Transfusionsmedizin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Mai 2017
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Als Transfusionsmedizin wird ein Teilgebiet der Medizin bezeichnet, das sich mit der Gewinnung und Bereitstellung von Blutkonserven sowie der Unterhaltung von Blutbanken beschäftigt. Nach der Absolvierung des regulären Medizinstudiums und einer fünfjährigen Weiterbildungszeit ist ein Mediziner berechtigt, die Berufsbezeichnung Facharzt für Transfusionsmedizin zu führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Transfusionsmedizin?

Die Transfusionsmedizin beschäftigt sich mit der Gewinnung und der Bereitstellung von Blutkonserven in Blutbanken. Die moderne Transfusionsmedizin sichert mit ihrem breit aufgestellten, interdisziplinären Aufgabengebiet eine risikoarme und patientengerechte Versorgung mit Blutkonserven in Zusammenarbeit mit nahezu allen medizinischen Fachrichtungen.

In Deutschland haben sich viele Kliniken auf dieses Teilgebiet der Medizin spezialisiert. Sie führen die Bezeichnung Institut für Transfusionsmedizin und Transplantationsimmunologie. Diese Institute stellen nicht nur konventionelle Blutprodukte zur Verfügung, sondern auch spezielle Zelltherapeutika. Sie verfügen neben einer großen Blutbank über ein angeschlossenes Immunhämaglobinlabor, ein HLA- und Thrombozytenlabor im Bereich der Transplantationsimmunologie sowie ein Stammzellenlabor. Die Transfusionsmediziner sind darüber hinaus auch in die postoperative Patientenversorgung eingebunden. Weitere Teilgebiete sind Forschung und Lehre.

Behandlungen & Therapien

In diesen medizinischen Fachbereich gehören die Durchführung der Blutspende und die anschließende Herstellung von Blutkonserven, die Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten sowie die gezielte Entnahme von Blutkomponenten für therapeutische Zwecke.

Die Transfusionsmedizin kommt immer dann zum Einsatz, wenn Patienten an einem akuten Blutverlust leiden. Der Körper ist nicht in der Lage, diesen Blutverlust auf natürlichem Wege auszugleichen, um ausreichend Blut beziehungsweise einzelne Blutbestandteile neu zu bilden. Typische Anwendungsgebiete sind die Notfallmedizin und Operationen, bei denen es zu hohen Blutverlusten kommt, zum Beispiel Organtransplantationen. Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Leukämie, Blutgerinnungsstörungen und Anämie (Blutarmut) werden in dieser medizinischen Fachrichtung behandelt. Auch bei verschiedenen Krebstherapien kommen Blutkonserven zum Einsatz.

Neugeborene oder ungeborene Babys im Mutterleib benötigen aufgrund einer auf eine Rhesusunverträglichkeit zurückzuführende Blutarmut eine Bluttransfusion. Die Transfusionsmedizin kommt jedoch auch bei Erkrankungen zum Einsatz, die nicht sofort mit dieser Fachrichtung Verbindung gebracht werden: bei Herz-Kreislauf-Problemen, Magen- und Darmerkrankungen sowie bei Erkrankungen des Nervensystems, der Muskeln, der Haut, der blutbildenden Organe, des Bindegewebes und der Atemwege. Das Deutsche Rote Kreuz stellt den Transfusionsmedizinern 10.400 Blutkonserven täglich zur Verfügung. Die Bluttransfusion erfolgt durch einen vor dem Eingriff gesetzten Katheter oder durch eine in die Vene eingeführte Hohlnadel.

Auch die Eigenblutspende (autologe Bluttransfusion) ist möglich. Hier sind Spender und Empfänger identisch. Dem Patienten wird vier Wochen vor einem geplanten Eingriff, bei dem ein hoher Blutverlust mit einer 10-prozentigen Wahrscheinlichkeit eintritt, in ein bis drei Sitzungen bis zu 900 Milliliter Blut abgenommen. Während des operativen Eingriffs bekommt der Patient seine Eigenblutspende zugeführt. Dank der Richtlinien zur „Herstellung und Verabreichung von fremden Blutprodukten“ sowie hohen gesetzlichen Anforderungen ist die Transfusionsmedizin heutzutage sehr sicher. Lediglich das Risiko der Unverträglichkeitsreaktion und leichte Nebenwirkungen verbleiben.

