Trichodynie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juli 2017
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Die Trichodynie stellt Miss- und Empfindungsstörungen in Form von Kribbeln, Jucken, Brennen oder Schmerzen auf der Kopfhaut dar, die meist mit Haarausfall an den betroffenen Arealen verbunden sind. Es können jedoch keine Veränderungen auf der Kopfhaut festgestellt werden. Als Ursache gilt eine Verspannung der Schädelmuskulatur.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Trichodynie?

Der Begriff Trichodynie stammt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „Haarschmerz“. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Haare keine Nerven besitzen und daher auch nicht schmerzen können. Der eigentliche Bereich der Schmerzen stellt aber die Kopfhaut dar. An der betreffenden Stelle kommt es dann meist auch zu Haarausfall.

Häufig sind Personen betroffen, die ohnehin bereits an Kopfschmerzen, an Angststörungen oder Depressionen leiden. Des Weiteren wurde ein Zusammenhang mit [[Stress9] und psychischen Belastungen festgestellt. Äußerlich können keine Veränderungen auf der Kopfhaut registriert werden. Da viele Ärzte dieses Krankheitsbild nicht kennen, werden die Beschwerden der Patienten häufig auch nicht ernst genommen.

Vielfach wird dieses Phänomen als psychische Störung abgetan. Es hat sich aber gezeigt, dass sowohl der anlagebedingte Haarausfall bei Männern (androgenetische Alopezie, AGA) als auch der diffuse Haarausfall bei beiden Geschlechtern (TE) oft mit einer Trichodynie verknüpft sein kann. Wie bereits erwähnt, verstärken sich die Symptome bei Stress oder psychischen Belastungen.

Ursachen

Als Ursache der Trichodynie wurde eine Verspannung der Muskulatur des Schädels erkannt. Diese Verspannung wird häufig durch Stress, psychische Belastungen oder auch konzentrierte Arbeit am Computer erzeugt. So ist der Schädel umgeben von flachen Muskel- und Sehnensträngen. Dabei gibt es die Muskelgruppen von Musculus occipitalis (Hinterkopf), von Musculus temporoparietalis (an den Ohren) und von Muskulus frontalis (Stirn).

Alle drei Muskelgruppen sind mit der Kopfhaut vernetzt und werden neben den Haarwurzeln von kleinsten Blutgefäßen mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Die Kopfhaut spannt sich straff über das Schädeldach, wobei sich ihre Spannung bei Konzentration und psychischer Belastung noch verstärkt. Ausdruck dafür sind typische Falten, die sich durch häufige charakteristische Spannungszustände mit der Zeit ausbilden.

Dazu zählen unter anderem die Zornesfalte, die Krähenfüße oder quere Stirnfalten. Ursache dafür ist die ständig erhöhte Muskelspannung. Die stark angespannte Kopfhaut presst allerdings die darunterliegenden feinen arteriellen und venösen Blutgefäße zusammen und verhindert so die ausreichende Versorgung bestimmter Bereiche mit Nährstoffen und Sauerstoff. In der Folge sterben Haarwurzeln ab und das Haar fällt aus.

Gleichzeitig kann durch den Sauerstoffmangel in diesen Regionen Glukose nicht mehr richtig abgebaut werden. Es findet nur noch ein Abbau zu Milchsäure statt. Milchsäure oder Laktat sammelt sich in der Muskulatur an, übersäuert den Muskel und verursacht dadurch Schmerzen. Bekannt ist die Wirkung von Milchsäure beim sogenannten Muskelkater. Das Kribbeln und Jucken wird durch die verstärkte Erregung der Rezeptoren von Muskel- Sehnen- und Hautzellen hervorgerufen.

Diese Erregungen sind ebenfalls Folge der starken Muskelverspannungen. Durch den ständigen Druck der verspannten Muskulatur kommt es auch zu einer erhöhten Reizung der Nerven. Diese Reizaktivität wirkt sich wiederum verstärkend auf die Verspannung der Muskulatur aus. Schließlich bildet sich ein Teufelskreis heraus, der ohne Behandlung nur schwer durchbrochen werden kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Es wurde bereits erwähnt, dass sich die Trichodynie durch Schmerzen, Kribbeln (Ameisenlaufen) oder Jucken auf der Kopfhaut auszeichnet, ohne dass organische Befunde vorliegen. An der betroffenen Stelle finden sich keine Entzündungen oder Infektionen. Zusätzlich zu den Missempfindungen auf der Kopfhaut fallen in diesem Areal die Haare aus.

Sowohl der anlagebedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie) als auch der diffuse Haarausfall kann von einer Trichodynie begleitet sein. Typisch sind vorausgegangene Stresssituationen, psychische Belastungen oder psychische Vorerkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Von alleine verschwinden die Missempfindungen auf der Kopfhaut nicht.

Sie verursachen im Gegenteil weitere psychische Belastungen, wodurch sich die Beschwerden chronifizieren. Auch viele Kopfschmerzpatienten bilden oft eine Trichodynie aus. Bestimmte Formen des Kopfschmerzes werden ebenfalls durch Muskelverspannungen hervorgerufen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Trichodynie kann leicht anhand der Symptome diagnostiziert werden. Über eine ausgiebige Anamnese sollte die Ursache der Muskelverspannungen festgestellt werden. Dabei gilt es zu ergründen, welche konkreten Belastungssituationen oder psychische Vorerkrankungen vorliegen. Für die Behandlung ist auch wichtig zu wissen, ob die zugrunde liegende Haarerkrankung anlagebedingt oder diffus ist.

Behandlung & Therapie

Grundlage der Behandlung ist die Lösung der Verspannungen in der Schädelmuskulatur, um die Kopfhaut und die Haarwurzeln wieder ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Wenn dies erreicht wird, können die Missempfindungen und Schmerzen sowie der Haarausfall teilweise wieder rückgängig gemacht werden. Das Kribbeln, Jucken oder die Schmerzen der Kopfhaut können für mehrere Monate zurückgedrängt werden.

In vielen Fällen ist auch ein erneutes Haarwachstum wieder möglich. Bei der sogenannten AC-Therapie werden muskelentspannende Medikamente verabreicht. Bereits nach zwei bis drei Tagen lösen sich die Spannungen. Im Rahmen dieser Therapie wird fast immer eine Linderung oder gar das völlige Verschwinden der Symptome der Trichodynie erreicht.

Der Behandlungserfolg kann zwischen vier und sieben Monate anhalten. Da die Wirkung von muskelentspannenden Medikamenten jedoch reversibel ist, beginnen nach dieser Zeit die Symptome erneut. Dann muss die Therapie wiederholt werden.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung vor einer Trichodynie wird hauptsächlich die Vermeidung von Stress empfohlen. Bei anstrengenden Arbeiten am Computer oder bei Tätigkeiten, die viel Konzentration erfordern, sollten zur Entspannung unbedingt Pausen eingelegt werden.

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Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

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