Urolithiasis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Als Urolithiasis wird ein Harnsteinleiden bezeichnet. Dabei kommt es in den Harnwegen zur Entstehung von Urolithen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Urolithiasis?

Urolithiasis ist die medizinische Bezeichnung für das Vorhandensein von Harnsteinen (Urolithen) innerhalb der harnableitenden Wege wie Harnblase und Harnleiter oder dem Nierenbecken. Unter Harnsteinen werden krankhafte Gebilde verstanden, die sich aus unterschiedlichen Kristallen zusammensetzen. In der Regel werden die Harnsteine aus Calciumoxalat gebildet und kommen in den Nieren zustande.

Lagern sie sich dort ab, ist von Nierensteinen die Rede. Es besteht aber auch die Möglichkeit einer Ablagerung der Steine in die Harnwege sowie die Harnblase. Ärzte sprechen dann von Harnsteinen oder Blasensteinen. In der Harnröhre lagern sich die Steine dagegen nur selten ab.

Je nachdem, aus welchen Salzarten sich ein Harnstein zusammensetzt, wird bei einer Urolithiasis zwischen Kalziumoxalatsteinen, aus denen rund 75 Prozent der Harnsteine bestehen, Struvitsteinen (circa zehn Prozent), Kalziumphosphatsteinen (etwa fünf Prozent), Uratsteinen aus Harnsäure (circa fünf Prozent) sowie seltenen Xanthinsteinen und Zystinsteinen unterschieden.

Die Art der Harnsteine spielt eine wichtige Rolle bei der Ermittlung der Krankheitsursache sowie für Diagnostik und Therapie. Allein in Deutschland leiden rund sechs Prozent aller Menschen unter einer Urolithiasis. Dabei erkranken Männer doppelt so häufig wie Frauen. Besonders betroffen sind Senioren sowie übergewichtige Menschen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Urolithiasis sind verschieden. Meist spielen dabei mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle. Zur Bildung von Harnsteinen kommt es, wenn mit dem Urin verstärkt Stoffe ausgeschieden werden, die eine Entstehung der Urolithiasis fördern. Dabei handelt es sich um lithogene Substanzen wie Oxalsäure, Kalzium und Phosphate. Außerdem werden weniger Stoffe ausgeschieden, die der Harnsteinbildung entgegenwirken.

Dies sind vor allem Zitrat und Magnesium. Ferner liegt der kritische Urin-pH-Wert zwischen 5,5 und 7,0. Schließlich kommt es zur Ausscheidung von zu konzentriertem Urin. Die Faktoren gelten als typisch für eine Urolithiasis. Sie gehen oft mit einer Osteoporose (Knochenschwund), einer Überfunktion der Schilddrüse sowie einer Vitamin-D-Überdosierung einher.

Als weitere mögliche Risikofaktoren für die Entstehung einer Urolithiasis kommen Harnwegsinfektionen, der Anstau von Urin aufgrund von anatomischen Abflussstörungen oder neurogenen Harnblasenentleerungsstörungen sowie Bewegungsmangel infrage. Ebenfalls eine Rolle kann eine zu ausgeprägte eiweißreiche Ernährung spielen.

So wird gerade in Deutschland eine Ernährung mit oxalsäurehaltigen Nahrungsmitteln sowie der Verzehr von tierischen Fetten als förderlich für eine Harnsteinbildung eingestuft. Zu den Lebensmitteln, in denen Oxalsäure vorkommt, zählen Kaffee, Kakao, Spinat, Rote Beete und Rhabarber. Die steinbildenden Stoffe wie Oxalat lassen sich nur bis zu einer bestimmten Menge im Urin lösen und aus dem Organismus befördern.

Wird diese Menge durch die Nahrung überschritten, besteht die Gefahr einer Ausfällung der steinbildenden Substanzen. Als zusätzliche Risiken für eine Urolithiasis gelten eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme sowie Diäten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Urolithiasis ruft zunächst keine Beschwerden hervor. Diese entstehen erst, wenn die Harnwege durch die Harnsteine verlegt werden. Dann zeigen sich unterschiedliche Symptome. Als charakteristisch für eine Urolithiasis gilt eine Stakkatomiktion. Dabei bricht der Urinstrahl während des Wasserlassens mehrmals ab. Durch den beweglichen Harnstein wird der Blasenausgang wiederholt verschlossen, wodurch wiederum das kontinuierliche Wasserlassen unterbrochen wird.

