Treponema pallidum

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Bei Treponema pallidum handelt es sich um eine Bakterienspezies aus der Familie der Spirochäten. Das Bakterium ist schraubenförmig gewunden und löst verschiedene Infektionskrankheiten aus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Treponema pallidum?

Treponema pallidum stellen in der Familie der Spirochäten eine Spezies von gram-negativen, schraubenförmigen Bakterien dar. Spirochäten selbst sind durch eine ungewöhnlich lange (etwa 5 bis 250 µm), dünne (Durchmesser etwa 0,1 bis 0,6 µm) und spiralig gekrümmte Form gekennzeichnet.

Die Spezies Treponema pallidum kann noch einmal in mehrere Subspezies unterteilt werden, welche jeweils unterschiedliche Infektionskrankheiten hervorrufen. Für den Menschen handelt es sich um obligat pathogene Erreger. Somit befallen sie auch gesunde und immunkompetente Wirte und verursacht bei diesen Krankheiten.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Treponema pallidum ist eine Spezies der Spirochäten, welche sich wiederum vorrangig als freilebende Bakterien in Böden, Gewässern sowie Gewässerschlamm befinden. Treponema pallidum überlebt außerhalb des Menschen allerdings nicht lange, denn es reagiert empfindlich auf Hitze, Trockenheit, Kälte und andere Umweltbedingungen.

Treponema pallidum kommt nur bei Menschen vor. Eine Übertragung des Bakteriums ist nur durch direkten Kontakt mit den Schleimhäuten einer infizierten Person möglich. In der Regel kommt es beim Geschlechtsverkehr zur Ansteckung. Treponema pallidum dringt dabei über kleinste Verletzungen in die Haut oder Schleimhaut ein, in der Regel im Genital- und Analbereich.

Selten kann die Infektion auch über die Mundhöhle oder infizierte Gegenstände erfolgen. Zudem kann eine infizierte Mutter Treponema pallidum ab dem 4. Monat der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind übertragen. Theoretisch ist auch die Übertragung über Bluttransfusion möglich, aufgrund systematischer Kontrollen in Deutschland aber praktisch ausgeschlossen.

Treponema pallidum hat eine Länge von 5 bis 15 µm und eine Breite von etwa 0,2 µm. Das Bakterium besitzt zwischen 10 und 20 Windungen und bewegt sich durch Rotation um seine Längsachse fort. Treponema pallidum weist sehr feine Strukturen auf, weshalb eine Darstellung selbst mit Färbungen unter dem Mikroskop nur schwer möglich ist. Lebensbeobachtungen können allerdings mit der Dunkelfeldmikroskopie durchgeführt werden. Der Nachweis der Erreger erfolgt mittels serologischem Bluttest.

Da es sich bei Treponema pallidum um ein pathogenes Bakterium handelt, verursacht es behandlungsbedürftige Infektionskrankheiten. Eine Ausheilung der jeweiligen Erkrankung ist nur durch Gabe von Antibiotika möglich.

Wichtig im Zusammenhang mit der Übertragung ist, dass Kondome beim sexuell übertragbaren Erreger zwar wirksam, aber nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion schützen. Zur Vermeidung einer Ansteckung sollten infizierte Personen deshalb auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Wird Treponema pallidum nachgewiesen, ist eine nichtnamentliche Meldung an das RKI durch das diagnostizierende Labor vorzunehmen. Kommt es zu einer örtlichen Ausbreitung, müssen die zuständige Gesundheitsbehörde sowie Ärzte der Region informiert werden, um vorbeugende Maßnahmen zur weiteren Ausbreitung zu ergreifen. Dies ist vor allem bei der durch Treponema pallidum pallidum ausgelösten Syphilis der Fall.

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Krankheiten & Beschwerden

Treponema pallidum löst je nach Subspezies unterschiedliche Krankheiten aus. Die Syphilis ist die wohl bekannteste Erkrankung, ausgelöst von Treponema pallidum pallidum. Dabei handelt es sich um eine sexuell übertragbare Infektionskrankheit, die auch als Lues, Lues venerea oder harter Schanker bezeichnet wird. Die Übertragung der Syphilis erfolgt vor allem bei sexuellen Handlungen durch Kontakt mit den Schleimhäuten. Eine Infektion ist außerdem bei der Geburt möglich, wenn eine infizierte Mutter den Erreger auf ihr Kind überträgt. In diesem Fall spricht man von einer Syphilis connata.

