Trotzphase

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. März 2017
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Die Trotzphase bezeichnet eine Phase im Kleinkindalter, in der das Kind stark mit Trotz reagiert. Es nimmt zwar sich selbst als Persönlichkeit wahr, kann jedoch noch nicht die eigenen Wünsche und Empfindungen von denen anderer Menschen trennen und trotzt, wenn sich daraus ein Konflikt ergibt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Trotzphase?

Die Trotzphase wird nach gegenwärtiger Auffassung in zwei durch das Alter abgegrenzte Phasen untergliedert. Die erste Trotzphase beginnt etwa ab dem Alter von eineinhalb Jahren und ist noch relativ einfach zu verstehen. Kinder beginnen, ihren Eltern mit ihrem sehr begrenzten Wortschatz Fragen zu stellen, die entweder bejaht oder verneint werden können. "Ja" ist für das Kind etwas Positives, eine Verneinung empfindet es emotional als negativ und kann darauf mit Trotz reagieren.

Beim eineinhalbjährigen Kind ist die linke Gehirnhälfte, die für logisches Denken zuständig ist, unter Stress praktisch inaktiv - es kann nicht mehr wie gewohnt kommunizieren. Dem Kind bleibt als Reaktion nur Trotz.

Während die erste Trotzphase nicht bei jedem Kind beobachtet werden kann, entwickelt sich die zweite Trotzphase zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr deutlich merklicher. Kennzeichnend sind Warum-Fragen und das Infragestellen der Erwachsenen, wenn das Kind erkennt, dass auch sie nicht auf alles eine Antwort haben.

Funktion & Aufgabe

Die Trotzphase ist zwar für die Erzieher des Kindes sehr anstrengend, erfüllt jedoch eine wichtige Rolle in seiner gesunden Entwicklung. Die erste Trotzphase entsteht, da das Kind erste Erfahrungen mit negativen Gefühlen wie Wut, Trauer oder Enttäuschung macht. Manche Kinder reagieren dann auf die einzige Art und Weise gestresst, die in diesem jungen Alter möglich ist: mit Trotz. Da ihre linke, rationale Gehirnhälfte noch nicht weit genug entwickelt ist, um negativen Gefühlen mit Kommunikation zu begegnen, äußern Kinder ihre Empfindungen auf sehr emotionale Weise. Zudem nimmt das Kind in diesem Alter nur die eigenen Gefühle wahr und weiß noch nicht, dass andere Menschen zeitgleich ganz anders empfinden können.

Zu Beginn der zweiten Trotzphase ist die linke Hirnhälfte schon so weit, dass sich das Kind besser ausdrücken und anders mit Stress umgehen kann. In der zweiten Trotzphase spielt das Kennenlernen und Verstehen der Umwelt eine entscheidende Rolle. Das Kind stellt Warum-Fragen an die Erwachsenen, die jedoch auch dazu führen, dass es ihnen manchmal widerspricht, wenn es seine Umwelt noch anders versteht.

Die Trotzphase bezeichnet eine Phase im Kleinkindalter, in der das Kind stark mit Trotz reagiert.

Generell widersprechen Kinder in diesem Alter viel. Sie versuchen, durch emotionale Ausbrüche oder Kreativität den Erwachsenen mitzuteilen, dass sie überfordert sind. Ein Trotzausbruch kann auch eintreffen, wenn sie ihren Willen nicht durchsetzen können, da Kinder jetzt erst lernen, dass sie nicht alles haben können, nur weil sie es wollen.

Die zweite Trotzphase ist deswegen auch sehr wichtig für das Kind, um seinen Platz in der Gesellschaft besser zu verstehen und zu lernen, wie es seine Wünsche und Bedürfnisse auf akzeptierte Art und Weise mitteilen kann. Es lernt auch, beharrlich zu bleiben, um sich verständlich den Erwachsenen mitzuteilen.

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Krankheiten & Beschwerden

Gerade während der ersten Trotzphase hilft es, die Emotionen des Kindes zu spiegeln, wenn man es wieder beruhigen möchte. Dasselbe passiert genau anders herum oft in der zweiten Trotzphase, die für die Nerven der Erzieher wesentlich belastender ist, da sich das Kind inzwischen schon gut artikulieren und somit auch provozieren kann.

In manchen Situationen mag die Wut eines Erwachsenen zwar hilfreich dabei sein, ein übermäßig trotzendes Kind wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Geschieht es jedoch zu regelmäßig, dass erst das Kind und dann der Erwachsene einen Wutausbruch erleben, geht das zu Lasten der Eltern-Kind-Beziehung und kann sowohl die seelische Gesundheit des Kindes als auch des Erwachsenen schädigen. Wird die Trotzphase für einen oder beide zu belastend, sollte ein Familientherapeut aufgesucht werden.

Schwierige Situationen in der Trotzphase entstehen auch dann, wenn das Kind während eines Trotz- und Wutanfalls gewalttätig wird. Manche Kinder hauen, treten, schlagen oder beißen schlimmstenfalls. Während es vorkommen kann, dass das trotzende Kind (unabsichtlich) schlägt, ist die Grenze beim Beißen überschritten. Kinder signalisieren mit diesem Verhalten, dass sie über die Trotzphase hinaus nicht mit Wut umgehen können und Hilfe brauchen, die ihnen die Eltern in den vorkommenden Fällen oft nicht geben können. Da Kinder mit solchem Verhalten ihre Mitmenschen gefährden, sollte schnellstmöglich ein Therapeut aufgesucht werden, erste Anlaufstelle kann auch der Kinderarzt sein.

Während ein Kind trotzt, sollte es nach Möglichkeit eine dafür sichere Umgebung bekommen. Das bedeutet, es sollten so wenige Gegenstände wie möglich in greifbarer Nähe sein, damit diese nicht beschädigt werden können. Vor allem sollten in der Trotzphase des Kindes Verletzungsrisiken sehr ernst genommen werden. Scharfe Kanten oder Stolperfallen werden von wütenden Kindern nicht mehr erkannt und können zu unvorhergesehenen Verletzungen während eines Wutanfalls führen.

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