Ulkusperforation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Bei einer Ulkusperforation handelt es sich um einen Gewebsuntergang, der alle Wandabschnitte eines Organs betrifft, sodass ein Loch in der Organwand entsteht. Ursache dieses Gewebeuntergangs sind Geschwüre. Am häufigsten sind Magen oder Dünndarm von Geschwüren und somit auch von Ulkusperforationen betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ulkusperforation?

Ein Ulkus ist ein Geschwür. In den meisten Fällen handelt es sich um ein Geschwür des Magens oder des Dünndarms. Ein Magenulkus bezeichnet man auch als Ulcus ventriculi, das Darmulkus wird auch Ulcus duodeni genannt. Auch bei einer Ulkusperforation lassen sich auch die Art der Perforation unterscheiden. Bei einer freien Perforation besteht eine durchgängige Verbindung zwischen dem Innenraum des Organs und der Bauchhöhle. Bei der gedeckten Perforation wird das Loch in der Wand von Nachbarorganen abgedeckt und bleibt somit verschlossen.

Ursachen

Einer Ulkusperforation liegt definitionsgemäß immer ein Geschwür zugrunde. Die Ursachen für Geschwüre im Magen- und Darmbereich sind vielfältig. Viele Geschwüre werden durch eine Gastritis, also eine Entzündung der Magenschleimhaut, hervorgerufen. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure reduzieren die Bildung von magenschützendem Schleim. Die aggressive Magensäure greift infolge die Schleimhaut des Magens an und es kommt zu einer Geschwürbildung.

Diese Ursache ist besonders tückisch, da durch die Schmerzmittel auch die Schmerzen des Geschwürs betäubt werden. Selbst ausgeprägte Geschwüre werden von den Betroffenen häufig nicht bemerkt. Auch toxische Stoffe wie Nikotin oder Alkohol reizen die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts. Zudem können Geschwüre des Magens die Folge von Erkrankungen wie dem Hyperparathyreoidismus oder dem Zollinger-Ellison-Syndrom sein. Ebenso kann Stress ein Magengeschwür begünstigen. Die familiäre Häufung der Krankheit weist zudem auf eine erbliche Veranlagung hin. Die Ursachen des Dünndarmgeschwürs ähneln denen des Magengeschwürs.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Nur in etwa fünf bis zehn Prozent aller Ulkusperforationen kommt es zu einer Ulkusblutung. Diese macht sich in Form von Bluterbrechen oder Blut spucken bemerkbar. In jedem Fall entsteht durch die Perforation des Geschwürs ein akutes Abdomen. Zu den Leitsymptomen gehören heftige und plötzlich einsetzende Bauchschmerzen. Der Allgemeinzustand ist schlecht. Die Schmerzen bei einer Perforation eines Magengeschwürs liegen im Bereich des Epigastriums.

Ein perforiertes Geschwür des Dünndarms verursacht in der Regel Schmerzen im rechten oberen Quadranten des Bauches. Oftmals werden die Schmerzen von Erbrechen begleitet. Die Bauchdecke zeigt eine reflektorische Abwehrspannung. Der Bauch ist beim Betasten bretthart. Zudem ist der gesamte Bauchraum aufgetrieben. Eventuell kommt es auch zu Fieber.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Erste Hinweise auf eine Ulkusperforation liefern die Symptome. Eventuell berichten die Patienten in der Anamnese über Schmerzen im Magen- oder Darmbereich. Auch Schmerzmittel in der Medikamentenanamnese weisen auf ein Geschwür und eine mögliche Perforation hin.

Nach der Anamnese erfolgen eine Palpation und eine Auskultation des Bauches. Der Bauch ist hart und druckempfindlich. Ist es durch die starke Entzündung bereits zu einem paralytischen Ileus gekommen, können keine Darmgeräusche durch das Stethoskop wahrgenommen werden. Mittels Ultraschalluntersuchung kann freie Flüssigkeit im Bauchraum nachgewiesen werden. Zusätzlich erfolgt in der Regel eine Röntgenaufnahme des gesamten Bauchraums im Liegen und im Stehen. Auch der Brustkorb wird geröntgt.

Dabei zeigt sich häufig eine Luftsichel unter dem Zwerchfell. Ist der Befund trotz dieser Untersuchungen noch unklar, kann eine Ösophago-Gastro-Duodenoskopie durchgeführt werden. Dabei werden Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm mit Endoskop untersucht. Das Endoskop besteht aus einem flexiblen Schlauch mit einer Videokamera an der Spitze. Damit kann der Zustand der Organe und insbesondere der Zustand der Organwände gut beurteilt werden.