Die Syphilis zeigt ein sehr vielfältiges Erscheinungsbild. Charakteristisch sind schmerzlose Geschwüre an Schleimhäuten und Schwellungen der Lymphknoten zu Beginn der Erkrankung. Auch ein chronischer Verlauf ist möglich, welcher durch einen vielfältigen Befall von Haut und Organen geprägt ist. Im Endstadium der Syphilis sorgt die Erkrankung für eine Zerstörung des zentralen Nervensystems. Die ersten Symptome treten etwa drei Wochen nach der Infektion auf.

Die Syphilis verläuft in 4 Stadien. Bei der primären Syphilis kommt es zur Bildung eines schmerzlosen Knotens an der Infektionsstelle, welcher hoch ansteckend ist. Auch eine Lymphknotenschwellung tritt auf, unter Umständen können körperliche Veränderungen aber auch ausbleiben.

Gefolgt wird diese Phase von der sekundären Syphilis, bei der es zu einer Ausbreitung des Erregers über Blut und Lymphbahnen im gesamten Körper kommt. Sie ist geprägt von Veränderungen an Haut und Schleimhäuten sowie der Bildung von schuppigen und/oder eitrigen Bläschen und ebenfalls hoch ansteckend.

Nach einer stummen und zum Teil lang andauernden Phase tritt die tertiäre Syphilis auf, bei der es zum Ausbruch von Symptomen wie Knötchen an der Schleimhaut kommt. Diese zerfallen dann zu Geschwüren, auch die Zerstörung von Muskeln, Haut und Organen schreitet weiter fort. In diesem Stadium der Syphilis kann es zu psychischen und neurologischen Ausfällen (z. B. Demenz) kommen.

Das letzte Stadium ist die quartäre Syphilis (Neurosyphilis). Sie verläuft oft symptomlos, ohne Behandlung geht allerdings langsam das Gewebe im Gehirn zugrunde. Ist die Syphilis angeboren, haben Kinder oft geistige und/oder körperliche Behinderungen und kommen als Mangel- oder Frühgeburten zur Welt. Wurde die Diagnose Syphilis gestellt, erfolgt die Behandlung mit Antibiotika wie Penicillin. Damit ist Syphilis heilbar.

Durch das Bakterium Treponema pallidum endemica wird die endemische Syphilis (Bejel) ausgelöst. Es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die nicht sexuell übertragen wird. Die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion bei engem sozialem Kontakt. Vorrangig tritt die nichtvenerische Syphilis bei Kindern zwischen 4 und 10 Jahren auf, die in den trockenen Gebieten von Afrika, auf der arabischen Halbinsel und im Nahen Osten leben. Die Behandlung erfolgt mit Penicillin über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen, schwere Fälle müssen länger behandelt werden.

Die Hautkrankheit Pinta wird durch Treponema pallidum carateum ausgelöst und kommt vor allem in Zentral- und Südamerika sowie Mexiko vor. Es handelt sich um eine so genannte tropische Treponematose, bei der es im Krankheitsverlauf zu depigmentierten oder hypopigmentierten Hautstellen kommt. Diese werden als Leukoderma bezeichnet.

Die Übertragung erfolgt durch Hautkontakt, nach etwa 1 bis 3 Wochen zeigen sich die Symptome. In den meisten Fällen verläuft Pinta chronisch und dauert jahrelang an, die Therapie erfolgt in der Regel mit Benzylpenicillin.

Treponema pallidum pertenue ist Erreger der nichtvenerischen Infektionskrankheit Frambösie, die vorrangig in tropischen Regionen auftritt. Abgeleitet wird der Name vom französischen Wort für Himbeere (Framboise). Mit dem Namen werden auch die typischen Veränderungen der Haut beschrieben. Die Heilungschancen sind bei einer Behandlung mit Penicillin gut.

Den Infektionskrankheiten, die durch die Erreger der Spezies Treponema pallidum verursacht werden, kann nicht mit einem Impfstoff vorgebeugt werden.

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