Transthyretin

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. Oktober 2016
Symptomat.deAnatomie Transthyretin

Transthyretin stellt ein in allen Wirbeltieren vorkommendes Transportprotein für Schilddrüsenhormone dar. Es wird in der Leber und in bestimmten Bereichen des Gehirns synthetisiert. Spezifische genetische Veränderungen am Transthyretin können zur Amyloidose Typ 1 oder zur ATTR-Amyloidose führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Transthyretin?

Transthyretin (TTR) gehört zu den Transportproteinen. Neben dem Thyroxin bindenden Globulin (TBG) ist es ebenfalls ein Protein, welches Schilddrüsenhormone bindet. Allerdings ist seine Bindungskraft nicht so stark wie die von TBG.

So ist L-Thyroxin (T4) zu 99,99 Prozent und Triiodthyronin (T3) immerhin zu 99 Prozent an TBG gebunden. Transthyretin bindet mit niedrigerer Affinität an das Schilddrüsenhormon T4. An T3 findet gar keine Bindung statt. Durch die Anknüpfung an die Transportproteine wird die Halbwertzeit der Schilddrüsenhormone im Körper erheblich erhöht, weil deren Ausscheidung über den Urin dadurch wesentlich verzögert ist. So beträgt die Halbwertzeit für T4 ungefähr fünf bis acht Tage. Bei T3 sind es allerdings nur etwa 19 Stunden, weil seine Bindung an TBG wesentlich geringer ist und es an Transthyretin gar nicht gebunden wird.

Die Gesamtkonzentration der Schilddrüsenhormone ist abhängig von der Konzentration der Transportproteine. Allerdings sind die gebundenen Schilddrüsenhormone im Gegensatz zu den freien nicht biologisch aktiv. Hauptbildungsorte für Transthyretin sind Leber und Plexus choroideus. Der Plexus choroideus stellt knäuelartig gestaltete arteriovenöse Gefäßstrukturen in den Hirnventrikeln dar.

Anatomie & Aufbau

Transthyretin ist ein Eiweißmolekül, welches aus 127 Aminosäuren besteht. Seine Sekundär-, Tertiär- und Quartärstruktur setzt sich aus Homotetrameren zusammen. Das Transportprotein kann im Rahmen einer Serumelektrophorese bestimmt werden. Dabei erscheint es vor dem Albuminpeak, was Transthyretin auch den alternativen Namen Präalbumin einbrachte.

Transthyretin hat eine molare Masse von 55 kDa. Der chemische Aufbau von Transthyretin erlaubt seine Bindung an die Schilddrüsenhormone und an Retinol. Da seine Konzentration bei chronischen Entzündungsreaktionen sinkt, wird es auch als Anti-Akute-Phase-Protein bezeichnet. Akute-Phase-Proteine werden in großem Maße bei Entzündungsreaktionen gebildet. So stehen sie dem Körper bei notwendigen Abwehrreaktionen schnell zur Verfügung. Das Gegenteil trifft aber auf die Anti-Akute-Phase-Proteine wie Transthyretin zu.

Funktion & Aufgaben

Die Funktion von Transthyretin besteht hauptsächlich darin, an Schilddrüsenhormone zu binden und diese zu transportieren. Zusammen mit TBG sorgt es für dessen längere Halbwertzeit im Organismus. Die Schilddrüsenhormone sind im gebundenen Zustand zwar inaktiv, aber sie können bei Bedarf jederzeit freigesetzt werden.

Eine weitere Funktion von Transthyretin besteht auch in der Bindung an Retinol. Dabei bildet es Komplexe mit dem Retinol bindenden Protein. Retinol ist freies Vitamin A, welches im Körper vielfältige Aufgaben übernimmt. So ist es für den Sehvorgang verantwortlich und beteiligt an der Funktion von Haut, Schleimhäuten, Immunsystem, Stoffwechsel und Blutkörperchen. Sowohl die Schilddrüsenhormone als auch Retinol sind nur in der freien Form aktiv. Ihre Bindung an Transportmoleküle wie Transthyretin verhindern aber unkontrollierte Reaktionen dieser Wirkstoffe. Durch die kontrollierte Freisetzung aus der Bindung mit den Transportproteinen wird die geordnete Wirkungsweise dieser Stoffe gewährleistet.




