Urosepsis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Eine Urosepsis ist eine systemische Entzündungsreaktion des gesamten Organismus infolge einer von den Harnwegen ausgehenden bakteriellen Infektion. Mit einer Inzidenz von 3 von 1000 führt eine Urosepsis zu einer schweren septischen Erkrankung, die mit einer Mortalität von 50 bis 70 Prozent im höchsten Maße lebensbedrohlich ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Urosepsis?

Als Urosepsis wird eine systemische Entzündungsreaktion des Organismus bezeichnet, die von einer Infektion der ableitenden Harnwege ausgeht und in aller Regel auf eine Harnabflussbehinderung zurückzuführen ist.

Infolge einer Besiedelung der Blutbahnen durch bakterielle Erreger des Urogenitaltraktes gelangen die Krankheitskeime in das Blutsystem des Betroffenen und lösen die für eine Urosepsis charakteristischen Symptome aus.

Erste Anzeichen einer Urosepsis sind Fieber, Schüttelfrost, allgemeines Krankheitsgefühl sowie Schmerzen. Daneben sind Tachykardie (Herzrasen), Tachypnoe (erhöhte Atemfrequenz), Hypotonie (erniedrigter Blutdruck), Zyanose (livide Hautverfärbung) und Oligurie (verminderte Harnproduktion) charakteristische Symptome einer Urosepsis. Zudem kann es im fortgeschrittenen Stadium einer Urosepsis zu zunehmenden Bewusstseinseintrübungen des Betroffenen kommen.

Ursachen

Eine Urosepsis ist auf eine bakterielle Infektion mit Toxinen (Giftstoffen) bildenden Erregern des Urogenitaltraktes wie Escherichia coli (über 50 Prozent), Klebsiella, Enterobacter oder Proteus zurückzuführen.

Hierbei dringen die bakteriellen Erreger aus den harnableitenden Wegen in die Blutbahn und bedingen eine Sepsis („Blutvergiftung“). Die von den Bakterien gebildeten Toxine bzw. abgestorbene Bakterien verursachen Schädigungen des Endothels (Gefäßhaut) sowie eine systemische Entzündungsreaktion des gesamten Organismus.

Begünstigende Faktoren für diesen Prozess stellen insbesondere Harnabflussstörungen (Prostatahyperplasie, Harnleiterstenose, Harnleiterstein, angeborene Strikturen) dar, infolge derer ein Rückstau entsteht, der ein Übertreten der Erreger in die Blutbahn erleichtert.

Medikamentöse Therapien mit Immunsuppressiva (u.a. Chemotherapie), Diabetes mellitus, maligne Tumoren (Harnleitertumor), Leberzirrhose sowie Nieren- oder Prostataabszesse, Nierenbeckenentzündung und eine verschleppte Erregerinvasion nach endoskopischen Engriffen sind weitere Faktoren, die eine Urosepsis fördern können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Urosepsis wird anhand der charakteristischen Symptome diagnostiziert. Zudem stehen die Feststellung der Ursache und die Herdidentifikation im Mittelpunkt der Diagnose.

So kann beispielsweise eine Harnstauung oder ein [Nierenabszess]] anhand einer Ultraschalluntersuchung nachgewiesen werden. Im Rahmen einer Blutanalyse kann eine Leukozytose (erhöhte Leukozytenzahl) bzw. im späteren Verlauf eine Leukozytopenie (geringe Leukozytenzahl) sowie eine Thrombozytopenie (geringe Thrombozytenzahl), die zu ausgeprägten Gerinnungsstörungen führt, nachgewiesen werden.

Liegt ein erhöhter Procalcitonin-Wert (über 10 ng/ml), der als Sepsismarker fungiert, vor, gilt die Diagnose als gesichert. Über eine Blutkultur kann der spezifische Erreger bestimmt werden. Die Vitalparameter (Puls, Atemfrequenz, Harnausscheidung, Blutdruck, Vigilanz) sind bedeutende Indikatoren für die Prognose und Einleitung intensivmedizinischer Maßnahmen.

Die Prognose und Verlauf einer Urosepsis hängen bedeutend vom Zeitpunkt der Diagnose und des Therapiebeginns ab. Untherapiert führt eine Urosepsis zu einem septischen Schock, der mit Multiorganversagen einhergeht und mit hoher Wahrscheinlichkeit (50 bis 70 Prozent) zum Tod führt.

