Tricho-rhino-phalangealen Dysplasie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Als tricho-rhino-phalangeale Dysplasien werden drei mutationsbedingte Fehlbildungssyndrome zusammengefasst. Die ursächlichen Mutationen betreffen das TRPS1-Gen auf dem langen Arm von Chromosom 8. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und beginnt idealerweise in Form einer Frühförderung noch im ersten Lebensjahr.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine tricho-rhino-phalangeale Dysplasie?

Dysplasien sind Missbildungen von Körperteilen, Organen oder Geweben. Zahlreiche Krankheitsbilder gehen mit Dysplasien einher. Das gilt vor allem für angeborene Fehlbildungssyndrome. Zu den Fehlbildungssyndromen wird die tricho-rhino-phalangeale Dysplasie gerechnet. Das Syndrom ist durch eine Kombination von fazialen Dysmorphien und Zapfenepiphysen gekennzeichnet.

Die tricho-rhino-phalangeale Dysplasie lässt sich in drei unterschiedliche Typen aufgliedern:

  • Die Erstbeschreibung des Typ I wurde vom deutschen Hautarzt Klingmüller Mitte des 20. Jahrhunderts vorgenommen.
  • Typ II ist als Langer-Giedion-Syndrom bekannt. Giedion klassifizierte die Erkrankung im 20. Jahrhundert als Wachstums- und Entwicklungsstörung.
  • Typ III wird Alè-Calò-Syndrom genannt und geht auf die italienischen Erstbeschreiber G. Alè und S. Calò zurück.

Die exakte Prävalenz der angeborenen Erkrankung ist bislang unbekannt. Es handelt sich Schätzungen zufolge um eine seltene Erkrankung mit familiären Häufungen. Die Vererbung erfolgt vermutlich im autosomal-dominanten Erbgang. Auch spontane Neumutationen wurden im Rahmen der Erkrankung aber beobachtet. Die genaue Ursache und das klinische Bild hängen im Einzelfall vom Typen der Erkrankung ab.

Ursachen

Die Ursache der tricho-rhino-phalangealen Dysplasie ist eine Genmutation oder eine chromosomale Deletion. Der lange Arm von Chromosom 8 wurde als Lokalisation der Genmutation identifiziert. Auf dem Genlokus 8p24.1 dieses Chromosoms liegt das verantwortliche TRPS1-Gen. Typ I der Dysplasie tritt mit einem teilweisen oder vollständigen Verlust einer TRPS11-Genkopie auf. Ebenso denkbar ist eine ursächliche Chromsomenanomalie, die das Gen durch Translokation oder Inversion zerstört.

Die häufigste Ursache stellt eine Punktmutation des Gens dar. Beim zweiten Typen der Dysplasie liegt eine Deletion vor. Den Betroffenen fehlt so ein mehr oder weniger großer Teil des EXT1- und des TRPS1-Gens. Oft gehen zusätzlich noch weitere Gene verloren. Der Typ II wird daher als Gengruppen-Syndrom bezeichnet. Dem dritten Typen der tricho-rhino-phalangealen Dysplasie geht immer eine Missense-Mutation im Exon sechs des TRPS1-Gens voraus.

Für die Deletionen gilt spontane Neumutation als ausschließliche Primärursache. Die beiden anderen Formen der Dysplasie können autosomal-dominant vererbt werden. Bei der Vererbung liegt vollständige Penetranz vor. Jede Veränderung in den betreffenden Genen führt zu einer Erkrankung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Für alle Typen der tricho-rhino-phalangealen Dysplasie gelten an den Mittelphalangen Zapfenepiphysen als kennzeichnend. Diese Erscheinung ist bei allen Unterformen der Krankheit mit einer birnenförmigen Deformierung der Nase, Muskelschwäche und einem hohen Philtrum vergesellschaftet. Außerdem kann dünnes und spärliches Haar mit oft vorzeitiger Alopezie einen charakteristischen Hinweis auf die Krankheitsgruppe geben. Die weiteren Symptome unterscheiden sich in Abhängigkeit vom Typen.

Bei Typ I liegt zusätzlich oft Minderwuchs mit einer ausgeprägten Verkürzung der Phalangen oder Metatarsal- und Metacarpalknochen vor. Das Bild wird bei dieser Unterform der Erkrankung von Hüftkopfveränderungen abgerundet. Typ II der Krankheit ist von verminderter Intelligenz geprägt.

