Transitorische ischämische Attacke

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2017
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Eine transitorische ischämische Attacke (kurz TIA) entsteht infolge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Im Rahmen der Attacke kommt es zu reversiblen neurologischen Ausfallerscheinungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine transitorische ischämische Attacke?

Bei einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) ist die Durchblutung des Gehirns gestört. Die Symptome ähneln denen eines Schlaganfalls. Deshalb wird die TIA auch als kleiner Schlaganfall bezeichnet. Die neurologischen Störungen, die auf eine Mikroembolie im Gehirn zurückzuführen sind, gehen innerhalb von 24 Stunden zurück. Im Durchschnitt dauern die Attacken ein bis zwei Stunden.

Alle neurologischen Ausfallerscheinungen, die länger als 24 Stunden andauern, deuten auf einen ischämischen Schlaganfall hin. Am häufigsten treten die Attacken zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr auf. Die transitorische ischämische Attacke kann als Vorbote eines echten Schlaganfalls gewertet werden und sollte deshalb dringend ärztlich abgeklärt werden.

In den ersten zwei Stunden nach einer TIA ist das Schlaganfallrisiko um zehn Prozent erhöht. In den ersten zwei Wochen steigt das Risiko zusätzlich um fünf Prozent. Jeder dritte Patient mit einer transitorischen ischämischen Attacke erleidet in seinem Leben einen Schlaganfall. Die Hälfte aller Schlaganfälle treten dabei im Jahr nach der TIA auf.

Ursachen

Eine TIA entsteht durch eine Mangelversorgung bestimmter Hirnbereiche mit Sauerstoff. Diese Unterversorgung wird auch als Ischämie bezeichnet. Ischämien werden durch Mikrozirkulationsstörungen in den Gehirngefäßen verursacht. Hauptsächlich sind für die Zirkulationsstörungen Mikroembolien zerebraler Blutgefäße verantwortlich. Es wurde festgestellt, dass viele TIA durch kleinere Schlaganfälle verursacht werden.

Die Ursachen ähneln deshalb den Ursachen des Schlaganfalls. Häufig kommt es zu arteriellen Embolien der Blutgefäße. Auch Thrombosen der venösen Abflussgefäße können eine Ischämie zur Folge haben. Wenn es beispielsweise infolge eines zu hohen Blutdrucks zu Gefäßrissen kommt, wird das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt.

Die Einblutungen haben ebenfalls neurologische Ausfallsymptome zur Folge. Auch bei Spontanblutungen bei einer gestörten Blutgerinnung, bei Subarachnoidalblutungen sowie bei subduralen oder epiduralen Hämatomen kann sich eine TIA entwickeln. Selten werden die Attacken durch Gefäßspasmen, wie beispielsweise bei einem Migräneanfall ausgelöst.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer TIA ähneln den Symptomen des kompletten Schlaganfalls. Sie sind aber in der Regel nicht ganz so stark ausgeprägt. Charakteristisch sind halbseitige Arm- und Beinlähmungen. In der medizinischen Fachsprache werden diese auch als Hemiplegie oder Hemiparese bezeichnet. Die Betroffenen können Sprachstörungen haben. Dabei sind das Sprachverständnis und die Wortfindung beeinträchtigt.

Bei der Spontansprache finden sich Wortverwechslungsstörungen und Wortneuschöpfungen. Zum Teil haben die Patienten einen zwanghaften Drang sich verbal zu äußern (Logorrhoe), sodass ein ununterbrochener und schneller Redefluss entsteht. Zusätzlich zu den Sprachstörungen können auch Sprechstörungen vorliegen. Bei einer Sprechstörung können die Betroffenen Sprachlaute nicht mehr korrekt artikulieren. Der Redefluss kann durch Stottern oder Poltern gestört sein.

Durch Mikroembolien in den Netzhautgefäßen oder im Bereich der Sehnerven kann eine Amaurosis fugax, eine vorübergehende Blindheit, entstehen. Auch Hörstörungen und Gleichgewichtsstörungen mit Schwindel und sogenannten Drop-Anfällen können auftreten. Drop Attacks sind plötzliche Stürze bei normaler Bewusstseinslage. Sie entstehen durch einen Tonusverlust der Beinmuskulatur.