Krankheiten

Verschiedene Mutationen von Transthyretin können sowohl für dessen Mangel als auch für eine stärkere Bindung an die Schilddrüsenhormone (Hyperthyroxinämie) sorgen. Bei der Hyperthyroxinämie liegen zwar erhöhte Gesamtschilddrüsenwerte vor. Aber die Konzentration der freien Schilddrüsenhormone ist normal.

Dementsprechend findet eine normale Schilddrüsenfunktion statt. Es treten keine Symptome auf. Die Hyperthyroxinämie wird manchmal mit der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) verwechselt. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass bei der Schilddrüsenüberfunktion sowohl eine erhöhte Gesamtschilddrüsenkonzentration als auch eine höhere Konzentration der freien Schilddrüsenhormone vorliegt. Im Zusammenhang mit Transthyretin tritt aber häufig eine Amyloidose vom Typ 1 (TTR-Amyloidose) auf. Sie ist oft die Folge eines Mangels an Transthyretin, welcher wiederum genetisch bedingt ist.

Bei einer Amyloidose kommt es in den Zellzwischenräumen, dem Interstitium, zur Ablagerung von kleinen Eiweißfasern, die nicht mehr löslich sind. Diese Fasern liegen in Form von sogenannten Betafibrillen mit der Bezeichnung Amyloid vor. Die Amyloidose ist keine eigenständige Erkrankung, sondern stellt einen Sammelbegriff von mehreren unterschiedlichen Erkrankungen mit krankhaften Ablagerungsprozessen dar. Dabei sind je nach Ursache jeweils bestimmte Organe von den Ablagerungen fehlerhafter Eiweißfasern betroffen. Bei der durch Transthyretin bedingten TTR-Amyloidose können unter anderem Herz, Nervensystem, Darm, Augen, Lungen oder Nieren beteiligt sein.

Es kann zu Herzschwäche mit Herzrhythmusstörungen, Empfindungsstörungen an Händen und Füßen, Durchfall, Verstopfung, Gewichtsverlust oder in seltenen Fällen zu schweren Nierenschäden bis zur Dialysenotwendigkeit kommen. Da in der Leber Transthyretin produziert wird, kann eine Lebertransplantation zur Heilung dieser Form der Amyloidose führen. Die neue gesunde Leber synthetisiert wieder normales Transthyretin. Der Ablagerungsprozess kommt zum Stillstand. Wenn die Erkrankung jedoch schon weiter fortgeschritten ist, kann auch eine Lebertransplantation keine Heilung mehr garantieren. Eine besondere Form der TTR-Amyloidose ist die ATTR-Amyloidose (senile Amyloidose). Diese Form der Erkrankung kommt besonders im Alter vor. Auch hier ist die Ursache in genetischen Veränderungen von Transthyretin zu suchen.

Die Amyloidose führt ohne Behandlung innerhalb von wenigen Jahren zum Tod. Neben einer ursächlichen Lebertransplantation müssen symptomatische Therapien durchgeführt werden. Diese richten sich danach, welche Organe besonders betroffen sind. Bei Herzbeteiligung werden unter anderem Diuretika und ACE-Hemmer verabreicht. Wenn Herzrhythmusstörungen auftreten, kann ein Herzschrittmacher zur Besserung beitragen. Wichtig ist die Ernährung mit salzarmer Kost. Auch bei Nierenbeteiligung ist salzarme Kost, Gabe von ACE-Hemmern und Diuretika angezeigt. Gegebenenfalls wird eine Dialyse notwendig.

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