Typ-III-Allergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2017
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Bei der Typ-III-Allergie handelt es sich um eine sogenannte Reaktion vom "Immunkomplextyp". Hierbei lagern sich Antigen-Antikörper-Komplexe in Gefäßwänden der Blutgefäße ab und führen dort zu einer lokalen Enzündung, aufgrund der die Gefäße verengt und verstopft und die betroffenen Organe zerstört werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Typ-III-Allergie?

Die Einteilung der Allergietypen (inkl. der Typ-III-Allergie) in vier verschiedene Kategorien ist ein ziemlich "alter Hut" in der Medizin: Die Wissenschaftler Coombs und Gell veröffentlichten diese Klassifikation im Jahre 1963 und seitdem ist sie fester Bestandteil des Medizinstudiums und der Ausbildung in medizinischen Pflegeberufen.

Nach aktuellem Stand der immunologischen Forschung darf die Coombs und Gell-Einteilung heutzutage eigentlich als überholt betrachtet werden. Dennoch wird sie aus didaktischen Gründen gern verwendet und eignet sich zum Verständnis der pathophysiologischen Abläufe hinter den sehr vielseitigen Ausprägungen von allergischen Reaktionen.

Die Serumkrankheit oder auch Unverträglichkeiten auf bestimmte Medikamente wie Penicillin gehören in diese Kategorie, auch bestimmte Nieren- und Lungenerkrankungen oder die rheumatoide Arthritis haben eine derartige Entstehungsgeschichte.

Ursachen

Die Antigen-Antikörper-Reaktion ist eigentlich ein sehr sinnvoller Bestandteil unserer alltäglichen Immunabwehr und hilft dem Körper, eingedrungene Bakterien und Viren auf Schleimhäuten oder in der Blutbahn zu erkennen, zu markieren, und den eigenen Fresszellen "zum Fraße vorzuwerfen".

Bei vielen Autoimmunerkrankungen ist diese Reaktion gegen die falschen Antigene gerichtet: Nicht mehr Bakterien werden erkannt, sondern Bestandteile des eigenen Blutes oder eigener Zelloberflächen.

Lösliche Antigen-Antikörper-Komplexe lagern sich dann in Gefäßwänden und im Gewebe ab und lösen Entzündungsreaktionen aus. Diese können so schlimm werden, dass die betroffenen Organe dadurch geschädigt werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Im Falle der sogenannten Serumkrankheit ist dies eine grundsätzlich sinnvolle Reaktion. Spritzt man einem Menschen bestimmte Eiweiße aus dem Serum von anderen Tierarten, so verträgt er diese normalerweise nicht, sie werden im Blut als fremd erkannt und durch Antikörper markiert.

Manchmal benötigt die Medizin allerdings Antiserum oder Impfserum, welches nur in Tierarten hergestellt werden kann. Dieses wird zwar gereinigt und laborchemisch aufbereitet - trotzdem erkennen manche Körper es als fremd und kämpfen dagegen an. Dann kommt es zu einer Typ-III-Allergie. Benutzt werden Antiseren zum Beispiel als Schutz gegen Schlangengift oder als passiver Impfstoff zur Verhinderung einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus, wenn man bereits Kontakt mit diesem hatte.

Auch auf Medikamente wie Penicillin reagieren manche Menschen allergisch im Sinne einer Typ-III-Reaktion. Symptome dieser Reaktion sind Hautausschlag, Fieber, Gelenkentzündungen, Nierenversagen mit Ödembildung, Durchfall. Die Typ-III-Reaktion wird auch als Reaktion vom verzögerten Typ bezeichnet, da die Symptomatik erst sechs bis zwölf Stunden nach Kontakt mit dem auslösenden Antigen auftritt.

Weitere Beispiele für Typ-III-Allergien führen tief in die Patholgie der Autoimmunerkrankungen hinein: Bei der Panarteriitis nodosa kommt es zu einer Entzündung von Gefäßwänden im ganzen Körper mit Gefäßverschlüssen oder inneren Blutungen.

