Trichomonas intestinalis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juni 2017
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Trichomonas intestinalis stellt ein Protozoon dar, welches zur Gruppe der Trichonomaden gehört. Als Bewohner des Dünndarms ernährt er sich als Kommensale. Trichomonas intestinalis soll für eine Form der Dysenterie verantwortlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Trichomonas intestinalis?

Die Bedeutung von Trichomonas intestinalis für die Gesundheit ist noch nicht eindeutig geklärt. Er ist ein Protozoon und gehört zur Gruppe der Trichonomaden. Trichomonas intestinalis ist hauptsächlich im Darm beheimatet. Dort ernährt er sich als sogenannter Kommensale ohne parasitische Eigenschaften. Im Allgemeinen gilt Trichomonas intestinalis als harmlos. Er ist ein Mitbewohner, der eigentlich nach heutigen Erkenntnissen keine negativen oder positiven Einflüsse auf den Organismus ausübt. Allerdings werden bestimmte Durchfallerkrankungen mit diesem Erreger in Verbindung gebracht. Ob er aber als Verursacher oder als Miterreger bei diesen Dysenterien auftritt, kann bis heute nicht eindeutig beantwortet werden.

Als Protozoon gehört Trichomonas intestinalis zu den einzelligen Urtierchen. Er ist mit Trichomonas vaginalis verwandt, einem Trichonomaden, der als Parasit die sexuell übertragbare Trichomoniasis verursacht. Im Gegensatz zu Trichomonas vaginalis ist jedoch über Trichomonas intestinalis fast kaum etwas bekannt. Es bestehen bis heute sogar einige Zweifel, dass er tatsächlicher Verursacher der ihm zugeschriebenen Dysenterie ist.

Trichomonas intestinalis gehören wie alle Trichonomaden zu den Flagellaten. Flagellaten sind Geißeltierchen. Sie besitzen also eine Geißel zur Fortbewegung. Trichomonas intestinalis ernährt sich von Darmbakterien.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Wenn von Trichonomaden gesprochen wird, ist in der Regel von Trichomonas vaginalis und die von diesem Erreger verursachte Trichomoniasis die Rede. Dieser Erreger lebt parasitisch und ist in der Vagina, der Prostata, unter der Penisvorhaut oder der Harnröhre beheimatet. Beim Mann verläuft eine Infektion symptomlos, während bei der Frau eine Entzündung in der Vagina auftritt.

Trichomonas intestinalis ist eine verwandte Spezies. Allerdings befindet sich sein Lebensraum im Dünndarm des Menschen. Dort verhält er sich in der Regel absolut unauffällig, sodass er bei den Beschreibungen von Trichonomaden kaum eine Rolle spielt.

Trichomonas intestinalis wurde schon im Jahre 1879 von Leukart beschrieben. Es handelt sich um einen viergeißeligen Flagellaten, der birnenförmig erscheint. Die birnenförmige Zelle ist 5 bis 15 Mikrometer lang und bis zu 5 Mikrometer breit. Von den vier Geißeln fungieren drei als Vordergeißeln am dickeren Ende des Flagellaten. Sie entspringen einem einzelnen gemeinsamen Basalkörper. Die drei Vordergeißeln sind verhältnismäßig kurz. Die vierte Geißel entspringt einem benachbarten kleineren Basalkörper und umfasst den Körper als undulierte Membran. Nach hinten ist die Form des Einzellers zugespitzt. Am vorderen dickeren Ende befindet sich der Zellkern. Er enthält 8 Chromosomen.

Trichomonas intestinalis pflanzt sich wie jedes Protozoon ungeschlechtlich durch Zellteilung fort. Die Zellteilung erfolgt im beweglichen Zustand durch Längsteilung. Neben Zweifachteilungen wurden auch Dreifach- und Vielfachteilungen beobachtet. Zurzeit sind noch keine Zysten, also Ruhestadien, von Trichomonas intestinalis bekannt. Für andere Trichonomasarten wurden Ruhezysten nachgewiesen.

Gewöhnlicherweise lebt Trichomonas intestinalis im Dünndarm. Allerdings wurde er auch bereits in der Mundhöhle und dort besonders in kariösen Zähnen gefunden. Manchmal gelangt er auch in die Lunge und siedelt sich dort an. Des Weiteren wurde von einigen Wissenschaftlern festgestellt, dass sich Trichomonas intestinalis auch im Magen ansiedeln kann, wenn dieser nicht mehr sauer reagiert. Das heißt also, dass er bei bestimmten Magenkrankheiten dort überleben kann.

Bedeutung & Funktion

Welche Bedeutung Trichomonas intestinalis für den menschlichen Körper hat, ist nicht ausreichend bekannt. Als Parasit scheint er nicht aufzutreten. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass er eine Lebensweise als Kommensale führt. Kommensalen sind Lebewesen, die in einem Wirt leben, diesen aber dabei nicht schädigen. Sie ernähren sich von den Nahrungsrückständen des Wirts.

So wird also davon ausgegangen, dass der Trichomonas intestinalis eigentlich keine besondere Bedeutung für den menschlichen Organismus hat. Da er im Magen bei Patienten mit Achylia gastrica (Fehlen von Magensäure) nachgewiesen werden kann, wurde zunächst von einigen Autoren vermutet, dass der Trichomonas intestinalis eventuell als Marker für ein Magenkarzinom fungieren könnte. Allerdings gibt es auch eine gutartige Achylia gastrica, die nicht durch Magenkrebs verursacht wird. Auch bei dieser Form der Erkrankung wird Trichomonas intestinalis im Magen gefunden. Somit entfällt auch dessen Bedeutung für die Diagnose bösartiger Tumore weg.

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Krankheiten & Beschwerden

Wie bereits erwähnt, ist auch die Bedeutung von Trichomonas intestinalis als Krankheitserreger umstritten. Im Zusammenhang mit Durchfallerkrankungen wurden immer wieder größere Mengen dieses Erregers festgestellt. Zumindest bedeutet diese Feststellung, dass der Trichomonas intestinalis auch in den Dickdarm gelangen kann. Daher wurde er für Diarrhöen verantwortlich gemacht, die einer Dysenterie (Ruhr oder Amöbenruhr) ähneln. Zweifel kamen jedoch auf, als auch bei gesunden Personen, die verstärkt Abführmittel eingenommen hatten, in der Stuhlprobe ebenfalls Trichomonas intestinalis entdeckt wurde. Möglicherweise verschlimmern die Erreger bestehende Durchfallerkrankungen im Rahmen einer Koinfektion oder anderen Darmerkrankungen.

Selbst diese Vermutung scheint mittlerweile allerdings fraglich zu sein, denn in Darmgeschwüren konnte bisher nie Trichomonas intestinalis nachgewiesen werden. Auch eine Übertragung des Erregers ist noch nicht beobachtet worden. Vieles deutet daher auf die völlige Harmlosigkeit des Erregers hin.

Andererseits wurde festgestellt, dass Trichomonas intestinalis nach der Ausheilung der Durchfallerkrankung im Stuhl nicht mehr nachweisbar ist. Das impliziert wiederum doch eine gewisse Bedeutung des Erregers für Darmerkrankungen.

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