Unterkühlung (Erfrierungen)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
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Von einer Unterkühlung (Hypothermie) spricht man, wenn die normale Körpertemperatur von ca. 36-37 Grad Celsius über einen längeren Zeitraum (ab 30 Minuten) unterschritten ist. Dies kann z.B. nach langem Baden oder Schwimmen im Meer der Fall sein. Ein typisches Anzeichen sind dann blaue Lippen und Zittern. Von einer Erfrierung spricht man, wenn die Körpertemperatur in bestimmten Körperregionen (z.B. Finger oder Zehen) unter den Gefrierpunkt gefallen ist. Es kommt dann in der Folge zum Absterben der Zellen. Typisches Anzeichen sind zumeist bläulich bis schwarze Finger oder Fußzehen.

Inhaltsverzeichnis

Definition Unterkühlung (Erfrierungen)

Die Unterkühlung oder Hypothermie muss von Erfrierungen abgegrenzt werden. Bei einer Unterkühlung ist die körperliche Kerntemperatur herabgesetzt, bei einer Erfrierung kommt es zu einer Schädigung des Körpergewebes infolge von einer örtlichen Einwirkung von Kälte. Von einer Unterkühlung spricht man bei einem Absinken der Körpertemperatur auf unter 37 Grad Celsius.

Man unterscheidet zwei Formen der Unterkühlung: Bei der akzidentellen Unterkühlung kommt es zu einer sehr raschen Unterkühlung, etwa bei einem Einbruch in Eiswasser. In einem solchen Fall kann ein Mensch bei einer Wassertemperatur von 5 Grad Celsius maximal 60 Minuten überleben. Bei der subakuten akzidentellen Unterkühlung kommt es nur allmählich im Verlauf von Stunden zu einem Abfall der Körpertemperatur, zum Beispiel bei einer Verschüttung durch eine Schneelawine. Betroffene dieser Form der Unterkühlung werden müde, verfallen in Schlaf und werden bewusstlos. Bei einem weiteren Absinken der Körperkerntemperatur tritt der Tod ein.

Ursachen

Eine Unterkühlung oder Hypothermie sowie die häufig damit einhergehenden Erfrierungen resultieren in erster Linie aus einer besonders niedrigen Umgebungstemperatur, deren Wirkung durch Wind und Feuchte noch verstärkt werden können. Begünstigend auf eine Unterkühlung können unangemessene oder feuchte Kleidung und unzureichende Bewegung wirken, ebenso eine zu lange Aufenthaltszeit in kaltem Wasser, ein untrainierter Kreislauf, ein Mangel an Körperfettgewebe sowie ein schlechter körperlicher Allgemeinzustand.

Bei einer Unterkühlung produziert der menschliche Körper nicht nur mehr Wärme, sondern unterdrückt auch deren Abgabe. Weil die Körperextremitäten einen Großteil der Körperoberfläche einnehmen, kommt ihnen bei Unterkühlung eine besondere regulierende Funktion zu: durch die Kälte ziehen sich die dort liegenden Blutgefäße zusammen; die Zufuhr des Blutes wird somit gedrosselt, um vornehmlich der Torsobereich mit den inneren Organen zu versorgen und vor den Folgen der Unterkühlung zu schützen. Diese Kreislaufzentrierung ist im Falle einer Unterkühlung ein wirksames Mittel zum Eigenschutz des Organismus mit dem negativen Nebeneffekt einer vermehrten Anfälligkeit der Extremitäten für Erfrierungen.

Symptome

Die Erste Hilfe bei einer Unterkühlung ist der Wärmeerhalt, d. h. Patienten mit einer Wolldecke zudecken oder einwickeln. Eine Rettungsdecke nie direkt auf die Haut bringen, diese ist dann wegen fehlender Isolationswirkung nutzlos. Klicken, um zu vergrößern.

Die Symptone bei Unterkühlung bzw. Erfrierung sind nicht genau definierbar, da sie von der Intensität und dem Ausmaß der Unterkühlung abhängig sind.

Dennoch gelten auch allgemeine Anzeichen für eine Erfrierung oder Unterkühlung. Zittern, Frieren, Herzrasen, blaue Lippen und eine blasse Haut sind meist die ersten Symptone für eine beginnende Unterkühlung.