Charakteristische Autoantikörper können hier laborchemisch nachgewiesen werden. Bei der Immunkomplex-Glomerulonephritis, die auch durch harmlose Atemwegsinfekte ausgelöst werden kann, lagern sich Antigen-Antikörper-Komplexe in den winzigen Blutgefäßen der Niere ab und verstopfen diese. Wer zwei bis vier Wochen nach einer Mandelentzündung plötzlich Schwellungen im Gesicht oder Beinen bemerkt oder ein Nachlassen der Urinmenge, könnte an solch einem Autoimmunphänomen leiden, dass glücklicherweise oft gut und kurzfristig therapierbar ist.

Auch die rheumatoide Arthritis, der Lupus erythematodes oder die exogen-allergische Alveolitis, letztere auch als Farmerlunge bekannt, sind Typ-III-Reaktionen. Bei der Farmerlunge kommt es durch jahrelanges Einatmen von Bauernhof-spezifischen Stäuben, vor allem Schimmelpilzen, zu einer Antigen-Antikörper-Komplex-Ablagerung in der Lunge, die zu einer Entzündung und in der Folge zu Luftnot und Bluthochdruck im Lungenkreislauf führt. Analog gibt es zum Beispiel auch eine Winzerlunge, eine Holzarbeiterlunge oder eine Käsewäscherlunge.

Komplikationen

Die Typ-III-Allergie gehört neben der Typ-II-Allergie zu den Allergieformen mit den höchsten Risiken für Komplikationen. Bei der aktiven Aufnahme von Immunkomplexen aus Allergenen und IgG- sowie IgM-Antikörpern durch Granulozyten entstehen Gewebe schädigende Enzyme, die zu Serumkrankheit, allergischer Vaskulitis oder einer exogen-allergischen Alveolitis führen können. Die Serumkrankheit entsteht bei der Injizierung von Antiserum oder Impfserum aus tierischer Herkunft.

Dabei entstehen Immunkomplexe, die sich in den Gelenken und kleinen Blutgefäßen ablagern und dort Entzündungen hervorrufen können. Die mit Fieber, Ausschlag, Gelenkschmerzen und Schwellungen der Lymphknoten verbundene Erkrankung heilt in der Regel folgenlos aus. In seltenen Fällen kann es jedoch zu schweren Verläufen mit Kreislaufschock kommen.

Die allergische Vaskulitis ist durch die Entzündung von kleinen Blutgefäßen gekennzeichnet. Sie kann zu verschiedenen Komplikationen wie Nierenversagen, schweren Darmblutungen, mentalen Störungen oder Schlaganfällen führen. Teilweise kommen tödliche Verläufe vor. Die Prognose ist von der Stärke und Lokalisation der Vaskulitis abhängig. Die exogen-allergische Alveolitis kann zwar sehr gut behandelt werden.

Das gilt aber nur, wenn der konkrete Auslöser gefunden wird. Andernfalls wird der Verlauf oft chronisch. Das Lungengewebe kann dann im Rahmen einer Lungenfibrose umgebaut werden, was langfristig zum Tod führt. Des Weiteren ist dann auch eine Rechtsherzbelastung durch einen erhöhten Blutdruck im kleinen Blutkreislauf möglich, die in schweren Fällen Atemnot und Herzinsuffizienz hervorruft.

Behandlung & Therapie

Angesichts der Bandbreite dieser Erkrankungen besitzt natürlich jede einzelne Unterart von Typ-III-Allergie ihre eigene Therapie.

Im Falle der Autoimmunkrankheiten versucht der Arzt in den meisten Fällen, das Immunsystem des Körpers soweit zu unterdrücken, dass die Bildung der Immunkomplexe nachlässt und die Entzündung der Gefäßwände zurückgeht. Medikamte wie Cortisol oder andere Immunsuppressiva kommen hier zum Einsatz.

Im Falle einer allergischen Reaktion wie bei der Serumkrankheit bleibt nur das sofortige Unterbinden der Antigenzufuhr und eine symptomatische Notfalltherapie.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Für die allergischen Lungenerkrankungen gilt: Je länger der Kontakt mit den auslösenden Stäuben, desto weiter schreitet die Erkrankung voran. Arbeitsschutzmaßnahmen sind hier bei den betroffenen Berufen extrem wichtig für die spätere Gesundheit.

Bücher über Infektanfälligkeit & Immunschwäche

Quellen

  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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