Des Weiteren können bei einer Urolithiasis kleine Urinmengen, das Gefühl von Fremdkörpern, ständiger Harndrang, Blut im Urin, Blasenkrämpfe mit kolikartigen Schmerzen sowie Schmerzen beim Urinieren auftreten. Bei Männern strahlen die Beschwerden oft bis in die Penisspitze aus.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Führt die Urolithiasis den Patienten zum Arzt, erkundigt sich dieser zunächst nach den Schmerzen, bei welchen Gelegenheiten sie auftreten und ob der Patient schon einmal mit Harnsteinen zu tun hatte. Im Anschluss an die Befragung findet eine körperliche Untersuchung statt. Außerdem werden Urin und Blut kontrolliert.

Als hilfreich gelten zudem einige bildgebende Verfahren. Zur Ermittlung der Position sowie der Größe der Harnsteine kommen eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) sowie eine Röntgenuntersuchung zur Anwendung. Außerdem können die Röntgenaufnahmen Hinweise auf die chemische Zusammensetzung der Steine liefern.

Eine weitere sinnvolle Diagnosemethode stellt die Blasenspiegelung mit einem Endoskop dar. Kleinere Blasensteine lassen sich dabei oftmals sogar schon entfernen. Der Verlauf einer Urolithiasis ist meist positiv. So gehen rund 75 Prozent aller Harnsteine bei einer konservativen Behandlung von selbst ab. Rund 50 Prozent aller Patienten leiden allerdings unter einer Neubildung von Harnsteinen.

Komplikationen

Eine Urolithiasis kann einen Harnstau verursachen, der unter anderem Entzündungen und ein Ungleichgewicht von Säure-Base-Haushalt und Elektrolythaushalt hervorruft. Bei fehlender Behandlung kann die Stauung des Harns eine Niereninfektion oder sogar eine Blutvergiftung nach sich ziehen. Begleitend dazu treten starke Schmerzen auf, die den Betroffenen ans Bett fesseln und die Lebensqualität massiv einschränken.

Ein plötzlicher Harnstau kann eine Fornixruptur hervorrufen, bei welcher der Nierenkelch einrisst und Urin nach außen dringt. Drückt ein Harnstein auf einen Kelchhals, kann dies zu einem Nierenabszess führen. Bei einem schweren Verlauf kommt es zu einem vollständigen oder teilweisen Versagen der Nierenfunktion.

Bei der operativen Behandlung einer Urolithiasis treten gelegentlich kleine Blutungen und Blutergüsse auf. Auch Entzündungen sind möglich. Die Zertrümmerung der Harnsteine kann eine Bakterieninfektion zur Folge haben. Manchmal setzt sich ein Bruchstück oder ein ganzer Stein in den Harnleitern fest und ruft einen erneuten Harnstau sowie schmerzhafte Koliken hervor.

Daneben können allergische Reaktionen auftreten. Patienten, die an einer Vorerkrankung leiden oder unter Medikation stehen, haben ein erhöhtes Risiko für Wechselwirkungen und Spätfolgen durch verordnete Schmerz- und Beruhigungsmittel.

Behandlung & Therapie

Oftmals ist keine besondere Behandlung einer Urolithiasis erforderlich. Vor allem kleine Harnsteine werden mit dem Urin wieder aus dem Körper ausgeschieden. Dieser Prozess lässt sich durch das Verabreichen von bestimmten Medikamenten wie Alpharezeptorenblocker fördern.

Darüber hinaus muss der Patient reichlich Flüssigkeit aufnehmen. Rufen die Harnsteine bei ihrer Wanderung durch Harnwege Schmerzen oder Krämpfe hervor, lassen sich schmerzstillende Arzneimittel wie Diclofenac oder Pethidin einnehmen. Fällt der Blasenstein zu groß aus, um ausgeschieden zu werden, kann eine Blasenspiegelung zu seiner Entfernung sinnvoll sein, die unter lokaler Betäubung erfolgt.

In den meisten Fällen findet das Entfernen von Harnsteinen allerdings durch eine extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) statt. Durch die Stoßwellen werden die Harnsteine zerstört, deren Überreste sich anschließend mit dem Urin ausscheiden lassen. Einer Operation zur Entfernung der Steine bedarf es nur selten.

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Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Urolithiasis kommt, sollte viel getrunken und auf genügend Bewegung geachtet werden. Wichtig ist zudem, nicht zu viele Lebensmittel zu verzehren, die oxalsäure- oder purinreich sind.

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Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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