Truncus vagalis anterior

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 12. November 2016
Symptomat.deAnatomie Truncus vagalis anterior

Der Truncus vagalis anterior ist ein Nervenast des Nervus vagus, der an der parasympathischen Innervation des Magens und der Leber beteiligt ist. Damit steuern die viszeromotorischen Fasern des Nervs Anteile der unwillkürlichen Organtätigkeit. Ein Ausfall des Truncus vagalis anterior führt zu Dysregulationen der Leber und des Magens.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Truncus vagalis anterior?

Der Nervus vagus entspricht dem zehnten Hirnnerv und gleichzeitig dem größten Nerv des Parasympathikus. Seine Äste sind an der Regulation annähernd aller inneren Organtätigkeiten beteiligt, wodurch der Nerv erst seinen Namen erhalten hat. Wörtlich übersetzt bedeutet Nervus vagus soviel wie "herumschweifender Nerv".

Der Truncus vagalis anterior ist ein Ramus des Nervus vagus. Der Nervenast hat seinen Ursprung im Plexus oesophageus, dem Nervengeflecht der Speiseröhre zwischen Brustkorbeintritt und Zwerchfelldurchtritt. Der Plexus gibt zusammen mit dem Vagus viele Fasern an die Speiseröhre ab, geht anschließend in den Plexus gastricus über und ist mit dem Plexus cardiacus verbunden. Der Truncus vagalis anterior enthält Rami gastrici anteriores und Rami hepatici, die zum linken Anteil des Nervus vagus zählen. Der Nervus vagus führt neben allgemein-somatosensiblen, allgemein-viszeromotorischen und speziell-viszeromotorischen Fasern allgemein-viszerosensible und speziell-viszerosensible Fasern.

Anatomie & Aufbau

Der Truncus vagalis anterior führt wie der Nervus vagus parasympathische Nervenfasern, die dem Nucleus dorsalis nervi vagi oder rückwärtigen Kern des Vagusnervs im Bereich der Medulla oblongata entspringen. Der Nucleus dorsalis nervi vagi und damit Kern des Truncus vagalis anterior ist ein Hirnnervenkern des Hirnstammes und gleichzeitig ein parasympathisch wichtiges Kerngebiet.

Der Nucleus ist aus Motoneuronen relativ geringer Größe aufgebaut. Ihre Axonen erreichen aufgrund der geringen Größe die zu innervierende Region nicht direkt, sondern sind in den Ganglien auf ein zusätzliches Neuron verschaltet. Der Nucleus ist aus allgemein-viszeromotorischen Fasern aufgebaut. Das Kerngebiet wird über afferent sensible Fasern aus dem Nucleus tractus solitarii und Hypothalamus gesteuert. Der Truncus vagalis anterior enthält aufgrund einer Magendrehung bei der Embryonalentwicklung primär die Fasern aus dem linken Nervus vagus und gibt selbst zwei Äste ab.

Die Rami gastrici anteriores laufen zur vorderen Fläche des Magens und innervieren außerdem die kleine Kurvatur. Die Rami hepatici des Truncus vagalis anterior laufen zur Leber, wo sie den Plexus hepaticus oder das Lebernervengeflecht bilden. Das Geflecht gibt den Ramus pyloricus an den Magenpförtner ab.

Funktion & Aufgaben

Der Nervus vagus beeinflusst die Brust- sowie Bauchorgane parasympathisch. Die parasympathische Innervation der Organe zählt zur vegetativen Innervation. Dieses Nervensystem ist anders als das zentrale oder periphere Nervensystem als autonomes Nervensystem zu verstehen. Die Autonomie impliziert, dass das vegetative Nervensystem biologisch festgelegte, automatisch stattfindende Vorgänge des innerkörperlichen Bereichs reguliert und anpasst, ohne dass es vom Menschen bewusst wahrgenommen oder willentlich beeinflusst werden kann. Der Truncus vagalis anterior enthält speziell allgemein-viszeromotorische Fasern und ermöglicht damit die Kontraktion der unwillkürlichen Muskulatur, im engeren Sinn also die Bewegungen der Eingeweide.

Die Motorik der innervierten Organe findet über viszeroefferente Signale statt. So ist der Truncus vagalis anterior mit seinen Rami gastrici anteriores zum Beispiel für die Motorik der vorderen Magenfläche und der kleinen Kurvatur zuständig. Außerdem steuert er mit dem Plexus hepaticus die Tätigkeit der Leber und mit dem Ramus pyloricus die Aktionen des Magenpförtners. Wie alle vegetativen Nervenfasern sind auch die des Truncus vagalis anterior zwingend zum Überleben erforderlich. Der Nervus vagus versorgt sowohl glatte, als auch quergestreifte Muskulatur mit viszeromotorischen Fasern und ist damit einer der entscheidendsten Nerven für die menschliche Organtätigkeit.

In der Medulla oblongata und Medulla spinalis liegt der Nucleus spinalis nervi trigemini als Nervenkern für die allgemein-somatosensiblen Faseranteile des Nervus vagus. Die allgemein-viszeromotorischen Fasern haben ihren Ursprung im Nucleus dorsalis nervi vagi der Medulla oblongata. Der Kern der speziell-viszeromotorischen Vagus-Fasern ist der Nucleus ambiguus der Medulla oblongata. Die allgemein- und speziell-viszerosensiblen Fasern entspringen dem Nucleus tractus solitarii.




Krankheiten

Wenn der Nervus vagus komprimiert wird, stellen sich neben vielen anderen Nervenstörungen auch Störungen des Truncus vagalis anterior ein. Der Nervus vagus ist anatomisch von einem gewissen Kompressionsrisiko betroffen, wenn eine Fehlstellung des Atlas oder ersten Halswirbels vorliegt.

Aufgrund der Verlaufsnähe zum Atlas kann sich der Nervus vagus bei einer Fehlstellung dieses Wirbels also verklemmen. Abhängig von der Art und Weise der Atlasverschiebung kann ein Druck oder eine Irritation des Nervs bestehen, die seine Funktionalität beeinträchtigt. Daraus resultieren in der Regel Nervus-vagus-Symptome. Neben Übelkeit, Magenübersäuerung und Schwindel kann eine Vaguskompression symptomatisch als Gesichtsrötung, schneller Herzschlag, Nackensteifigkeit oder Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen in Erscheinung treten. Außerdem können Symptome wie Schluckbeschwerden, übermäßiges Schwitzen, mehr oder weniger starke Schlafstörungen, unregelmäßiger Herzschlag, chronisch anhaltende Verstopfung, Durchfall und Schilddrüsenprobleme auf eine Verklemmung des Nervs zurückzuführen sein.

Primärerkrankungen im vegetativen Nervensystem sind nur selten zu beobachten. Schädigungen vegetativer Nerven sind in der Regel durch mechanische Traumata bedingt. Am häufigsten gehen solcherlei Nervenschädigungen Rückenmarksverletzungen voraus. Die Fasern des vegetativen Nervensystems ziehen über das Rückenmark nämlich zu ihren Zielorganen. Neben traumatischen Rückenmarksläsionen sind auch Rückenmarksinfarkte oder Tumore im Rückenmark eine denkbare Ursache für Funktionsbeeinträchtigungen des vegetativen Nervensystems.

Ein Komplettausfall des vegetativen Nervensystems ist selten zu beobachten. Da Parasympathikus und Sympathikus aber Antagonisten sind und einander wechselwirkend regulieren, führt bereits ein Ausfall von einer der Faserqualitäten zu schweren Organstörungen.

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