Komplikationen

Die Urosepsis kann im Verlauf verschiedene gesundheitliche Probleme hervorrufen. Eine typische Komplikation der akuten Bakterieninfektion ist das Versagen von Organfunktionen. Zunächst ruft die Urosepsis allerdings weniger schwerwiegende Komplikationen hervor.

Die Betroffenen leiden beispielsweise unter Fieber und Herz-Kreislauf-Beschwerden, die bei fehlender Behandlung zu Kreislaufkollaps, Herzversagen und anderen Komplikationen führen können. Durch den Flüssigkeitsverlust kann es zu Dehydration und in der Folge zu Bewusstseinsstörungen und schließlich zur Austrocknung kommen. Schreitet die Urosepsis weiter voran, kann es zu einer kompletten Blutvergiftung kommen.

Dann verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Betroffenen rasch und es kommt zu Multiorganversagen, septischen Absiedelungen im Gehirn und anderen, lebensbedrohlichen Komplikationen. Bei der Behandlung einer Urosepsis können ebenfalls Komplikationen auftreten. Werden Patienten Antibiotika verordnet, besteht immer das Risiko von Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Hautirritationen.

Bei einer Überdosierung oder einer länger andauernden Einnahme kann das Arzneimittel bleibende Organschäden hervorrufen. Etwaige Vorerkrankungen oder begleitend eingenommene Medikamente können zu Wechselwirkungen führen. Wird ein Katheter oder eine Harnleiterschiene gesetzt, kann dies Entzündungen und größeren Infektionen begünstigen. Auch Verletzungen der umliegenden Gewebestrukturen sind möglich.

Behandlung & Therapie

Eine Urosepsis wird in aller Regel zum einen ursächlich und zum anderen im Rahmen einer Antibiotika-Therapie behandelt. In Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Erkrankungsursache sind hierzu gegebenenfalls Operationen im Bereich des Urogenitaltrakts erforderlich. Liegt beispielsweise ein Harnstau vor, kann dieser durch eine retrograde Harnleiterschienung, innerhalb derer ein dünner Katheter zur Drainage des Urins aus dem Nierenbecken in den betroffenen Harnleiter geführt wird, behoben werden.

Zudem kann, wenn keine Gerinnungsstörungen vorliegen, eine perkutane Nephrostomie (Nierenfistel) zur Beseitigung der Obstruktion zum Einsatz kommen. Hierzu wird der im Nierenbecken gestaute Harn über einen kleinen Schlauch nach außen abgeleitet. Geht die Urosepsis mit Abszessen einher, die bei Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), Prostatitis (Entzündung der Prostata) oder Epididymitis (Nebenhodenentzündung) vorliegen können, werden diese ebenfalls zur Entlastung über eine Punktion oder Miniinzision drainiert.

Noch vor der Auswertung der Erregerkultur wird eine kalkulierte Antibiotika-Therapie (Cephalosporine, Aminoglykosid, Fluorchinolone, Carbapeneme, Acylaminopencilline) begonnen, die anschließend an das Antibiogramm (Resistenzenbestimmung) bzw. die spezifisch vorliegenden Erreger angepasst wird.

Zusätzlich sollte der Kreislauf durch hyperkolloidale Infusionen (Plasmaexpander), die dem Volumenverlust entgegenwirken, stabilisiert werden. Eine Infusionstherapie kompensiert zudem den Flüssigkeitshaushalt und fördert die Harnausscheidung. Eine Entgleisung des Säure-Basen-Haushalts kann mit Hilfe von Hydrogencarbonaten ausgeglichen werden.

Kann keine Verbesserung der Symptome festgestellt werden, sind gegebenenfalls intensivmedizinische Maßnahmen zur Therapie der Urosepsis sowie bei Organversagen Beatmung und Hämofiltration (Nierenersatztherapie) erforderlich.

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Vorbeugung

Einer Urosepsis kann durch eine frühzeitige Diagnose und einen rechtzeitigen Therapiebeginn sowie eine konsequente Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung vorgebeugt werden.

Bücher über geringes Wasserlassen (Oligurie)

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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