Eventuell ist das Bewusstsein der Patienten getrübt. Wenn es sich wirklich um eine TIA handelt, bilden sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden komplett zurück. Für das Gehirn sind Ischämien in einem Zeitfenster von fünf bis acht Minuten tolerabel. Wenn die Ischämie länger andauert, bilden sich die Symptome nicht zurück. In diesem Fall liegt ein Schlaganfall vor.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da die Symptome in der Regel nicht besonders lange anhalten, ist eine TIA schwer zu diagnostizieren. Der Schwerpunkt der Diagnostik wird deshalb auf die Anamnese und die klinische Untersuchung gelegt. Wenn der Patient bekanntermaßen unter Herzrhythmusstörungen oder unter der Koronaren Herzkrankheit leidet, erhärtet dies den Verdacht auf eine TIA beim Vorliegen reversibler neurologischer Symptome.

Als bildgebendes Verfahren kann die Magnetresonanztomografie mit Diffusionsgewichtung zum Einsatz kommen. Dabei kann mangeldurchblutetes Hirngewebe diagnostiziert werden. Die Sensitivität liegt allerdings nur bei 50 Prozent, sodass nicht jede Unterversorgung erkannt wird. Weitere bildgebende Methoden, die zur Diagnose der TIA zum Einsatz kommen, sind die Dopplersonografie der extrakraniellen Hirngefäße, die transkranielle Dopplerultraschalluntersuchung, die Computertomografie, die Magnetresonanzangiografie und die digitale Subtraktionsangiografie.

Komplikationen

Diese Erkrankung kann zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen führen. Diese hängen dabei sehr stark von der genauen Ausprägung der Erkrankung ab. Im Allgemeinen leiden die Patienten dabei an einer starken Durchblutungsstörung im Gehirn. Es kommt dabei zu Sprachstörungen und zu allgemeinen Denkstörungen. Der Alltag der Betroffenen ist daher deutlich erschwert und eingeschränkt.

In vielen Fällen leiden die Patienten dabei auch an Stottern und weiterhin an Hörbeschwerden oder an Sehbeschwerden. In schwerwiegenden Fällen sind sie dabei auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Leben angewiesen. Es kommt zu einer Trübung des Bewusstseins und weiterhin zu einem Bewusstseinsverlust.

Auch der Muskeltonus nimmt durch die Erkrankung stark ab, sodass die Betroffenen einfache Tätigkeiten im Alltag nicht mehr durchführen können. Weiterhin kann es auch zu einem Schlaganfall kommen, welcher im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen kann. Die Behandlung dieser Erkrankung erfolgt mit Hilfe von Medikamenten. Dabei kommt es nicht zu weiteren Komplikationen.

Allerdings werden die Beschwerden dadurch nicht vollständig eingeschränkt, sodass es auch weiterhin zu einem Schlaganfall kommen kann. Die Lebenserwartung des Betroffenen ist dadurch deutlich verringert. Auch die Angehörigen oder die Eltern des Patienten können durch diese Beschwerden betroffen sein.

Behandlung & Therapie

Solange die Symptome der TIA noch bestehen, erfolgt dieselbe Behandlung wie beim Schlaganfall. Es wird versucht, den Embolus medikamentös aufzulösen. Dafür kommen spezielle Medikamente, die Fibrinolytika, zum Einsatz. Wenn eine medikamentöse Behandlung keinen Erfolg zeigt, kann ein operativer Eingriff, eine Thrombendarteriektomie, indiziert sein.

Wenn die Symptome der TIA verschwunden sind, liegt der Fokus auf der Prävention weiterer Attacken. Die transitorischen ischämischen Attacken sind häufig Vorboten eines „großen“ Schlaganfalls. Zur Risikoabschätzung wird der ABCD2-Score genutzt. In diesem Score fließen die fünf Risikofaktoren Alter, Blutdruck, Symptome, Dauer der Symptome und die Erkrankung Diabetes mellitus mit ein.

Je nach Kriterium werden unterschiedliche Punkte vergeben, sodass in der Summe ein Score zwischen null und sieben erreicht werden kann. Der ABCD2-Score gibt Auskunft darüber, wie hoch das Risiko ist, innerhalb von zwei Tagen nach einer transitorischen Attacke einen Schlaganfall zu erleiden. Bei null bis drei Punkten liegt ein geringes Risiko vor.

Vier bis fünf Punkte stehen für ein mäßiges und sechs bis sieben Punkte für ein hohes Zwei-Tages-Risiko. Bei sechs bis sieben Punkten liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten innerhalb der zwei Tage einen Schlaganfall entwickeln bei acht Prozent.

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Vorbeugung

Um einer erneuten TIA vorzubeugen, werden Gerinnungshemmer verabreicht. Eventuell kann eine Operation der hirnversorgenden Gefäße die Durchblutung verbessern und so weiteren Attacken vorbeugen.

Bücher über Durchblutungsstörungen

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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