Urlaub für Demenzkranke-so geht's

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 3. Januar 2017Geprüfte Qualität
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Eine Reise mit einem an Demenz erkrankten Menschen ist kein einfaches Unterfangen. Allein der Ortswechsel setzt einen Demenzpatienten unter Stress. Neue Eindrücke, die fremde Umgebung und unbekannte Gesichter verwirren und verunsichern. Ein erholsamer Urlaub als Demenzkranker ist dennoch möglich. Spezielle Reiseangebote helfen, um Demenzpatienten, aber auch ihren pflegenden Angehörigen eine wertvolle Ruhepause vom Alltag zu ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis

Eine Auszeit tut gut

Gerade die Angehörigen von Demenzerkrankten tragen eine hohe Last. Meist sind sie es, die mit der Betreuung und Pflege der Patienten betraut sind. Etwa 70 Prozent der Erkrankten leben laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft im familiären Umfeld. Wird der demente Partner daheim von der Ehefrau versorgt oder die an Alzheimer erkrankte Mutter von der Tochter gepflegt, stellt das die Angehörigen vor eine etliche Herausforderungen.

Je nachdem, wie weit die Symptomatik fortgeschritten ist, benötigt der Patient eine entsprechende Betreuung. Im Endstadium kann das eine 24-Stunden Pflege bedeuten. Schon zu Beginn führt die Erkrankung zu Belastungen des Zusammenlebens. Ein liebevoller Umgang mit dem immer vergesslicher werdenden Angehörigen strapaziert die Geduld, Gespräche wiederholen sich, manchmal im Minutentakt.

Unvorhergesehenes kann verärgern, was bei manchen Patienten in Aggressivität mündet. Die Angehörigen leiden unter dem Druck, permanent anwesend sein zu müssen. Der innerfamiliäre Fokus richtet sich zunehmend nach den Bedürfnissen der Erkrankten, so dass pflegende Angehörigen schnell auf der Strecke bleiben können. Daher ist ein Urlaub mit Demenzkranken Patienten ein durchaus sinnvolle Abwechslung zum Alltag.

Entspannter Urlaub für Erkrankte & Angehörige

Daher sind die Urlaubsangebote, die inzwischen für Demenzpatienten und ihre Angehörigen existieren, für beide Parteien konzipiert. Nicht nur der Patient soll vom Erholungseffekt profitieren, auch die Begleitperson soll in dieser Auszeit genügend Kraft tanken können. Um dies zu gewährleisten, steht der geschützte Rahmen der Demenzpatienten an erster Stelle.

Nur wer seinen Partner oder ein Elternteil zuverlässig aufgehoben weiß, kann guten Gewissens eigene Unternehmungen planen. Während die Patienten von erfahrenem Personal betreut werden, können die Angehörigen an organisierten Ausflügen teilnehmen oder die Zeit für sich allein nutzen. Manche Veranstalter bieten zusätzliche Fortbildungen und Vorträge an, in denen Angehörigen über das Krankheitsbild an sich, sowie Hilfsangebote durch Pflegedienste und Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung aufgeklärt werden.

Der Austausch mit anderen Betroffenen gehört ebenfalls zum Konzept. Dabei stellen Angehörige fest, dass sie mit ihren Sorgen und Nöten nicht allein sind und sie können neue Strategien für den täglichen Umgang mit der Krankheit erlernen.

Urlaubs nach individuellen Wünschen

Das Angebot für die Patienten beinhaltet Bewegung, kreatives Gestalten, sowie mentale Forderung in Form von Musik- und Kunsttherapie, Tanz, Gedächtnistraining oder Gymnastik. Durch das Malen oder Tanzen entdecken die Erkrankten neue Varianten des Ausdrucks, was bei zunehmendem Sprachverlust ein bestärkender Moment sein kann. Beim gemeinsamen Singen treten verschüttete Erinnerungen hervor. Ein Erfolgserlebnis beim Spiel mit Worten oder beim Memory beschert einen Augenblick der Freude.

Der Aufenthalt in den eigens hierfür ausgewählten Hotels ist geprägt von klaren Strukturen. Ein fester Tagesablauf sorgt für den für Demenzpatienten so wichtigen Halt. Kleine, überschaubare Häuser mit gut erkennbaren Orientierungshilfen erleichtern das Zurechtfinden. Um die besonderen Bedürfnisse der Gäste zu berücksichtigen, sind Barrierefreiheit, spezielle Angebote bei der Ernährung und eine medizinische Anbindung notwendig.

Das Personal weiß um die Eigenarten seiner Gäste und wird sich nicht wundern, wenn an der Rezeption immer wieder um den Zimmerschlüssel gebeten wird, obwohl der Gast diesen in seiner Tasche trägt - ebenso wenig wird man sich fragen, warum ein Besucher mit seinem Rollator unermüdlich über den Gang fährt.

Mittlerweile existieren Angebote in ganz Deutschland, bevorzugt in den Urlaubsregionen an Nord – und Ostsee, der Lüneburger Heide, in der Rhön oder im Schwarzwald. Im Ausland kann man Aufenthalte in Österreich, Italien und sogar in Griechenland und Thailand buchen. Bei der Auswahl sollten unterschiedliche Faktoren mit einbezogen werden: Gibt es eine Region, die gerne bereist wurde und zu der positive Erinnerungen bestehen?

Sollte eher ein kurzer Reiseweg gewählt werden oder traut man dem Patienten sogar eine längere Flugreise zu? Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung vor Ort aus? Passen die Kurse zu den Vorlieben des Betroffenen? Und zu guter Letzt: Wo würde sich der Angehörige wohlfühlen und könnte sich erholsame Tage vorstellen?

Finanzielle Unterstützung vom Staat

Ob es acht Tage Fränkische Schweiz, zwei Wochen Ostsee oder drei Wochen Griechenland werden, hängt auch vom Geldbeutel ab. Allein tragen muss man die Kosten für eine solche Reise nicht: Mittels der sogenannten Verhinderungspflege, die die Betreuung des Patienten während des Urlaubs der Pflegkraft garantieren soll, kann ein Zuschuss von maximal 1.612 € pro Kalenderjahr über die Pflegeversicherung beantragt werden.

Die Dauer der Inanspruchnahme ist begrenzt auf maximal 42 Kalendertage. Voraussetzung dafür ist, dass der Demenzpatient bereits Pflegegeld erhält und seit mindestens sechs Monaten im häuslichen Umfeld versorgt wurde. Um diese und mögliche weitere finanziellen Hilfen auszuschöpfen, bieten Veranstalter von Reisen mit Demenzpatienten entsprechende Informationsgespräche und Mitarbeit bei der Antragsstellung an.

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Auch Demenzkranke brauchen einen Tapetenwechsel

Ein Urlaub mit einem Demenzpatienten kann also, sofern er gut geplant und durchdacht ist, eine harmonische und erholsame Pause für beide darstellen. Dem Patienten beschert er besondere Augenblicke, die im häuslichen Umfeld nur schwer zu generieren wären. Den Angehörigen entlässt er, gestärkt durch die Auszeit, mit neuen Impulsen in seinen Pflegealltag.

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