Im weiteren Verlauf sing der Puls ab, es kommt zu einem langsamen Puls und der Blutdruckt sinkt ebenso. Die Gesichtshaut- und Körperhaut wirkt blaugrau. Der Betroffene erscheint regungslos und teilnahmslos. In der kritischsten und letzten Phase kommt es dann zu starken Kreislaufproblemen, wie eine Körpertempertur unter 30 Grad Celsius, geringe Atmung, Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit. Am Ende erfolgt aufgrund von Atemstillstand oder Herz-Kreislauf-Stillstand der Tod durch Erfrieren.

Krankheitsverlauf

Bei einer Unterkühlung und damit einhergehenden Erfrierungen hängt der Verlauf von der Schwere der Kälteeinwirkung und der Behandlung ab. Eine günstige Prognose besteht, wenn die Unterkühlung zeitig und sachgemäß behandelt wird.

Bei rechtzeitiger Temperaturerhöhung des Körpers bleibt eine Unterkühlung meist folgenfrei. Leider wird die Unterkühlung oft übersehen, vor allem dann, wenn – beispielsweise bei einem Unfall – andere Komplikationen in Vordergrund stehen. Bei einer verzögerten Behandlung der Unterkühlung kann es zu schlimmen Schädigungen der Organe kommen, die im extremen Fall den Tod zur Folge haben können.

Komplikationen

Unterkühlung beziehungsweise Erfrierungen sollten nicht unterschätzt werden. Bei schweren Unterkühlungen, auch als Hypothermie bezeichnet, können Komplikationen auftreten. Leichtere Unterkühlungen sind hingegen gut zu behandeln. Ähnliches ist bei leichten Erfrierungen zu sagen.

Schwere Unterkühlung oder schwere Erfrierungen können zu gravierenden Folgen führen. Gefährdet sind vor allem die Extremitäten. Bei starker Unterkühlung kann es dank verspäteter Behandlung zu einer Herzrhythmusstörung kommen. Bei zusätzlichen Verletzungen, die die Unterkühlung begleiten, kann es im schlimmsten Fall zum Tod kommen. Dies ist vor allem gegeben, wenn die Unterkühlung angesichts der Schwere der Verletzungen nicht rechtzeitig bemerkt wird.

Unfallpatienten, die in den kalten Monaten des Jahres verunglücken, müssen daher warm gehalten werden. Bei eingeklemmten Patienten ist das kaum möglich. Hier drohen Herz-Kreislauf-Versagen und Tod. Bei kältebedingten Schäden können die Komplikationen je nach Grad des Kälteschadens variieren.

Bei blutgefüllten Blasen und Erfrierungen zweitens Grades besteht eine erhöhte Infektionsgefahr, sofern sich die Blasen öffnen. Erfrierungen dritten Grades erfordern häufig eine Amputation der betroffenen Gliedmaßen. Diese sterben oftmals ab. Wird das erfrorene Körperteil nicht rechtzeitig amputiert, droht eine tödliche Sepsis.

Klassische Komplikationen bei Unterkühlung oder Erfrierung sind schwärzliche Hautverfärbungen, Ödeme, Frostbeulen, Wundinfektionen, Thrombosen durch eingedicktes Blut, Hyper- und Parakeratosen sowie Gewebeschwund. Zusätzliche Komplikationen liegen in unsachgemäßen oder unterbleibenden Erste-Hilfe-Maßnahmen.

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Behandlung

Eine zeitige und angemessene Therapie begünstigen den Verlauf einer Unterkühlung stark. Eine Unterkühlung erfordert daher schnelles handeln und konsequente Maßnahmen.

Bei einer Unterkühlung sollte der Körper am besten langsam in einem warmen Raum erwärmt werden. Ein Erwärmungsbad gegen Unterkühlung sollte lauwarm begonnen und im Verlauf bis maximal 38 Grad durch langsamen Heißwasserzulauf erwärmt werden. Bei schweren Erfrierungen sollte der Betroffene sich nicht selbstständig bewegen sondern transportiert werden; wenn sich Blasen bilden, ist eine klinische Behandlung unumgänglich. Bestehende Blasen sollten keinesfalls geöffnet, sondern mit sterilem Material bedeckt werden.

Betroffene Extremitäten sollten hochgelagert, jedoch nicht zu stark bewegt werden; zu starke Druckausübung ist zu vermeiden. Betroffene sollten die kalten Körperteile wenn möglich am eigenen Körper, z. B. in der Achselhöhle, wärmen oder sie von jemand anderem an dessen Körper wärmen lassen. Es sollten bei Unterkühlungen und Erfrierungen keine Salben verwendet und keine Medikamente verabreicht werden außer gegebenenfalls Acetylsalicylsäure (z.B. "Aspirin")

Bücher über Unterkühlung & Erfrierungen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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