Tropische Sprue

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Tropische Sprue

Die tropische Sprue wird durch Bakterien verursacht, und kann die Dünndarmschleimhaut schwer schädigen oder zerstören. Insofern gehört sie ursächlich zu einer völlig anderen Gruppe von Erkrankungen als die einheimische Sprue (Zöliakie), die hauptsächlich in Europa bekannt ist. Das südliche Indien, einige Länder Südostasiens und die Karibik sind die Hauptverbreitungsgebiete der tropischen Sprue. Dort befällt sie sowohl heimische Bewohner als auch Zugereiste, die sich für eine längere Zeit in den Endemiegebieten aufhalten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist tropische Sprue?

Nach bisherigem Erkenntnisstand wird die tropische Sprue durch eine chronische Infektion des Dünndarms mit giftigen Stämmen eines koliformen Bakteriums ausgelöst. Diese geht einher mit einer Verdauungsstörung (Malabsorption) auf der Grundlage von Mangelerscheinungen an Folsäure und Vitamin B12.

Die Häufigkeit von Neuerkrankungen an tropischer Sprue hat in den vergangenen Jahren nachweislich abgenommen, vermutlich weil sich der Einsatz von Antibiotika gegen die akute Reisediarrhoe auswirkt. Mit starkem Durchfall nimmt die Krankheit oft ihren Verlauf. Er wird von Fieber und einem allgemeinen Schwächegefühl begleitet. In der folgenden Zeit schwächt sich die Diarrhoe ab; es treten verstärkt Zustände von Übelkeit und Appetitlosigkeit auf.

Mehr oder weniger starke Magenkrämpfe kommen hinzu. Das gesamte Krankheitsbild wird ebenso von latenter Müdigkeit und Schlappheit gekennzeichnet. Nicht selten ist der Stuhl sehr fetthaltig, aufgrund der ungenügenden Fettverdauung. Der Gewichtsverlust kann teilweise gravierend sein. Der für die tropische Sprue typische Mangel an Folsäure und Vitamin B12 tritt in einigen Fällen erst nach Monaten oder sogar Jahren auf.

Ursachen

Davon unberührt erfolgt die Behandlung einer tropischen Sprue mit Tetracyclin. Dieses Antibiotikum tötet die Bakterien ab, die die Krankheit verursachen. In Untersuchungen hat es sich als wirksam erwiesen, oft schon nach einigen Tagen oder wenigen Wochen. Gegen die tropische Sprue ist Tetracyclin das weltweit am häufigsten verwendete Antibiotikum.

Möglich sind hier 250 mg vier Mal am Tag, für zunächst höchstens zwei Monate. Bis zu sechs Monate lang können anschließend zwei Einheiten pro Tag verabreicht werden. Die Dosis hängt vom Erfolg der Therapie ab, der sich oft sehr schnell einstellt. Ergänzend werden Folsäure (ein Mal täglich) und Vitamin B12 (ein Mal wöchentlich) verabreicht.

Zum Ausgleich der Mangelzustände durch die Verdauungsstörungen werden bedarfsweise Nährstoffe, weitere Vitamine und Elektrolyte zugesetzt. Schlägt diese Therapie nicht nach spätestens vier Wochen an, könnten die Symptome auf andere Erkrankungen verweisen. Eine tropische Sprue kann mit der optimalen Behandlung nach drei bis sechs Monaten völlig überwunden sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Krankheitsbezeichnung tropische Sprue (flämisch „sprouw“ = „Durchfall“) wurde im Jahr 1880 von Sir Patrick Manson eingeführt, der als Experte für Tropenkrankheiten in China wirkte. Forschungen zum Gegenstand der Erkrankung zeigten, dass sie mit einer Entzündung im Darmbereich beginnt. Ob allein Bakterien dafür verantwortlich sind, ist noch nicht hundertprozentig sicher.

Im Gegensatz zur einheimischen Sprue, die von einer Glutenunverträglichkeit herrührt, weisen die unterschiedlichen Krankheitsverläufe auf eine Auswucherung von Bakterien bei der tropischen Sprue hin. Allein mit einer glutenfreien Ernährung wie bei Zöliakie ist der tropischen Sprue nicht wirksam abzuhelfen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Tropische Sprue tritt selten in größerer Fallhäufigkeit auf. Ein relevanter Ausbruch außerhalb tropischer Länder ist bislang nicht bekannt. Die beschriebenen Symptome der tropischen Sprue ähneln denen einiger anderer möglicher Krankheiten. Sicherheit in der Diagnose des Arztes geben eine Knochendichtemessung, ein vollständiges Blutbild, Blutuntersuchungen auf Folsäure, Vitamin B12 und gegebenenfalls Vitamin D.

Eine Darmspiegelung speziell im Dünndarm bringt anschließend Klarheit über die Erkrankung. Notfalls wird für die Diagnose eine Gewebeprobe genommen, um die tropische Sprue mit Sicherheit nachzuweisen. In vielen Fällen zeichnet sich die Krankheit durch eine erkennbare Schwellung an der Schleimhaut des Dünndarms aus.

Behandlung & Therapie

Aufgrund der sehr ähnlichen Symptome nahm die Wissenschaft eine relativ lange Zeit an, dass die einheimische und die tropische Sprue zwei Erscheinungsformen der gleichen Erkrankung sind. Nun gilt es aber als bewiesen, dass die einheimische Sprue (Zöliakie) ursächlich eine Glutenunverträglichkeit ist, während die tropische Sprue prinzipiell durch Bakterien herbeigeführt wird. Die Folgen der jeweils unbehandelten Krankheit sind aber tatsächlich die gleichen. Sie zeigen sich in der Zerstörung der Dünndarmschleimhaut.




Vorbeugung

Bei der einheimischen Sprue ist dafür das sogenannte Klebereiweiß Gluten verantwortlich, das im Dünndarm zu einer allergischen Reaktion führt. Wer fortan auf die Ernährung mit Getreideprodukten verzichtet, wird wieder gesund, und muss keine weiteren negativen Auswirkungen auf die Verdauungsvorgänge befürchten. Ganz anders verläuft die durch Bakterien verursachte tropische Sprue, die dringend medikamentös behandelt werden muss.

Unter Fachleuten wird die Meinung vertreten, dass die Heimsuchung des Darms mit einem toxischen Bakterium weitere Veränderungen im Verdauungstrakt nach sich zieht, die bis zu einer Fremdbesiedelung des Darms führen können. Das würde auch die äußerst voluminösen Stuhlgänge erklären, die eine tropische Sprue kennzeichnen können. Welches Bakterium nun genau eine tropische Sprue auslöst, darüber gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse.

Zwar tritt die Krankheit bei Reisenden auf, die sich in einem Verbreitungsgebiet der tropischen Sprue aufhalten, jedoch macht sie sich oft erst Wochen oder Monate nach dem dortigen Aufenthalt bemerkbar. Deshalb ist eine exakte Aufklärung der Ursachen einer tropischen Sprue so sehr schwierig, zumal starke Durchfälle und Gewichtsverluste während einer längeren Reise viele andere Hintergründe haben können.

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