Eine Blut- oder Stammzellentransfusion kann immunologisch bedingte Komplikationen beim Empfänger auslösen. Das Blutsystem des Patienten reagiert auf die Fremdstoffe im Spenderblut beziehungsweise in den Spender-Stammzellen. Unterschiedliche Blutgruppen von Spender und Empfänger können schwere Abwehrreaktionen wie Herz-Kreislaufstörungen oder einen anaphylaktischen Schock auslösen. In seltenen Fällen kann es zu einem Nierenversagen kommen. Stimmen die Blutgruppen von Spender und Empfänger überein, kann es zu geringen, kurzzeitigen Nebenwirkungen wie Schüttelfrost, Fieber, Blutdruckabfall oder Übelkeit kommen.

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Diagnose & Untersuchungsmethoden

Aufgrund der strengen gesetzlichen Vorschriften sind nicht-immunologische Komplikationen in der Transfusionsmedizin so gut wie ausgeschlossen. In diesen Risikobereich gehören die Übertragung von Krankheitserregern wie HIV sowie Hepatitis B oder C.

Bedingt durch eine zu schnelle Blutübertragung in großer Menge kann es zu einem Lungenödem oder einer Herzinsuffizienz kommen. Modernste Technik prägt die Labore in den Fachkliniken und speziellen Instituten, die die Bereitstellung von Blutkonserven sicherstellen. Nur wenn die gespendeten Blutpräparate frei sind von Krankheitserregern, werden sie für eine Blutspende freigegeben. Damit die Transfusionsmedizin die Sicherheit der Empfänger garantieren kann, ist nicht nur ein moderner Stand der Technik notwendig, sondern auch eine sorgfältige Auswahl der Blut- beziehungsweise Stammzellenspender. Strenge Vorgaben der Bundesärztekammer bestimmen, wer als Spender in Frage kommt und wer nicht.

Die Blutspenden werden in ihre drei Bestandteile aufgetrennt: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und Blutplasma. Während die roten Blutkörperchen die Sauerstoffversorgung sicherstellen, sind die Blutplättchen entscheidend an der Blutgerinnung beteiligt. Das Plasma ist die Blutflüssigkeit. Eine Vollblutspende ist nicht mehr üblich. Die gesetzlichen Vorschriften verbieten die Vermischung verschiedener Blutspenden, denn nur so ist gewährleistet, dass jede einzelne Blutkonserve bis zum Spender nachvollziehbar bleibt. Gelagert werden die Blutkonzentrate in sogenannten Blutbanken. Spezialisierte Kliniken für Transfusionsmedizin unterhalten hauseigene umfangreiche Blutbanken, während Krankenhäuser Blutbanken mit geringer Kapazität vorhalten, um den Eigenbedarf zu decken.

Die Transfusionsmediziner müssen den Bedarf an Blutkonserven genau planen, denn Erythrozyten-Konzentrate sind nur 42 Tage haltbar, während Thrombozyten bereits nach vier Tagen nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Lediglich Blutplasma ist tiefgefroren zwei Jahre haltbar. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Empfänger bei einer Bluttransfusion nur die Blutbestandteile enthält, die er wirklich braucht. Steht fest, dass ein Patient eine Bluttransfusion benötigt, führt der Transfusionsmediziner ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen und holt sein Einverständnis ein.

Nur im Notfall bekommt ein Patient eine Bluttransfusion ohne seine Zustimmung, wenn zum Beispiel nach einem Unfall bei hohem Blutverlust akute Lebensgefahr besteht. Der behandelnde Arzt stellt sicher, dass der Patient das für ihn passende Transfusionspräparat bekommt. Eine Blutgruppenbestimmung und eine Verträglichkeitsprobe in Form einer Kreuzprobe stellen sicher, dass Spender und Empfänger zueinander passen. Eine geringe Menge des Patientenplasmas wird im Labor mit den roten Blutkörperchen aus dem vorgesehenen Konzentrat (Blutkonserve) des Spenders vermischt.

Die Blutbeutel enthalten Schlauchsegmente mit kleinen Mengen des Spenderblutes, um die Kreuzprobe durchzuführen. Unmittelbar vor der Bluttransfusion erfolgt eine nochmalige Überprüfung der Verträglichkeit durch den sogenannten Bedside-Test, um verbleibende Risiken wie Verwechslungen auszuschießen.

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