeln und Brennen an den Schleimhäuten der Nase, der Augen, des Mundes und des Rachens. Diese Erscheinungen verschlimmern sich nach einigen Tagen.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen & Symptome

Im Mund tritt Wundgefühlauf, die Bindehäute entzünden sich; brennende Augen und Tränen sind die Folge davon. Am charakteristischsten sind die Veränderungen an der Nase: Die Schleimhaut rötet sich und schwillt an. Die Nasenhöhle wird enger, sie kann nicht mehr beatmet werden und ist verstopft. Aus dem anfänglichen Niesreiz entwickelt sich ein unaufhörlicher Schnupfen mit Niesanfällen und starker Schleimsekretion. Auch die äußere Nase und die Augenlider schwellen an und röten sich - alles zusammen: Schwellung und Rötung des Gesichts, Tränen und Lichtempfindlichkeit der Augen, Niesanfälle, Schnupfen und Verstopfung der Nase geben dem Kranken ein typisches Aussehen, das zum Glück nur in besonders schweren Fällen so ausgeprägt ist.

Man nahm schon vor Jahrhunderten an, dass derartige Beschwerden irgendwie mit der Blüte der Gräser zusammenhängen müssten, aber erst seit Mitte des vorigen Jahrhunderts weiss man, dass die Krankheitserscheinungen durch die in der Luft herumfliegenden Blütenpollen hervorgerufen werden. Sie werden mit der Atemluft eingeatmet und kommen mit den Schleimhäuten der Luftwege in Berührung. Beim Heuschnupfen, auch Heufieber genannt, spielen Bakterien oder Mikroorganismen keine Rolle, er ist also keine Infektionskrankheit und daher auch nicht ansteckend. Indessen zählt er zu den allergischen Erkrankungen und entsteht durch Überempfindlichkeit des Körpergewebes gegen das körper- beziehungsweise artfremde Eiweiß der Blütenpollen. Bei manchen Menschen bildet der Körper gegen das sogenannte Antigen der Pollen in vermehrter Weise Antikörper im Gewebe. Die biologischen Reaktionen äußern sich dann in Form einer Gefäßerweiterung und einer vermehrten Sekretion von Gewebsflüssigkeit.

Der Entstehung dieser speziellen Oberempfindlichkeit geht eine Sensibilisierung (Empfindlichmachung durch wiederholte Injektion oder auf natürlichem Wege) voraus, die meist schon in den Kindheitsjahren entstanden ist. Durch wiederholte Kontakte mit den allergisierenden Pollen wird die Überempfindlichkeit immer stärker und lässt erst im mittleren Alter wieder nach. Interessant ist, dass der Heuschnupfen bei ausgesprochenen Naturvölkern kaum vorkommt, während es bei den anderen Völkern, häufiger ist und mehr und mehr zuzunehmen scheint. Mindestens ein bis zwei Prozent der Gesamtbevölkerung sind davon befallen, wobei die Stadtbevölkerung erheblich stärker beteiligt ist als der Landbewohner.

Die starke Verbreitung und die vermutlich ständige Zunahme allergischer Erkrankungen des Menschen im allgemeinen und des Heuschnupfens im besonderen erklären sich hauptsächlich daraus, dass die nervlichen und mit der Lebensweise des einzelnen zusammenhängenden Belastungen, die zur Zeit jeweils vorhandene biologische Reaktionsfähigkeit des Organismus bei vielen Menschen überfordern. Das führt zu Neurosen und damit zu Funktionsschwächen, die erst zusammen mit Antigen-Antikörper-Reaktion zur Basis für allergische Krankheitserscheinungen werden können.

In Deutschland sind es vorwiegend Gräserpollen, die die Beschwerden auslösen. Besonders oft besteht die Überempfindlichkeit gegen weißes Straußgras, Roggen, Goldhafer, Wiesen-Schwingel, Wiesen-Kammgras, Rot-Schwingel, Wiesenfuchsschwanz, Rispengras, Raygras, Schafschwingel und manche andere. Aber auch die Blüten der Linde und anderer Bäume können derartige allergische Reaktionen an den Schleimhäuten auslösen. Am einfachsten wäre es, man würde von solchen Menschen jegliche Pollen fernhalten, denn schon kleinste Pollenmengen können Reize auslösen. Aber die Gräserpollen fliegen sehr weit und sehr hoch; sie finden sich auch in großen Höhen und selbst auf dem Meer noch in relativ großer Entfernung vom Land.

Komplikationen

Normalerweise wird der Heuschnupfen nicht zu den ernsten Erkrankungen gerechnet. In manchen Fällen sind jedoch gravierende Komplikationen möglich. Zu den typischen Folgeerscheinungen des Heuschnupfens zählen deutliche Beeinträchtigungen der Lebensqualität. So rufen ausgeprägte Symptome nicht selten Fehlzeiten in der Schule oder am Arbeitsplatz hervor.

Nicht selten leiden die betroffenen Personen zudem unter Schlafstörungen, die wiederum negative Auswirkungen auf ihre Produktivität und Lebensqualität haben. Ohne eine Behandlung verschlimmert sich die allergische Rhinitis mit der Zeit immer mehr.

