Typ-I-Allergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Bei der Typ-I-Allergie handelt es sich um eine Gruppe von verschiedenen allergischen Überempfindlichkeitsreaktionen des menschlichen Körpers. Die Einteilung des Typs beruht dabei auf der Klassifikation von Coombs und Gell in vier verschiedene Typen. Nach heutigem Wissensstand ist diese Einteilung zwar immunologisch überholt, wird aber aus didaktischen Gründen immer noch beibehalten und in der Medizin gelehrt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Typ-I-Allergie?

Die Typ-I-Reaktion ist der "Klassiker" der allergischen Reaktion, der "Sofort-Typ", bei der Allergene wie Pollen oder Tierhaare innerhalb von Sekunden bis Minuten über Bindung an bestimmte Antikörper auf sogenannten Mastzellen der Schleimhäute eine Ausschüttung von Botenstoffen auslösen.

Dies führt in der Folge zu den typischen allergischen Symptomen wie Anschwellen der Schleimhaut, Niesreiz, Juckreiz und Augenrötung, asthmatischen Anfällen oder schlimmstenfalls Blutdruckabfall und lebensgefährlichen anaphylaktischen Schockreaktionen.

Ursachen

Auslöser einer solchen Reaktion sind meist große Moleküle, wie beispielsweise Pollen, Eiweiß, Medikamente, Kontrastmittel oder Insektengifte. Normalerweise ist die Reaktion des Körpers auf ein Antigen eine sinnvolle Angelegenheit, weil dadurch Viren und Bakterien erkannt und schnellstmöglich abgewehrt werden können.

Im Falle von Allergien ist diese Abwehrstrategie des Körpers jedoch aus dem Ruder gelaufen: Der Körper reagiert auf an sich harmlose Substanzen so, als handelte es sich dabei um einen Krankheitserreger. Dazu ist zunächst eine Sensibilisierung nötig: Beim Erstkontakt mit dem Antigen passiert zunächst nichts Größeres. Auf zellulärer Ebene wird das Antigen jedoch als fremd erkannt, langsam verarbeitet, und der Körper baut Mastzellen in seine Schleimhäute ein, die nur darauf spezialisiert sind, beim nächsten Auftauchen desselben Antigens eine unmittelbare Verteidigungsaktion auszulösen.

Kommt es nach einer solchen Sensibilisierung zum Zweitkontakt, so werden durch diese spezialisierten Mastzellen massiv und völlig übertrieben Botenstoffe ausgeschüttet, welche dann die eingangs beschriebenen Symptome auslösen. Neben dieser Sofortantwort gehört zur Typ-I-Reaktion auch noch eine Spätantwort, die nach mehreren Stunden beginnt, Tage anhalten kann und aus einer Gewebsinfiltration mit Entzündungszellen besteht.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Typ-I-Allergie des Körpers kann lokal begrenzt bleiben. Es kommt dann zu Rötung, Schwellung, Ausbildung von Quaddeln auf der Haut mit Juckreiz. Sind die Atemwege betroffen, wie bei der Pollenallergie (Heuschnupfen), kommt es zu Schnupfen, Niesreiz, Zuschwellen der Atemwege.

Passiert das Ganze eine Etage tiefer, kann durch das Zuschwillen der Bronchien auch ein Asthmaanfall ausgelöst werden. Ein Heunschnupfen kann beispielsweise im Verlauf von Jahren schlimmer werden und in ein Asthma übergehen ("Etagenwechsel").

Wenn die Reaktion nicht lokal abläuft, beispielsweise nach systemischer Medikamenten- oder Kontrastmittelgabe, so kann die Typ-I-Reaktion auch im gesamten Körper ablaufen und betrifft dann vor allem die Blutbahn. Initiert durch die ausgeschütteten Mediatoren werden Blutgefäße im ganzen Körper weitgestellt, das Blut versackt in den Beinen, fehlt im Gehirn und der betroffene Mensch wird bewusstlos.

Diese schwere Blutdrucksenkung führt zum lebensgefährlichen Sauerstoffmangel in Gehirn und inneren Organen und wird als "anaphylaktischer Schock" bezeichnet. Er kann beispielsweise auch entstehen, wenn man von einer Wespe gestochen wird, allergisch reagiert und dann ohnmächtig wird. Notärztliche Behandlung ist dann lebenswichtig.

Der Arzt erkennt die allergische Ursache eines Notfalls normalerweise anhand der Vorgeschichte. Es ist daher wichtig, vernünftige Angaben machen zu können, unter welchen Umständen ein Heuschnupfen, eine Hautrötung, ein Asthmaanfall oder schlimmstenfalls eine Ohnmacht eingetreten ist.