In den ersten Lebensjahren treten bei dieser Unterform oft Exostosen an den langen Knochenenden auf, die mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen einhergehen. Der Typ III ist die ausgeprägteste Variante der tricho-rhino-phalangealen Dysplasie und ähnelt in seinen Grundzügen dem Typ I. Der ist bei dieser Variante aber stärker ausgeprägt. Zusätzlich liegt eine schwere Brachydaktylie vor.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Verdachtsdiagnose einer tricho-rhino-phalangealen Dysplasie kann blickdiagnostisch gestellt werden. Zur Sicherung der Diagnose findet Röntgenbildgebung statt. Charakteristischerweise zeigen sich im Röntgenbild Zapfenepiphysen mit extrem verkürzten, möglicherweise gelben Mittelhandknochen. Eine molekulargenetische Diagnostik kann endgültigen Aufschluss geben.

Wegen der Vielzahl an möglichen, aber relativ unspezifischen Symptomen stellt sich die Diagnose einer tricho-rhino-phalangealen Dysplasie im Einzelfall oft als Herausforderung heraus. Eine möglichst frühe Diagnose wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Die Behandlung sollte für einen günstigen Verlauf so früh wie möglich erfolgen.

Komplikationen

Die Beschwerden bei dieser Erkrankung können sehr unterschiedlich ausfallen. Aus diesem Grund hängt der weitere Verlauf der Erkrankung auch sehr stark von der genauen Ausprägung der Symptome ab. Die Patienten leiden dabei in erster Linie an einer stark ausgeprägten Muskelschwäche. Auch eine Deformation an der Nase kann dabei auftreten und sich negativ auf die Ästhetik des Patienten auswirken.

Vor allem bei Kindern oder jungen Menschen im Allgemeinen werden die Betroffenen nicht selten gemobbt oder gehänselt. Dadurch kommt es auch zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen. Weiterhin tritt ein Minderwuchs ein, der sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirkt.

In einigen Fällen führt die Krankheit zu einer verringerten Intelligenz, sodass die betroffenen Menschen in ihrem Leben auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind. Auch die Eltern oder die Angehörigen leiden dadurch häufig an psychischen Beschwerden oder auch an Depressionen. Da keine ursächliche Behandlung dieser Krankheit möglich ist, können nur die einzelnen Symptome behandelt werden.

Dabei kommt es nicht zu weiteren Komplikationen. Allerdings wird eine vollständige Heilung nicht erreicht. Mit Hilfe verschiedener Therapien können die einzelnen Beschwerden gelindert werden. Die Lebenserwartung des Patienten ist von der Erkrankung in der Regel nicht eingeschränkt.

Therapie & Behandlung

Eine ursächliche Therapie existiert für Patienten der tricho-rhino-phalangealen Dysplasie nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und richtet sich nach den Symptomen im Einzelfall. Die Zapfenepiphysen lassen sich zum Beispiel durch chirurgische Intervention behandeln. Resektionsarthrodesen mit Zuggurtungsosteosynthesen bieten eine Interventionsmöglichkeit. Auf diese Weise werden die Schmerzen der Patienten reduziert.

In einer supportiven Therapie wird außerdem Sprachproblemen, Entwicklungsproblemen, Muskelschwächen und kognitiven Einschränkungen begegnet. Zur Behandlung der Sprachprobleme stehen Sprachtherapien zur Verfügung. Lernspiele fördern die kognitive Entwicklung der Patienten und Physiotherapie kann zur Muskelstärkung zum Einsatz kommen. Idealerweise finden die supportiven Maßnahmen bereits im ersten Lebensjahr in Form einer Frühförderung Einsatz.

Medikamentöse Therapien zur Vorbeugung von Infektionen sind denkbar. So zum Beispiel die Gabe von infektionshemmendem pädiatrischem Septrin. Auf Seiten der diätischen Therapie kann überkalorische Nahrungsergänzung zum Einsatz kommen. Um insbesondere die Eltern beim Umgang mit der Erkrankung zu unterstützen, bieten sich psychotherapeutische Maßnahmen, Aufklärungsgespräche und Selbsthilfegruppen an. Aktuell stellt die Gentherapie einen wichtigen Fokus in der medizinischen Forschung dar. Tricho-rhino-phalangeale Dysplasien werden so in Zukunft möglicherweise ursächlich durch Gentherapie behandelbar sein.

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Vorbeugung

Tricho-rhino-phalangeale Dysplasien werden durch Mutationen verursacht. Welche Zusammenhänge zu den Mutationen führen, ist bislang nicht bekannt. Aus diesem Grund lässt sich dem Krankheitsbild nur schwer vorbeugen. Ein Betroffener gibt die Erkrankung mit einem Risiko von bis zu 50 Prozent an die eigenen Kinder weiter. Dieser Zusammenhang lässt sich bei der Familienplanung bedenken.

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Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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