Urgeinkontinenz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2017
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Manche Menschen leiden unter einem quälenden, überfallartigen Harndrang, der sie zwingt, schnell eine Toilette aufzusuchen. Manchmal kann es dabei zu einer Urgeinkontinenz kommen, einem unwillkürlichem Harnabgang.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Urgeinkontinenz?

Als Urgeinkontinenz oder Dranginkontinenz wird in der Medizin ein abrupt einsetzender, kaum zu beherrschender Harndrang bezeichnet, der von unwillkürlichem Harnabgang begleitet sein kann. Diese Form der Inkontinenz wird durch eine empfindliche, überaktive Blase ausgelöst. Es gibt im Wesentlichen zwei Formen der Dranginkontinenz:

  • Bei der sensorischen Dranginkontinenz reagiert die Blase bereits bei geringem Füllstand mit Harndrang.
  • Bei der motorischen Dranginkontinenz liegt eine Störung der für die Blasenentleerung zuständigen Nerven vor, die dazu führt, dass sich der Blasenschließmuskel krampfartig zusammenzieht.

In beiden Fällen handelt es sich nicht um eine Störung des Schließmuskels, sondern um eine Fehlsteuerung des Blasenmuskels, bei der schon ein geringer Blasenfüllstand einen extremen Blasendruck auslöst.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen gehören Entzündungen der unteren Harnwege, besonders bei der sensorischen Dranginkontinenz. Sie kann durch häufige Blasenentzündungen oder Blasensteine verursacht werden. Die Sensoren, die den Füllstand der Blase ans Gehirn weiterleiten, reagieren empfindlich. Das Gehirn reagiert mit reflexartigem Zusammenziehen der Blasenmuskulatur. Wenn die Blase nicht richtig gefüllt ist, kommt es dadurch zur häufigen Ausscheidung kleiner Urinmengen.

Bei der motorischen Dranginkontinenz funktionieren die Signale zwischen Blase und Gehirn nicht richtig. Es kommt zu einem nicht steuerbaren Urinabgang, wenn sich der für die Blasenentleerung zuständige Muskel zusammenzieht und der Druck in der Blase steigt. Betroffene spüren den starken Drang, schnell eine Toilette aufsuchen zu müssen.

Auch neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, multipler Sklerose, Diabetes, Parkinson und Alzheimer können zu einer Urgeinkontinenz führen. Manchmal reicht schon eine Tasse Kaffee oder andere Getränke, um Harndrang auszulösen. In den Wechseljahren kann es auch an einer Beckenbodenschwäche liegen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Hauptsymptom einer Dranginkontinenz ist ein plötzlich einsetzender, quälender Harndrang, der meistens nicht zu unterdrücken ist. Der Drang kann so intensiv sein, dass es Betroffene manchmal nicht mehr schaffen, rechtzeitig eine Toilette zu erreichen. Es kann zu einem unwillkürlichen Urinabgang kommen, darüber hinaus kann aber auch zu kürzeren Intervallen der Blasenentleerung.

Wer unter einer Urgeinkontinenz leidet, ist e ständig auf der Suche nach der nächsten Toilette. Betroffene müssen in der Regel mehr als acht Mal am Tag Wasser lassen, meistens auch in der Nacht. Bei Aufregung oder psychischen Belastungen nimmt der Druck noch zu. Auch Kälte kann den Harndrang begünstigen oder ein Geräusch von Wasser. Ein Östrogenmangel, wie er in den Wechseljahren auftritt, verstärkt die Symptome noch.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Beim Arzt erfolgt zunächst eine ausführliche Anamnese über die Beschwerden, ob es zu unfreiwilligem Urinverlust kommt. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei Frauen meistens eine gynäkologische, ob eine Senkung der Gebärmutter oder Scheide vorliegt, ein Östrogenmangel vorhanden ist und wie der Beckenboden beschaffen ist. Um eine Blasenentzündung auszuschließen, wird der Urin untersucht.

In der Regel wird auch eine Blasenspiegelung durchgeführt, um Blasentumore, Blasensteine oder eine vergrößerte Prostata festzustellen. Über eine Ultraschalluntersuchung lassen sich das Füllungvermögen und der Füllungsgrad der Blase einschätzen. Mit einem speziellen Schallkopf kann von der Scheide aus die Blase und die Harnröhre untersucht werden, unter anderem ob Husten oder Pressen zu einer Veränderung der Lage führt.