Komplikationen

Die Typ-I-Allergie als häufigster Allergietyp ist durch typische Entzündungsreaktionen sofort nach dem Allergenkontakt gekennzeichnet. In den meisten Fällen treten keine Komplikationen auf. Wenn der Allergenkontakt beendet wird, lassen die Entzündungsreaktionen in der Regel schnell wieder nach. Allerdings können diese Immunreaktionen in einigen wenigen Fällen so heftig werden, dass es sogar zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommt.

Die wesentlichen Komplikationen bei einer Typ-I-Allergie sind das allergische Asthma und der anaphylaktische Schock. Das allergische Asthma kann wie andere Formen des Asthmas im Extremfall zu einem lebensbedrohlichen Notfall werden. Schweres Asthma zeichnet sich durch schwere Atemnot, überblähten Thorax, Zyanose (bläulich verfärbte Lippen durch Sauerstoffmangel), Erschöpfung oder gar Verwirrtheit aus. Husten und Herzrasen kommen immer vor.

Die Atemnot kann so stark werden, dass der Patient akut in Lebensgefahr gerät. Der anaphylaktische Schock stellt immer eine lebensbedrohliche Krise dar, die sofortiger Behandlung bedarf. Es handelt sich um einen Kreislaufschock, der durch eine massive Gefäßerweiterung hervorgerufen wird. Der Blutdruck sinkt sehr stark ab und der Puls ist kaum noch fühlbar.

Die Herzfrequenz steigt aber zur Kompensation extrem an. Zur Lebensrettung muss sofort eine Volumenersatztherapie durchgeführt werden. Eine medikamentöse Therapie kann unter anderem durch Einsatz von Adrenalin erfolgen. Wenn möglich, sollte das auslösende Allergen umgehend entfernt werden. Sowohl beim allergischen Asthma als auch bei der Anaphylaxie klingen die Symptome nach Unterbrechen des Allergenkontaktes schnell wieder ab.

Behandlung & Therapie

Therapeutisch gibt es verschiedene Maßnahmen gegen Typ-I-Allergien: Rein symptomatisch kann man sogenannte Antihistaminika einnehmen, die die Ausschüttung der beteiligten Botenstoffe verhindern. Dies funktioniert bei manchen Patienten besser, bei anderen schlechter.

Gegen Asthmaanfälle helfen Notfallsprays, die nach Inhalation die Bronchien aktiv erweitern. Das funktioniert bei den meisten Asthmatikern sehr gut. In schlimmeren Notfällen hat ein Notarzt immer sogenannte Glukokortikoide im Gepäck, z.B. Cortisol, welches in die Vene gespritzt werden und die gesamte aus dem Ruder gelaufene Abwehrreaktion des Körpers bremsen kann.

Neben diesen rein symptomatischen Maßnahmen gibt es noch die langfristige Möglichkeit einer Hyposensibilisierungstherapie. Durch langsam gesteigerte Gaben des auslösenden Antigens über Monate hinweg kann hier versucht werden, den Körper an die Substanz zu gewöhnen und ihm die allergische Reaktion gleichzeitig abzugewöhnen. Bei manchen Allergien wie z.B. Heuschnupfen funktioniert dies oft gut, bei anderen wie z.B. Tierhaaren nur selten.

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Vorbeugung

In puncto Vorbeugung gibt es verschiedene Theorien: Gesichert ist, dass jeder Mensch eine verschieden ausgeprägte Neigung zu allergischen Typ-I-Reaktionen hat. Sind beide Eltern Asthmatiker, ist das Risiko, selbst Asthmaanfälle zu bekommen, deutlich höher als in der "Normalbevölkerung". 10% aller Menschen in Deutschland haben solche Typ-I-Allergien, in sofern ist das Wort "Normalbevölkerung" hier in Anführungszeichen gesetzt. Bei Kindern ist der Anteil noch höher.

Gleichzeitig kann man aber seinen Kindern etwas Gutes tun, wenn man sie mit Schmutz in Kontakt kommen lässt: Die sogenannte "Hygiene-Hypothese" besagt, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufgewachsen sind und viel draußen gespielt haben, deutlich seltener Allergien bekommen als Kinder aus Innenstadthaushalten. Zuviel Hygiene erhöht also das Risiko einer Typ-I-Allergie.

Bücher über Allergien

Quellen

  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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