Trochlearisparese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
Startseite » Krankheiten » Trochlearisparese

Im Rahmen einer Trochlearisparese kommt es zu einer Läsion des IV. Hirnnervs, wodurch eine Lähmung des oberen Augenmuskels auftritt. Eine Trochlearisparese kann entweder einseitig oder beidseitig beziehungsweise vollständig oder teilweise auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Trochlearisparese?

Der IV. Hirnnerv entspringt im Mittelhirn und kreuzt dann als einziger Hirnnerv unterhalb der so genannten Vierhügelplatte komplett zur Gegenseite. Er ist ein rein somatomotorischer Nerv und versorgt den schrägen, oberen Augenmuskel, der auch als Musculus obliquus superior bezeichnet wird. Eine Kontraktion dieses Muskels löst eine Augenbewegung nach unten aus.

Der Nervus trochlearis ist der kleinste okulomotorische Hirnnerv, dessen Lähmung zu einer Trochlearisparese führt. Fällt der IV. Hirnnerv aus, so kommt es zu einer Einschränkung der Augenbewegungen beziehungsweise zu einem typischen Schielmuster. Von allen Hirnnerven ist der Nervus trochlearis am seltensten von Lähmungserscheinungen betroffen, wobei die häufigste Ursache Schädel-Hirn-Verletzungen sind.

Ursache

Trochlearisparesen treten in Folge von Schlaganfällen, Mikroangiopathien, Aneurysmen oder Schädel-Hirn-Verletzungen auf. Besonders oft sind die Trochlearisnerven bei einem Schädeltrauma betroffen. Als entzündliche Ursachen kommen die Mukormykose beziehungsweise die Zystizerkose in Frage, eine Trochlearisparese kann aber auch durch Tumore in der Region des oberen Hirnstammes (Chardom, Metastasen, Lymphome, Gliome) bedingt sein.

Diese werden im Normalfall aber noch von anderen Symptomen begleitet. Trochlearisparesen können außerdem bei Hypertonus oder Diabetes mellitus auftreten, in diesem Fall haben sie eine sehr günstige Prognose. Weitere mögliche Ursachen für eine Trochlearisparese können sein:

Darüber hinaus gibt es auch angeborene Trochlearisparesen oder solche, die frühkindlich erworben werden. Diese weisen dann aber eine andere Symptomatik auf. Die Ursache von kongenitalen beziehungsweise früh erworbenen Trochlearisparesen ist bis dato nicht bekannt. Eine wesentliche Rolle könnten hier aber Geburtstraumen spielen. Eine angeborene Trochlearisparese sollte immer von einem so genannten Strabismus sursoadductarius (angeborene Schielstellung der schrägen Augenmuskeln) abgegrenzt werden.

Außerdem ist es notwendig, bei posttraumatischen Störungen des oberen Augenmuskels auch eine mögliche Verletzung des Rollknorpels (Trochlea) in Betracht zu ziehen. Ausgeschlossen werden sollten darüber hinaus ein Torticollis spasticum (Schiefhals) beziehungsweise ein dissoziiertes Höhenschielen.

Symptome, Beschwerde & Anzeichen

Tritt eine Trochlearisparese auf, so verliert der betroffene Muskel seine Funktion. Der schräge obere Augenmuskel erfüllt normalerweise drei verschiedene Aufgaben: eine außenwendende, eine innenrollende sowie eine senkende. Bei einer Trochlearisparese weicht der Blick jedoch ab, das heißt, es tritt eine Schielstellung beziehungsweise eine Verrollung in Richtung Schläfe auf.

Darüber hinaus sehen die Betroffenen Doppelbilder, die entweder verkippt, vertikal oder horizontal wahrgenommen werden. Die Patienten nehmen dadurch eine Kopfzwangshaltung ein, um die Doppelbilder beseitigen zu können. Meistens wird der Kopf auf die gesunde Seite geneigt, bei einer Neigung zur erkrankten Seite ist hingegen ein Höherstand des Auges erkennbar. Dieses Phänomen wird als so genanntes „Bielschowsky-Phänomen“ bezeichnet.

Vor allem bei alltäglichen Dingen wie Essen, Lesen oder Schreibtischarbeiten, bei denen der Blick nach unten gerichtet ist, ist eine Trochlearisparese äußerst störend. Beim Treppensteigen oder beim Laufen kann es darüber hinaus zu Unfällen kommen, da die Schielwinkel mit Hilfe einer Kopfzwangshaltung in diesem Fall nicht kompensiert werden können. Ein weiteres Symptom ist der Unterschied zwischen Primär- beziehungsweise Sekundärschielwinkel.

