Trigeminusneuralgie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2017
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Eine Trigeminusneuralgie oder Gesichtsneuralgie ist die Erkrankung oder Überreizung des 5. Hirnnervs. Die Beschwerden sind starke anfallsartige Schmerzen im Gesicht. Die Behandlung wird zunächst mit Medikamenten durchgeführt, in schweren Fällen kann eine Operation nötig sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des Trigeminusnervs. Er innerviert mit seinen drei Ästen (trigeminus = Drilling) das Gesicht, den Kauapparat und den Schlund und ist direkt mit dem Gehirn verbunden. Er gehört zu den 12 Hirnnerven und wird als 5. Hirnnerv bezeichnet.

Neuralgie ist das medizinische Fachwort für Nervenschmerz (neuron = Nerv, -algie = Schmerz). Eine Trigeminusneuralgie äußert sich in anfallsartigen Schmerzen an der Wange, in Ober- und Unterkiefer sowie auf der Stirn, um das Auge oder in der Stirnhöhle.

Man unterscheidet zwischen symptomatischer und klassischer Trigeminusneuralgie. Die seltener vorkommende symptomatische Form tritt als Begleiterscheinung zu anderen Grunderkrankungen auf, häufig bei multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall. Sie entsteht oft beidseitig. Die klassische Trigeminusneuralgie ist die häufigere Art. Sie bildet sich meist nur einseitig und ist von beschwerdefreien Intervallen gekennzeichnet.

Ursachen

Die Ursache für eine Trigeminusneuralgie ist eine Schädigung, Überreizung oder Erkrankung des 5. Hirnnervs (Trigeminusnerv). Bei der klassischen Trigeminusneuralgie ist der Auslöser meist ein erhöhter Druck auf den Nerv.

Dies wird durch verdickte Blutgefäße verursacht. Wenn Arterien verkalkt sind, lässt ihre Elastizität nach und sie werden dick und unbeweglich. Liegt nun eine solche verdickte Arterie in der Nähe des Nervs, erzeugt sie Druck und verursacht so eine Reizung oder Schädigung des Nervs.

Bei der selteneren symptomatischen Trigeminusneuralgie liegt die Ursache in einer anderen Erkrankung. Bei multipler Sklerose entzünden sich die Nerven und lösen so die Trigeminusneuralgie aus, bei einem Schlaganfall kann eine Durchblutungsstörung im Gehirn die Neuralgie verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Beschwerden bei einer Trigeminusneuralgie äußern sich hauptsächlich in plötzlich einschießenden starken Schmerzen im Gesicht, die nur wenige Sekunden lang andauern und dann wieder nachlassen. Sie fühlen sich an wie Stromstöße und können sich in mehreren kurzen Intervallen wiederholen und dann für einen Zeitraum wieder verschwinden.

Oft werden diese Schmerzattacken durch Berührungen im Gesicht oder durch Bewegungen des Kiefers ausgelöst. Es kann beim Kauen oder Schlucken passieren, beim Zähneputzen oder auch beim Sprechen. Manchmal werden die Attacken auch durch einen Luftzug ausgelöst. Die Schmerzen einer Trigeminusneuralgie gehören zu den stärksten Schmerzen, die es gibt. Betroffene vermeiden oft zu essen oder zu sprechen, da dadurch die Schmerzattacken ausgelöst werden.

Um die Diagnose Trigeminusneuralgie eindeutig stellen zu können, muss der Arzt zunächst die Krankengeschichte des Patienten erfragen und ihn neurologisch untersuchen. Durch eine zahnärztliche, orthopädische und HNO-ärztliche Untersuchung kann man andere Krankheiten mit ähnlichen Schmerzen ausschließen. Mit einer Kernspintomografie (MRT) kann man frühere Schlaganfälle, Tumore oder Entzündungen erkennen, die eventuell der Auslöser für die Trigeminusneuralgie sind.

