Trommelschlegelfinger

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Viele körperliche Erkrankungen sind mit äußerlich sichtbaren Veränderungen der natürlichen anatomischen Beschaffenheit der Haut, der Knochen oder der Weichteile verbunden. Dies gilt auch für die sogenannten Trommelschlegelfinger (auch Trommelschlägelfinger), welche durch eine spezielle Blutkrankheit entstehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Trommelschlegelfinger?

Die Trommelschlegelfinger sind ein eindeutiger Hinweis auf einen Erkrankungskreis, der mit einer chronischen Hypoxämie verbunden ist. Diese Krankheiten zeichnen sich durch eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff aus. In Folge dessen bilden sich Verdickungen an den Endgliedern der Finger, die nicht nur die Knochen, sondern ebenso diverse weiche Gewebsanteile umfassen.

Die Trommelschlegelfinger werden in medizinischen Berufen auch als Digitus hippocraticus oder im umgangssprachlichen Ausdruck als Kolbenfinger bezeichnet. Bei den meisten ursächlichen Erkrankungen gegen die auffälligen Trommelschlegelfinger mit sogenannten Uhrglasfingernägeln einher.

Ursachen

Die Ursachen für die aufgetriebenen Trommelschlegelfinger sind gegenwärtig eindeutig nachgewiesen. Allen diesen Erkrankungen ist eine Hypoxämie eigen. Diese Krankheiten betreffen entweder die Lungen oder das Herz und tragen zu den Trommelschlegelfingern bei.

Ein Emphysem der Lunge, Tumore der Bronchien, eine chronisch verlaufende, obstruktive Erkrankung der Lunge sowie eine akute interstitielle Pneumonie sind verantwortlich für eine Sauerstoffunterversorgung im Blut und im Gewebe, sodass sich die Trommelschlegelfinger bilden.

Auch das Herz ist an der Sauerstoffbereitstellung für den Organismus beteiligt. Durch einen angeborenen Herzfehler mit einer Verringerung der Pumpleistung des Herzmuskels, einen pulmonal bedingten zu hohen Blutdruck und eine Endokarditis können Trommelschlegelfinger ebenfalls entstehen.

Erkrankungen des Verdauungssystems wie ein Funktionsverlust der Leber, eine Colitis ulcerosa und ein Morbus Crohn bedingen die Trommelschlegelfinger gleichermaßen. Auch bei einer Mukoviszidose können Trommelschlegelfinger auftreten.

Typische Anzeichen & Symptome

  • Anschwellung und Vergrößerung der Finger
  • Weichteilverdickung der Fingerendglieder
  • in Verbindung und als Symptom von Herz- oder Lungenerkrankungen

Diagnose & Verlauf

Werden Trommelschlegelfinger sichtbar, ist eine weitreichende Diagnostik erforderlich, wenn die Anamnese keine hinreichend fundierten Erkenntnisse bietet. Die Diagnostik bei Trommelschlegelfingern bezieht sich auf die Feststellung spezieller Laborwerte des Blutes und des Serums, Röntgenaufnahmen, eine Echokardiografie, die Kontrolle der Lungenfunktion, eine Untersuchung der Bronchien, eine sogenannte Sputumdiagnostik und die Untersuchung des Verdauungstraktes.

Für den Verlauf oder die Pathogenese der Trommelschlegelfinger ist charakteristisch, dass es durch den Mangel an Sauerstoff im Blut und damit im Gewebe zu einer körperlichen Reaktion kommt, welche zu den verdickten Fingerendgliedern der Trommelschlegelfinger führt. Die Unterversorgung mit Sauerstoff trägt zu einer Zunahme des Knochenvolumens an den Fingern bei. Diese wird bei den Trommelschlegelfingern durch eine zusätzliche Schwellung verstärkt.

Die Fingerspitzen sind Bereiche, in denen das Gewebe einer permanenten Beanspruchung unterliegt. Um dieser entsprechen zu können, baut sich ein zusätzliches Knochengewebe auf, welches sich durch die eigenartig aussehenden Trommelschlegelfinger darstellt. Eine andere Erklärung, wie es zur Entstehung der Trommelschlegelfinger kommt, basiert auf der Tatsache, dass eine Hypoxie die Produktion einer speziellen Wachstumssubstanz anregt. Dieser Stoff trägt zu einer Beschleunigung einer Neuentstehung von Kapillargefäßen bei, um eine bessere Sauerstoffzufuhr zum Gewebe zu erzielen.