Als Primärwinkel wird die Schielabweichung, die bei Fixation mit dem nicht erkrankten Auge gemessen werden kann, bezeichnet. Der Sekundärwinkel bezeichnet die Abweichung bei Fixation mit dem jeweils betroffenen Auge. Tritt ein Lähmungssschielen auf, so ist der Primärwinkel immer kleiner als der Sekundärwinkel. Bei einer Trochlearisparese, die auf beiden Seiten auftritt, kann es jedoch durchaus sein, dass eine Schielabweichung bei Blickhebung fehlt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Trochlearisparesen werden durch einen Neurologen diagnostiziert. Dieser misst die Schielwinkel in unterschiedlichen Blickrichtungen und bei verschiedener Fixation. Außerdem werden die monokularen Exkursionsfähigkeiten sowie das Feld des binokularen Einfachsehens beurteilt. Zur Untersuchung werden das Synoptometer beziehungsweise die Tangententafel nach Harms eingesetzt.

Weiteren Aufschluss über das Vorliegen einer Trochlearisparese bringt auch der Bielschowsky-Kopfneigetest. Wird der Kopf zur erkrankten Seite hin geneigt, so ist ein Höherstand des betroffenen Auges erkennbar, auf der gesunden Seite ist jedoch keine Schielabweichung vorhanden oder sie ist erheblich reduziert. Bei spontanen Trochlearisparesen werden außerdem ein Tensilon- beziehungsweise ein Glucosetoleranztest sowie ein orbitales MRT durchgeführt, um eine Myasthenie ausschließen zu können. Häufig wird eine Trochlearisparese relativ spät erkannt, da sie oftmals ziemlich unauffällig ist oder die Symptome falsch interpretiert werden.

Komplikationen

Eine Trochlearisparese führt beim Betroffenen zu verschiedenen Beschwerden an den Augen. Die Betroffenen leiden dabei an Doppelbildern oder an einem Schleiersehen, wodurch es zu deutlichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen kommt. In vielen Fällen müssen die Patienten dabei eine Zwangshaltung des Kopfes einnehmen, sodass dieser zur Seite geneigt ist.

Diese Haltung kann dabei im Alltag zu starken Beschwerden und Einschränkungen führen. Vor allem beim Laufen kann es dabei zu Unfällen kommen. Desweiteren kann die Erkrankung Schielen begünstigen. Der Betroffene kann häufig seinen Blick nicht mehr heben. Vor allem bei Kindern kann die Trochlearisparese durch die Fehlhaltung zu Mobbing oder zu Hänseleien führen.

Dadurch leiden viele Kinder auch an psychischen Beschwerden oder an Depressionen. Allerdings führt die Erkrankung damit zu Einschränkungen in der kindlichen Entwicklung, sodass es auch im Erwachsenenalter zu Komplikationen und zu Beschwerden kommen kann. Die Behandlung der Trochlearisparese wird in der Regel schon in einem sehr frühen Alter durchgeführt und führt in den meisten Fällen zu einem Erfolg. Komplikationen treten dabei nicht auf. In der Regel werden die Beschwerden dabei vollständig gelöst.

Therapie & Behandlung

Die Schielabweichung kann mit Hilfe von Prismengläsern verbessert werden. Bildet sich die Lähmung nach sechs bis neun Monaten nicht zurück, so ist eine Operation notwendig, um die Kopfzwangshaltung beziehungsweise die Zyklotropie reduzieren zu können. Wirksam sind auch muskelstärkende Eingriffe, bei denen der betroffene Augenmuskel gefaltet oder vorgelagert wird.

Eine Wiederherstellung der Funktion kann allerdings meist erst nach sechs bis zwölf Monaten beurteilt werden. Daher wird eine Operation auch meist erst nach Ablauf eines Jahres in Erwägung gezogen. Während dieser Zeit wird oft auch der untere Linsenanteil abgedeckt, um störende Doppelbilder vermeiden zu können. Möglich ist darüber hinaus auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin, um den antagonistischen Muskel zu schwächen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da eine Trochlearisparese in Folge eines Schlaganfalls oder eines Schädeltraumas auftreten kann, ist es nicht möglich, der Läsion vorzubeugen.

Bücher über Augenentzündung & Augenkrankheiten

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: