Typ-II-Allergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Die Einteilung der Allergietypen, wie der Typ-II-Allergie, nach Coombs und Gell rührt aus dem Jahre 1963 und ist nach heutigem immunologischen Forschungsstand eigentlich überholt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Typ-II-Allergie?

Aus didaktischen Gründen wird sie aber immer noch gerne verwendet und ist ein fester Bestandteil der medizinischen Ausbildung. Zum Verständnis der Ursachen von Allergien jedenfalls ist sie auch heute noch hilfreich.

Bei der Typ-II-Allergie handelt es sich nach dieser Klassifikation um eine Reaktion vom sogenannten "zytotoxischen Typ", bei der im Blut zirkulierende Antikörper zellständige Antigene erkennen und zu einer oft biologisch unnötigen oder überschießenden Abwehrreaktion des Organismus führen. Klassisches Beispiel hierfür ist die Blutgruppenunverträglichkeit bei Bluttransfusionen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Typ-II-Allergie bedürfen eines tiefen Einblickes in Biochemie und Immunologie und sind auch nach heutigem Forschungsstand noch nicht überall bis ins letzte Detail verstanden.

Grundsätzlich ist aber die Antigen-Antikörper-Reaktion ein sinnvoller Bestandteil unseres Immunsystems: Dieses kennt die Oberflächenstruktur der eigenen Körperzellen bis ins letzte Detail und ist gleichzeitig auf der Suche nach allem, was es nicht als "Selbst" erkennt. Die im Blut zirkulierenden Antikörper sind hierfür von wichtiger Bedeutung, da sie sich gegen viele bekannte Strukturen von beispielsweise Bakterien oder Viren richten, an die sie binden und die sie dann zusammen mit anderen Abwehrzellen verklumpen und abtöten können.

Dasselbe funktioniert auch mit Blutgruppen: Es gibt im Körper über 200 verschiedene Blutgruppensysteme, wichtig in der Medizin sind aber vor allem das AB0 (sprich: A-B-Null) -System und der sogenannte Rhesusfaktor. Bekommt man als Patient mit der Blutgruppe A im Krankenhaus versehentlich eine Blutspende mit der Blutgruppe B übertragen, so sorgen die im eigenen Körper zirkulierenden Antikörper gegen das Blutgruppenantigen B, welches sich auf jedem transfundierten roten Blutkörperchen befindet, dafür, dass das Blut verklumpt und eine lebensgefährliche Abwehrreaktion des eigenen Körpers gegen den "Fremdkörper" B einsetzt.

Dies wäre ein klassisches Beispiel für eine Typ-II-Reaktion und nebenbei ein schwerer ärztlicher Fehler der den behandelnden Arzt seine Approbation kosten würde.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Daneben gibt es weitere völlig verschiedene Beispiele für Typ-II-Allergien: Bei der immunhämolytischen Anämie kommt es ebenfalls zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen - dies ist allerdings eine Autoimmunkrankheit, bei der der Körper aus letztlich unklarer Ursache Antikörper gegen seine eigenen Blutzellen bildet.

Sogenannte Kälteantikörper binden zum Beispiel immer dann an die Blutzellen und lösen ihre Zerstörung aus, wenn sie in kalte Körperregionen kommen. Menschen mit solch einer immunhämolytischen Anämie haben daher oft starke Schmerzen an Händen und Füßen.

Eine andere Variante einer Typ-II-Reaktion ist das sogenannte Goodpasture-Syndrom, eine sehr seltene aber schwere Autoimmunerkrankung, bei der unter anderem Blutgefäßzellwände in der Niere durch eigene Antikörper angegriffen und zerstört werden. Es kommt dann zu Blut im Urin, Wassersucht (Ödemen) und einer teils sehr schnell fortschreitenden Zerstörung der Nierenfunktion bis hin zur Dialysepflicht.

Nicht immer führt die Reaktion von Antigen und Antikörper übrigens zur Zerstörung der Zielzellen: Bei einer der häufigsten Schilddrüsenerkrankungen, dem Morbus Basedow, kommt es ebenfalls zu einer Art Typ-II-Reaktion, bei der das Zielantigen jedoch durch den Antikörper aktiviert wird und zu einer Überfunktion der Schilddrüse führt. Herzrasen, Hitzegefühl, Haarausfall und Gewichtsabnahme trotz Heißhunger sind mögliche Ausdrücke dieser Überfunktion.


Komplikationen

Die Typ-II-Allergie kommt zwar viel seltener als die Typ-I-Allergie vor. Sie entwickelt aber häufig schwere Komplikationen, die unter Umständen auch tödlich verlaufen können. Wie bereits erwähnt, sind die Auslöser oft Medikamente oder Bluttransfusionen. Nach Kontakt mit dem Allergen kommt es nach einigen Stunden zur Zerstörung von körpereigenen Zellen des blutbildenden Systems wie Erythrozyten, Thrombozyten und Granulozyten.

Dieser Allergietyp führt daher häufig zu hämolytischer Anämie, Transfusionszwischenfällen, Thrombozytopenie oder Agranulozytose. Jede dieser Erkrankungen birgt das Risiko für eine lebensgefährliche Komplikation. Bei der hämolytischen Anämie werden die roten Blutkörperchen zerstört. Die Folge ist eine Blutarmut, die in sehr schweren Fällen sogar eine Bluttransfusion notwendig machen kann.

Die Blutabbauprodukte rufen eine Gelbsucht hervor. Dabei ist die Erkrankung durch eine zunehmende Müdigkeit sowie Abbau körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit gekennzeichnet. Die hämolytische Anämie kann neben der Gabe von bestimmten Medikamenten und Antibiotika auch bei einer Bluttransfusion auftreten. Dann wird von Transfusionszwischenfall gesprochen. In einigen Fällen verläuft die hämolytische Anämie auch tödlich.

Bei der Thrombozytopenie werden die für die Blutgerinnung verantwortlichen Thrombozyten (Blutplättchen) zerstört. Da deshalb die Blutgerinnung gestört ist, können ständig Blutungen auftreten, die in schweren Fällen auch zu lebensgefährlichen Blutverlusten führen. Die Agranulozytose wiederum tritt durch die Zerstörung der weißen Blutkörperchen mit Fieber, Schleimhautgeschwüren, Hautnekrosen, Angina tonsillaris, Mundfäule oder örtlich begrenzten Lymphomen in Erscheinung.

Behandlung & Therapie

Es gibt noch viele weitere, teils sehr spezielle Beispiele für Typ-II-Allergie-Reaktionen.

Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. In vielen Fällen bleibt dem Arzt nur eine medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems mit Cortisolpräparaten oder anderen immunsuppressiven Medikamenten.

Im Falle der fehlerhaften Blutübertragung, welche das klassische Beispiel der Typ-II-Allergie ist, hilft nur das sofortige Unterbinden der Transfusion, eine symptomatische Therapie des Kreislaufschocks und eine intensivmedizinische Überwachung des betroffenen Patienten.

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Vorbeugung

Da es sich bei Typ-II-Allergien somit durchweg um sehr komplizierte Zusammenhänge aus der Medizin handelt, kann man als Einzelner im Prinzip zu deren Vorbeugung auch nichts Allgemeines unternehmen. Für medizinisches Personal hingegen ist dies Alltag.

Die Vorbeugung von Transfusionsreaktionen zum Beispiel ist eine der am strengsten überwachten Bereiche der Medizin und umfasst mehrfache Blutproben und die mehrfache Abfrage der Patientendaten, um auch wirklich nicht dem falschen Menschen das richtige Blut zu übertragen oder andersherum.

Bücher über Allergien

Quellen

  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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