Die Trommelschlegelfinger entstehen somit durch mehr Kapillaren und einer Zunahme von kollagenem Bindegewebe an den Fingerspitzen. Aufgrund dieser Prozesse verdicken sich die Fingerendglieder und es können sich zusätzlich die Uhrglasnägel als Begleitsymptome der dargestellten Erkrankungen entwickeln. Meist sind Trommelschlegelfinger mit einer Zyanose (bläulichen Verfärbung der Haut und der Schleimhäute) gekoppelt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Trommelschlägelfingern sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn die Beschwerden möglicherweise für den Patienten nicht zu Einschränkungen im Alltag führen, zeigen sie in der Regel immer auf Erkrankungen des Herzens oder der Lunge und müssen aus diesem Grund in jedem Fall untersucht und behandelt werden. Falls es nicht zu einer Behandlung der Trommelschlägelfinger kommt, kann der Patient im schlimmsten Falle an Herzbeschwerden oder an Lungenbeschwerden versterben.

Daher ist bei einer dauerhaften Schwellung der Finger, die ohne besonderen Grund auftritt, immer ein Arzt aufzusuchen. Auch die Blaufärbung der Finger oder der Extremitäten kann auf Beschwerden des Herzens oder der Lunge hindeuten. Diese Beschwerden müssen sofort von einem Mediziner untersucht werden. Sollte es zu Atemnot oder zu einem Stechen in der Brust kommen, so muss der Betroffene einen Krankenwagen rufen oder direkt das Krankenhaus aufsuchen. Durch die Atemnot oder durch einen Herzinfarkt kann es weiterhin zu Bewusstlosigkeit kommen. Im schlimmsten Fall führen die Trommelschlägelfinger bzw. die zugrundeliegende Krankheit zum Tode des Patienten.

Komplikationen

Aufgrund der Trommelschlegelfinger leiden die Betroffenen an einer Reihe verschiedener Beschwerden. Die Finger selbst sind in den meisten Fällen deutlich vergrößert und angeschwollen, sodass es in erster Linie zu einer verringerten Ästhetik kommt.

Viele Patienten fühlen sich damit unwohl und leiden an einem verringerten Selbstwertgefühl oder auch an Minderwertigkeitskomplexen. Weiterhin kann auch die gesamte Hand dabei verdickt sein, sodass es bei gewöhnlichen Tätigkeiten des Alltages zu deutlichen Einschränkungen kommen kann. Die Trommelschlegelfinger treten in der Regel in Verbindung mit Beschwerden am Herzen oder am Kreislauf auf, sodass die Patienten in jedem Fall auf eine Untersuchung angewiesen sind.

Im schlimmsten Falle bleiben dabei Herzbeschwerden unerkannt, sodass es zum Tode des Patienten kommt. Auch Schmerzen treten bei den Trommelschlegelfinger nicht selten auf und wirken sich dabei negativ auf den Alltag und auf die Lebensqualität des Patienten aus. Die Behandlung dieser Krankheit wird in Abhängigkeit der Grunderkrankung durchgeführt.

Aus diesem Grund kann dabei keine allgemeine Voraussage über den weiteren Verlauf gegeben werden. Bei einer erfolgreichen Behandlung der Grunderkrankung werden allerdings auch die Trommelschlegelfinger geheilt. Eventuell ist auch die Lebenserwartung des Patienten verringert.

Behandlung & Therapie

Zum Thema Behandlung der Trommelschlegelfinger gibt es nur den Hinweis, dass die Vorerkrankungen erkannt und therapiert werden müssen. Kommt es dadurch wieder zu einer besseren Sauerstoffbereitstellung in den Geweben, vergehen die Trommelschlegelfinger von selbst. Bei der Behandlung der Trommelschlegelfinger ist eine rasche Diagnose und eine zeitnahe und effiziente Behandlung der Lunge, des Herzens, der Leber, des Magens oder des Morbus Crohn notwendig.

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Vorbeugung

Um Trommelschlegelfingern vorzubeugen, müssen die Grunderkrankungen vermieden werden. Einen direkten Einfluss auf die Prophylaxe können die Patienten und Patientinnen nicht nehmen.

Eine nicht direkt auf die Ausprägung von Trommelschlegelfingern wirkende Vorbeugung ist eine Grippeschutzimpfung. Darüber hinaus sollte bei der Wahrscheinlichkeit auf die Entstehung von Trommelschlegelfingern und Uhrglasnägeln auf einen Nikotinkonsum verzichtet werden.

Die ohnehin durch vorliegende Erkrankungen eingeschränkte Sauerstoffverteilung im Blut darf durch Nikotin nicht zusätzlich strapaziert werden. Dies kann eine Bildung von Trommelschlegelfingern verhindern.

Bücher über Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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