Transverse Myelitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juli 2017
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Die Transverse Myelitis ist ein neurologisches Syndrom, welches mit einer Schädigung von Nervenzellen im Rückenmark einhergeht. In vielen Fällen führt eine Behandlung mit Cortison zu einer fast vollständigen Rehabilitation.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Transverse Myelitis?

Transverse Myelitis (TM) ist eine neurologische Erkrankung, die mit einer Entzündung des Rückenmarks einhergeht. Dabei steht „Myelitis“ für eine Entzündung des Rückenmarks und „Transvers“ bezieht sich auf die Tatsache, dass der gesamte Querschnitt des jeweiligen Rückenmarksegments betroffen ist. Die Entzündungsprozesse in der Wirbelsäule schädigen Nervenzellen, indem die Myelinscheide um die Nervenfaser angegriffen wird.

Myelin spielt im zentralen Nervensystem eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von elektrischen Signalen. Bei der Transversen Myelitis ist die Übertragungsgeschwindigkeit deutlich herabgesetzt. Die TM ist eine relativ seltene Erkrankung. Statistisch sind Männer und Frauen gleich häufig betroffen. Jugendliche im Alter zwischen zehn und neunzehn Jahren beziehungsweise Erwachsene zwischen 30 und 49 Jahren weisen das höchste Risiko auf, an TM zu erkranken.

Ursachen

Bei der idiopathischen Transversen Myelitis ist die Ursache unbekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dabei kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems, bei der gesundes Gewebe dauerhaft geschädigt wird. Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Myelinscheide der Nervenzellen im Gehirn zerstört wird.

Bei der Transversen Myelitis könnte ein ähnlicher Krankheitsverlauf vorliegen, bei dem jedoch die Nervenzellen des Rückenmarks geschädigt werden. Gelegentlich tritt die Erkrankung in Verbindung mit einer anderen Erkrankung auf. TM kann sich beispielsweise in Folge einer Infektion entwickeln. Eine Infektion mit Krankheitserregen wie dem HIV-Virus, dem Epstein-Barr-Virus, Herpes Zoster oder dem Tollwuterreger führt in seltenen Fällen zu einer Transversen Myelitis.

Bakterielle Erkrankungen wie Tuberkulose, Lyme-Borreliose oder Syphilis stehen ebenso im Verdacht, TM auszulösen. Außerdem tritt diese neurologische Erkrankung in seltenen Fällen zusammen mit Autoimmunerkrankungen wie Sarkoidose oder MS auf. Überdies kann eine TM in einer Thrombose der Spinalarterien begründet liegen. Die Spinalarterien sind für die Versorgung des Rückenmarks mit Blut verantwortlich.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Beschwerden bei einer TM hängen stark von der betroffenen Stelle des Rückenmarks ab. Erste Symptome treten innerhalb von Stunden bis Wochen nach dem Beginn der Erkrankung auf. Bei ungefähr der Hälfte der Betroffenen erreicht die Entzündung bereits innerhalb des ersten Tages ihren Höhepunkt. Beschwerden entstehen, weil sich in der Wirbelsäule motorische Neuronen befinden, welche ihre Arbeit nicht mehr ausreichend ausführen können.

Der Informationsaustausch zwischen der Körperperipherie wie den Extremitäten und dem Gehirn wird gestört. Betroffene leiden unter Gefühlsstörungen und Rückenschmerzen. Bei schweren Verläufen treten Funktionsstörungen der Harnblase und des Enddarms auf. Das erste Anzeichen einer Transversen Myelitis ist meist ein stärker werdendes Schwächegefühl in den Beinen.

Vereinzelt kann die Schwäche zusätzlich in den Armen auftreten. Unterhalb des betroffenen Rückenmarksegments kommt es zu einem Sensibilitätsverlust. Ein Taubheitsgefühl im Bereich der Beine und des Rumpfes sowie eine verminderte Schmerzempfindlichkeit sind typische Symptome einer TM. Auch die Temperaturwahrnehmung ist großteils verändert.

Sexuelle Funktionsstörungen werden in Zusammenhang mit dieser Erkrankung vielfach beobachtet. Bei schweren Verlaufsformen entwickelt sich die Muskelschwäche hin zu einer Querschnittlähmung oder spastischen Lähmung. Darüber hinaus leiden Patienten unter Stimmungsschwankungen, sind erschöpft und neigen zu depressiven Verstimmungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zu Beginn der Diagnosestellung erhebt der behandelnde Arzt eine ausführliche Anamnese. Charakteristische Symptome wie Schmerzunempfindlichkeit in den Beinen können beispielsweise durch die Reaktion des Patienten auf einen Nadelstich getestet werden. Nach der ersten Verdachtsdiagnose erfolgen meist eine Kernspintomografie und eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit.

Der Krankheitsverlauf hängt stark von den Gegebenheiten des individuellen Falls ab. Erfolgt die Behandlung rechtzeitig, erholen sich die meisten Patienten vollständig. Die Genesung ist allerdings langwierig und kann Monate bis Jahre dauern. Möglicherweise bleiben manche Symptome wie ein leichtes Kribbeln in den Beinen auch nach Ausheilen der Entzündung bestehen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie sollte so rasch wie möglich erfolgen, um permanenten Schaden an den Nerven der Wirbelsäule zu verhindern. Die Gabe von Cortison-haltigen Medikamenten hilft, die überschießende Immunreaktion zu dämpfen und der Entzündung entgegenzuwirken. Liegt eine bakterielle oder virale Infektion vor, werden Antibiotika beziehungsweise Virostatika verabreicht.

In manchen Fällen ist eine Plasmapherese im Rahmen der Akuttherapie Erfolg versprechend. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem selektiv Antikörper aus dem Blut gefiltert werden. Bei der Transversen Myelitis werden jene Antikörper entfernt, welche die Myelinschicht der Nervenfasern im Rückenmark angreifen. Diese Behandlung ist jedoch nur in speziellen Fällen anwendbar.

Nach erfolgreicher Akuttherapie folgt die Phase der Rehabilitation, in der die ursprüngliche körperliche Fitness wiederhergestellt werden soll. Störungen der Koordination, Lähmungen und Muskelschwäche werden mit Physiotherapie behandelt. Wärmeanwendungen und Massagen helfen bei Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Damit die erzielten Erfolge langfristig erhalten bleiben, ist Eigentraining zu Hause wichtig. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann auch nach erfolgter Akuttherapie und Rehabilitation eine medikamentöse Therapie notwendig sein. Diese richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen. Nicht selten ist weiterhin eine Schmerzmedikation erforderlich.

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Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung ist nicht möglich. Spätfolgen von bakteriellen oder viralen Infektionen können großteils verhindert werden, wenn rechtzeitig ein Arzt aufgesucht wird. Zusätzlich ist es wichtig, begonnene Therapien wie vorgeschrieben zu beenden und die Behandlung nicht frühzeitig abzubrechen. Bei neurologischen Defiziten wie Taubheitsgefühlen sollte umgehend ein Facharzt konsultiert werden. Auf diese Weise verbessert sich in vielen Fällen die Prognose einer Transversen Myelitis.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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