Urämischer Pruritus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. August 2017
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Bei einem urämischen Pruritus handelt es sich um einen chronischen Juckreiz bei Dialysepatienten. Der genaue Entstehungsmechanismus ist noch nicht bekannt. Eine kurative Therapie ist nur durch eine Nierentransplantation möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein urämischer Pruritus?

Bei Dialysepatienten tritt sehr häufig ein chronischer Juckreiz auf, welcher auch als urämischer Pruritus bezeichnet wird. Der lateinische Begriff lautet Pruritus uraemicus. Es wird vermutet, dass ungefähr 50 bis 90 Prozent aller Dialysepatienten von einem Pruritus uraemicus betroffen sind. Dabei handelt es sich um keine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom.

Der Juckreiz ist schwer zu bekämpfen und führt zu Schlafstörungen und psychischen Beeinträchtigungen. Es wurde beobachtet, dass prozentual Hämodialysepatienten häufiger an Juckreiz leiden als Peritonealdialysepatienten. Trotzdem können beide Verfahren zu einem urämischen Pruritus führen. Die Hämodialyse findet außerhalb des Körpers statt.

Dabei wird das Blut aus dem Körper geleitet, über Membranen gereinigt und dann dem Körper wieder zugeführt. Die Peritonealdialyse läuft innerhalb des Körpers ab. Als Filtermembran fungiert hier das Bauchfell (Peritoneum). Bei diesem Verfahren wird eine Dialyselösung in den Bauchraum gefüllt, die mehrere Stunden dort verbleibt und über die biologische Membran (Bauchfell) harnpflichtige Substanzen aus dem Blut aufnimmt.

Nach einigen Stunden wird diese verbrauchte Lösung gegen frische Dialyselösung ausgetauscht. Dialysepatienten leiden neben dem urämischen Pruritus zu fast 100 Prozent noch an verschiedenen Hautkrankheiten. Auch diese Hauterkrankungen können zu quälendem Juckreiz führen. Allerdings ist der urämische Pruritus von anderen Formen des Juckreizes abzugrenzen. Es wurde festgestellt, dass diese besondere Form des Pruritus nur bei dialysepflichtigen Patienten auftritt.

Ursachen

Der Entstehungsmechanismus des urämischen Pruritus ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Es gibt einige Erklärungsversuche, die aber bisher noch nicht verifiziert werden konnten. Bei Nierenversagen trocknet die Haut häufig aus. Viele Patienten leiden auch an einer Anämie. Der Serumspiegel von Magnesium und Aluminium ist oft erhöht. Das Parathormon kann ebenfalls erhöht sein. Alle diese Faktoren rufen einen Juckreiz hervor.

Schließlich kann der Juckreiz auch durch Begleitkrankheiten der Niereninsuffizienz ausgelöst werden. Zu diesen Erkrankungen zählt Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion oder Hepatitis. In manchen Fällen können auch Arzneimittelunverträglichkeiten verantwortlich sein. Diskutiert wird auch eine verstärkte Freisetzung von Histamin als Ursache des Juckreizes. So ist bekannt, dass bei Niereninsuffizienz die Konzentration der Mastzellen in der Haut erhöht ist.

Mastzellen besitzen eine Funktion für das Immunsystem, indem sie Histamin freisetzen. So reizt Histamin die Nervenendigungen und ruft damit die Wahrnehmung von Juckreiz hervor. Des Weiteren ist bei einem chronischen Nierenversagen auch die Substanz P erhöht. Diese regt die Opioidrezeptoren an, was auch als Juckreiz empfunden werden kann. Beobachtet wird jedoch, dass sich dieser quälende Pruritus meist während oder nach der Dialyse entwickelt. Allerdings kann er auch zwischen den Dialysen auftreten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der urämische Pruritus ist keine eigenständige Erkrankung, sondern tritt nur im Rahmen einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz der Stadien 4 und 5 auf. Niereninsuffizienzen in den Stadien 1 bis 3 sind noch weitgehend symptomfrei. Neben quälendem hartnäckigen Juckreiz leiden die Patienten noch an den anderen typischen Symptomen einer Niereninsuffizienz der Stadien 4 und 5.

Dazu zählen Schmerzen in der Nierengegend, Braunfärbung des Urins, Nierensteine oder gar Nierenbeckenentzündungen. Weiterhin treten Übelkeit, Erbrechen, verminderte geistige Leistungsfähigkeit, Appetitlosigkeit, Wassereinlagerungen, Atemnot und vor allem Hautveränderungen auf. Die Hautveränderungen erscheinen in Form von Kratzspuren, offenen Wunden oder Narben und sind die Folge des Kratzens bei dem quälenden Juckreiz.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Juckreiz kann als urämischer Pruritus diagnostiziert werden, wenn er während, nach oder auch zwischen Dialysebehandlungen auftritt. Dabei dauert er in der Regel nur einige Minuten an und tritt regelmäßig auf. Die Diagnose "urämischer Pruritus" kann bereits bei dreimaligem Auftreten innerhalb von zwei Wochen gestellt werden. Bei der körperlichen Untersuchung zeigen sich Kratzspuren.

Behandlung & Therapie

Eine kurative Behandlung des urämischen Pruritus ist nur durch eine Nierentransplantation möglich. Bei dialysepflichtigem Nierenversagen gibt es keine anderen Heilungsmöglichkeiten. Allerdings existieren einige symptomatische Behandlungsoptionen, die eine Linderung des Juckreizes versprechen. So werden topische, physikalische, operative und systemische Behandlungen angeboten.

Bei der topischen Therapie kommen harnstoffhaltige Cremes zum Einsatz, um die Feuchthaltung der Haut zu gewährleisten. Des Weiteren müssen milde Seifen angewendet werden. Die physikalische Therapie wiederum stellt eine Fototherapie mit UV-B-Strahlung dar. Dabei lindert Bestrahlung den quälenden Juckreiz. Der Wirkmechanismus der Bestrahlung ist jedoch noch nicht aufgeklärt.

Wenn der urämische Pruritus durch eine Nebenschilddrüsenüberfunktion hervorgerufen wird, verspricht die chirurgische Entfernung der Nebenschilddrüsenkörperchen Besserung. Schließlich können systemische Behandlungen mit verschiedenen Arzneimitteln durchgeführt werden. Die Erfolgsaussichten sind aber unterschiedlich.

Vielfach sind die Behandlungsergebnisse auch nicht zufriedenstellend. Eine gewisse Wirksamkeit entfaltet Gamma-Linolensäure, da sie die Bildung von Lymphozyten und die Synthese von Lymphokinen hemmt. Dadurch werden Entzündungsreaktionen verhindert.

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Vorbeugung

Da der urämische Pruritus die Folge eines akuten oder chronischen Nierenversagens ist, muss zu dessen Vorbeugung das Augenmerk auf die Verhinderung von Nierenerkrankungen gelegt werden. Nierenschäden können unter anderem durch Bluthochdruck oder Diabetes entstehen.

Daher gehört zur Prophylaxe von Nierenversagen und urämischem Pruritus eine strenge Gewichtskontrolle, Reduzierung von Übergewicht, viel Bewegung, Einschränkung des Kochsalzkonsums, ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht auf Rauchen und Alkohol. Die Ernährung sollte kalorien- und fettarm sein. Gleichzeitig wird der Verzehr von viel Obst und Gemüse empfohlen.

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Quellen

  • Geberth, S., Nowack, R.: Praxis der Dialyse. Springer, Berlin 2014
  • Hörl, W.H., Wanner, C. (Hrsg.): Dialyseverfahren in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2004
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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