Es können auch Veränderungen zwischen Ruhe- und Belastungsphasen aufgezeichnet werden. Sinnvoll ist eine Blasendruckmessung, um die Ursachen für unfreiwilligen Urinverlust herauszufinden. Aufgrund der guten technischen Möglichkeiten von Ultraschalluntersuchungen werden nur noch selten Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Eine wertvolle Ergänzung kann ein Miktionsprotokoll sein.

Komplikationen

Eine Urgeinkontinenz wirkt sich in der Regel sehr negativ auf den Alltag und auf das Leben des Betroffenen aus. Die Patienten leiden dabei an einem sehr häufigen Wasserlassen und können in vielen Situationen das Wasser in der Blase nicht mehr halten. Bei Kindern kann die Urgeinkontinenz auch zu Mobbing oder zu Hänseleien führen, sodass die Patienten auch an psychischen Beschwerden oder an Depressionen erkranken.

Weiterhin können diese Beschwerden auch bei Erwachsenen auftreten. Die Betroffenen fühlen sich damit unwohl und schämen sich in vielen Fällen für die Beschwerden der Urgeinkontinenz. Damit kann es auch zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder zu starken Minderwertigkeitskomplexen kommen. Sollte die Urgeinkontinenz nicht behandelt werden, so kann die Erkrankung weiterhin zu einer Harnvergiftung führen.

An dieser kann der Betroffene im schlimmsten Fall versterben. Auch die Nieren werden im Zuge der Erkrankung geschädigt, sodass es auch zu einer Niereninsuffizienz kommen kann. Dabei sind die Betroffenen dann auf eine Spenderniere oder auf die Dialyse angewiesen. Das Risiko für Prostatakrebs steigt durch die Erkrankung deutlich an.

Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache, verläuft allerdings ohne Komplikationen. Nicht in jedem Fall können die Beschwerden vollständig gelindert werden. Möglicherweise ist durch die Erkrankung auch die Lebenserwartung des Patienten eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Da die Urgeinkontinenz in den meisten Fällen nicht durch organische Probleme verursacht wird, ist die Behandlung in erster Linie auf eine Besserung der Beschwerden ausgerichtet. Zunächst soll ein gezieltes Blasentraining eine bessere Kontrolle über die Blase ermöglichen und die Abstände zwischen den Blasenentleerungen vergrößern.

Am besten wird ein Miktionstagebuch geführt, das Aufschluss darüber gibt, wann der Harndrang auftritt, wie schnell die Betroffenen ihm nachgeben, ob es zu unfreiwilligem Harnverlust kommt, wieviel getrunken wird. Bei einer Dranginkontinenz ist in den meisten Fällen auch ein gezieltes Beckenbodentraining sinnvoll, um die Muskulatur zu kräftigen. Ergänzend zum Blasentraining werden meistens Medikamente verordnet, die die Blasenmuskulatur entspannen und ermöglichen, wieder eine höhere Urinmenge zu speichern.

In den meisten Fällen werden Anticholinergika verabreicht. Sie können aber einen trockenen Mund, Magen-Darm-Probleme und eine trockene Haut verursachen. In leichteren Fällen können auch pflanzliche Mittel mit Kürbis die Reizung lindern. Nur bei Infektionen werden Antibiotika verordnet. Operative Verfahren sind bei einer Dranginkontinenz eher nicht angezeigt, weil der Verschlussapparat der Blase intakt ist. Eine Ausnahme bilden Blasensteine, weil sie entfernt werden müssen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung ist ein regelmäßiges Beckenbodentraining. Wer unter Übergewicht leidet, sollte es reduzieren, da die überschüssigen Kilos den Beckenboden belasten. Gut ist regelmäßige Bewegung. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung kann helfen, Verstopfungen zu vermeiden, die wiederum eine Belastung für den Beckenboden darstellen. Ausreichendes Trinken sorgt dafür, dass das Fassungsvermögen der Blase trainiert wird. Neben dem Blasentraining ist es sinnvoll, Entspannungsverfahren zu lernen.

Bücher über Inkontinenz

Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

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