Wird ein Heuschnupfen nicht fachgerecht behandelt, drohen Komplikationen wie eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Diese tritt normalerweise bei herkömmlichen Erkältungen auf. Das Risiko, eine Sinusitis zu erleiden, vergrößert sich durch die allergische Rhinitis jedoch. Bemerkbar macht sich die Nasennebenhöhlenentzündung durch eine Verstopfung der Nase, grünes Sekret, Kopfschmerzen, Schmerzen im Gesicht und Fieber. Manchmal tritt in der Nase zudem unangenehmer Eitergeruch auf.

Zu den häufigsten Folgeerkrankungen des Heuschnupfens zählt das allergische Asthma, das bei circa 40 Prozent aller Patienten auftritt. Asthmaanfälle gelten als überaus unangenehm. Im Extremfall können sie sogar lebensgefährliche Ausmaße annehmen.

Ebenfalls bedrohlich ist das Auftreten einer Kreuzallergie. So birgt diese das Risiko eines anaphylaktischen Schocks in sich. Dabei leiden die Patienten unter intensivem Hautausschlag, Juckreiz und Atembeschwerden, die sich rasch verschlimmern. Besonders gefährliche Auswirkungen sind ein Atemstillstand oder Herzstillstand.

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Behandlung & Vorbeugung

Darin liegt auch die Hauptschwierigkeit sowohl für die Behandlung als auch für die Prophylaxe. Trotzdem aber kann man sagen, dass sich die Beschwerden meist auf ein erträgliches Maß herabmindern lassen. Einmal kann man versuchen, die allgemeine Überempfindlichkeit zu dämpfen, zum anderen lässt sich eine Herabsetzung der Reizbarkeit gegen bestimmte Allergene erreichen, die man jedochs erst durch Testungen herausfinden muss. Der Heuschnupfen selbst ist nicht erblich, wohl aber spielt bei seinem Entstehen in gewissem Sinne die Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen eine Rolle. Meist handelt es sich um Menschen, deren Nervensystem relativ labil ist und die von Natur aus im ganzen zart und sensibel sind.

Deshalb erfordert die Behandlung verschiedene Maßnahmen. Zwei bis drei Monate vor der Gräserblüte, etwa Ende Februar oder Anfang März, müssen die Patienten in schwereren Fällen mit den auf sie allergisierend wirkenden Pollenextrakten, die vorher ausgetestet sein müssen, desensibilisiert, das heißt unempfindlich gemacht, werden. Diese Behandlungsmethode besteht in einer Injektionskur mit steigenden Antigenmengen. Doch ist es meist nicht mit einer Einjahreskur getan; diese Maßnahmen müssen vielmehr mehrere Jahre hintereinander vorgenommen werden. Das hat aber nur für jene Sinn, deren Beschwerden ausschließlich saisongebunden, also zur Gräser- und Getreideblüte auftreten. Darüber hinaus entwickeln sich aber oft noch Überempfindlichkeiten gegen andere artfremde Eiweißstoffe, wie beispielsweise Hausstaub, Tierhaare oder bestimmte Nahrungsmittel, die das ganze Jahr über einwirken.

In solchen Fällen kann die Behandlung durch eine für den einzelnen Kranken individuell hergestellte Autovaccine unterstützt werden. Die Entzündung an den Schleimhäuten in Form von Schwellung und vermehrter Sekretion spricht auf entzündungshemmende Medikamente, insbesondere auf Nebennierenrindenpräparate, meist recht gut, oft sogar überraschend gut an. Da bei einer allergischen Gewebsreaktion eine vermehrte Histaminbildung vorliegt, können Antihistaminpräparate oft von günstiger Wirkung sein. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn man sie als Nasentropfen benutzt, denn ihre längere Anwendung kann zu bleibenden Schäden an der Schleimhaut führen.

Es gibt heute noch kein Mittel, mit dem wir den Heuschnupfen restlos verhindern oder vollends heilen könnten. Alle erwähnten Maßnahmen können aber, wenn sie zeitrichtig und sinnvoll angewandt sowie zweckmäßig kombiniert werden, Erfolg bringen, wenngleich die Behandlung auch oftmals nur zunächst eine Linderung der Beschwerden herbeizuführen vermag und jährlich wiederholt werden muss. Dabei ist naturgemäß auch die allgemeine Lebensweise von Einfluss: Mäßige, gesunde Ernährung, allgemeine Abhärtung und ein geringeres Maß nervlicher Belastungen können sehr viel dazu beitragen, den Gesundheitszustand der Betreffenden zu verbessern. Bei starken Beschwerden sollte auch der Jahresurlaub mit als Heilfaktor dienen. Deshalb sollten Heuschnupfenkranke, ins Gebirge oder dorthin fahren, wo noch keine Gräserblüte ist, um wenigstens einen Teil der Gefahrenzeit ohne größere Beschwerden zu verbringen.

Wenn auch der Heuschnupfen bis heute noch nicht zu verhüten ist, so können seine Beschwerden doch - wie wir gesehen haben - auf ein erträgliches Maß herabgemindert, ja in manchen Fällen überraschend gut beeinflusst werden. Dazu aber bedarf es einerseits vielfältigen ärztlichen Bemühens, das sich auf die sinnvolle Kombination verschiedenster Behandlungsprinzipien erstrecken muss, und andererseits ganz besonders der Geduld und Ausdauer des einzelnen Patienten.

Bücher über Heuschnupfen

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001

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