Komplikationen

Die äußerst schmerzhafte Trigeminusneuralgie kann verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Diese sind meist als postoperative Komplikationen einzuordnen. Aufgrund der anfallsartig auftretenden und heftigen Schmerzen können die Betroffenen bei einer Trigeminusneuralgie an schmerzbedingten Depressionen leiden.

Abgesehen vom medizinischen Behandlungsziel, eine dauerhafte Schmerzlinderung zu erwirken, sind manchmal psychotherapeutische Interventionen notwendig. Sind die Schmerzattacken der Trigeminusneuralgie mit Medikamenten nicht zu lindern - oder haben diese zu starke Nebenwirkungen - sind operative Methoden üblich. Die ehemals ausgeführte Durchtrennung des Trigeminus führte meist zu einer partiellen Gesichtslähmung.

Da diese Operationsmethode oft mehr Schmerzen hervorrief als zuvor, ist man von dieser Behandlungsmethode abgekommen. Doch auch die heute eingesetzten OP-Methoden sind nicht risikolos. Bei symptomatischen Trigeminusneuralgien können die potenziell möglichen Komplikationen von der zugrunde liegenden Erkrankung geprägt sein.

Es kann sich dabei um Krebserkrankungen oder Multiple Sklerose handeln. Entsprechende Komplikationen wie Metastasenbildungen, Lähmungen oder Blindheit sind denkbar. Nach Operationen am Ganglion Gasseri kann es zu Druckempfindlichkeit, Empfindungsstörungen oder noch stärkeren Schmerzen kommen. Diese sind allerdings meist Dauerschmerzen.

Bei der mikrovaskulären Dekompression bestehen neben erhöhten Narkoserisiken auch höhere Komplikationsrisiken. Gelegentlich kommt es durch den Eingriff zu einseitigem Hörverlust, Blutungen oder Kleinhirn-Schwellungen. Bei Bestrahlungen des gereizten Trigeminusnervs mit einem Linearbeschleuniger treten vergleichsweise weniger Komplikationen auf. Die Erfolgsquote ist deutlich niedriger.

Behandlung & Therapie

Die Trigeminusneuralgie wird zunächst mit Schmerzmitteln behandelt. Die üblichen apothekenpflichtigen Medikamente sind hierbei allerdings wirkungslos, da die Schmerzen extrem stark sind. Treten sehr viele Schmerzattacken hintereinander in einem kurzen Zeitraum auf, so wird intravenös mit einem hoch dosierten Antiepileptikum behandelt.

Für diese Therapie bei einem akuten Anfall ist die stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus nötig. Um den Schmerzattacken vorzubeugen, werden Antiepileptika als Tabletten in niedrigeren Dosen, aber dauerhaft, verabreicht. Liegen andere Grunderkrankungen vor, so müssen diese in erster Linie behandelt werden, da sie die Auslöser für die Trigeminusneuralgie sind.

Tritt durch die medikamentöse Behandlung keine Besserung ein, so ist eine Operation möglich. Dabei wird in einem chirurgischen Eingriff der Schädelknochen eröffnet, um den Nerv von einengenden Gefäßen zu befreien. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit, bei der keine chirurgische Eröffnung des Schädels nötig ist, ist die radiochirurgische Therapie. Hierbei wird der Nerv durch den Knochen hindurch mit Strahlen behandelt.

Eine dritte Möglichkeit zur Behandlung der Trigeminusneuralgie ist die perkutane (durch die Haut) Thermoagulation, bei welcher unter Kurznarkose eine Sonde zu Nervenzellen des Trigeminusnervs geschoben wird und dort mit Hitze die Schmerzfasern des Nervs zerstört werden.

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Vorbeugung

Gegen eine Trigeminusneuralgie kann man nicht vorbeugen. Man kann jedoch durch ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise einer Arterienverkalkung vorbeugen, die oft Ursache für eine Trigeminusneuralgie ist.

Bücher über Gesichtsschmerz

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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