Wird die Ulkusperforation nicht behandelt, kann es zu einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen. Bei der Peritonitis geht aufgrund der Entzündungsprozesse über das Bauchfell viel Flüssigkeit verloren. Auch Eiweiße treten in den Bauchraum über. Es kommt zur Bildung von Ödemen und unter Umständen auch zum hypovolämischen Schock. Sehr hohes Fieber, schnelle Atmung, Bewusstseinsstörungen und Schock weisen auf eine Sepsis hin. Beide Zustände sind lebensbedrohend.

Komplikationen

Eine Ulkusperforation ruft ein akutes Abdomen hervor, das im Verlauf der Erkrankung verschiedene Komplikationen bedingen kann. Typischerweise kommt zu es Entzündungen und Abszessen im Bauchraum, die bei einem ungünstigen Verlauf zu einer Sepsis führen. Begleitend dazu verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Patienten und es kommt zu anhaltenden Schmerzen in der betroffenen Region.

Tritt die Ulkusperforation im Bereich des Dünndarms auf, kommen Beschwerden wie Erbrechen, Darmverschluss und gelegentlich auch hohes Fieber hinzu. In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle ruft eine Ulkusperforation eine Ulkusblutung hervor. Diese ist mit Bluterbrechen verbunden und kann im weiteren Verlauf zu einer Blutarmut und den daraus resultierenden Komplikationen führen. Ein chirurgischer Eingriff kann mit Verletzungen an den Gewebestrukturen, Infektionen, Blutungen und Nachblutungen verbunden sein.

Nach einem Eingriff können außerdem Wundheilungsstörungen auftreten, die aufgrund der Lokalisation der Perforation schwerwiegende Folgen haben können. Wird ein Katheter gelegt, besteht die Gefahr, dass eine Entzündung auftritt. Es kann auch zu größeren Verletzungen kommen, die mit Sensibilitätsstörungen und Nervenschäden einhergehen können. Begleitend verordneten Arzneimittel sind immer mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

Therapie & Behandlung

Zunächst erfolgt ein chirurgischer Verschluss des Wanddefekts. Dabei werden die beschädigten Gewebeteile entfernt und die offenen Stellen mit gesundem Gewebe übernäht. Zusätzlich wird eine sogenannte Peritoneallavage durchgeführt. Dabei wird der Bauchraum gespült, um die Nekrosen und eventuell eingetretene Erreger zu entfernen. Bei der Peritoneallavage wird der Bauchraum im Bereich unterhalb des Nabels mit einer großen Kanüle punktiert. Anschließend wird über einen Katheter körperwarme Ringerlösung oder Kochsalzlösung in den Bauchraum geleitet. Die Spülflüssigkeit läuft schließlich gemäß dem Heberprinzip wieder zurück in die Infusionsflasche.

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Vorbeugung

Ohne Geschwür gibt es auch keine Ulkusperforation. Zur Prävention empfiehlt es sich deshalb, zunächst alle magenreizenden Speisen und Getränke wegzulassen. Sehr scharfes oder sehr heißes Essen sowie hochprozentiger Alkohol und Kaffee sind nicht besonders gut verträglich. Um ein stressbedingtes Geschwür zu verhindern, können Entspannungsübungen oder Stressmanagement hilfreich sein.

Wer über einen längeren Zeitraum magenschädigende Medikamente einnimmt (zum Beispiel nichtsteroidale Antirheumatika) sollte diese nach Rücksprache mit dem behandelnden absetzen oder durch magenschonendere Alternativen ersetzen. Wird die Magenschleimhaut durch das Bakterium Helicobacter pylori angegriffen, kann eine Antibiotikaeinnahme nötig sein.

Bei einem genetischen Risiko empfiehlt sich unter Umständen die vorbeugende Einnahme von Säureblockern oder Protonenpumpenhemmern. Kommt es trotz all dieser vorbeugenden Maßnahmen zu einem Geschwür, so sollte dieses frühzeitig behandelt oder chirurgisch entfernt werden. Nur so kann eine Perforation verhindert werden.

Bücher über Magengeschwür

Quellen

  • Böcker, W. et al.: Pathologie. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2008
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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