Transarterielle Chemoembolisation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Die transarterielle Chemoembolisation (TACE) stellt im Rahmen der Radiologie ein minimalinvasives Verfahren dar, welches zur Behandlung von nicht mehr operierbarem Leberkrebs angewendet wird. In den meisten Fällen kann es das Leberkarzinom zwar nicht mehr heilen. Allerdings trägt es zur Lebensverlängerung des Patienten bei.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die transarterielle Chemoembolisation?

Mithilfe der transarteriellen Chemoembolisation (TACE) können inoperable Leberkarzinome (HCC) minimalinvasiv behandelt werden. Das Verfahren ist auch geeignet zur Therapie von Lebermetastasen anderer Karzinome wie besonders von neuroendokrinen Tumoren.

Der Begriff "Transarterielle Chemoembolisation" deutet bereits auf die Funktionsweise dieses Verfahrens hin. Die den Krebs versorgenden Arterien werden mittels kleiner Teilchen zeitweise verstopft (Embolisation), um die Blutzufuhr zu verlangsamen. Gleichzeitig wird das Karzinom gezielt mit Chemotherapeutika behandelt. Sowohl der Sauerstoffmangel durch die Embolisation als auch die gezielte Injizierung mit Chemotherapeutika soll den Krebs zum Absterben bringen.

In der Regel kann das Leberkarzinom jedoch nicht mehr geheilt werden, denn es entwickelt sich meist in einer Leber, die bereits von Leberzirrhose stark beeinträchtigt ist. Eine Heilung gelingt nur in den seltenen Fällen, in denen lediglich einzelne kleine Knoten vorliegen. In den weitaus meisten Fällen besitzt diese Behandlung jedoch palliative Bedeutung. Sie dient zur Verlängerung des Lebens. Des Weiteren kann die transarterielle Chemoembolisation auch als Brückentherapie bis zur erfolgreichen Lebertransplantation angewendet werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die transarterielle Chemoembolisation findet nur bei primären Leberkarzinomen oder bei Metastasen in der Leber Anwendung. Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, dass hepatozelluläre Karzinome fast ausschließlich von kleinen arteriellen Gefäßen versorgt werden.

Eine gesunde Leber wird zu 75 Prozent über die Pfortader und zu 25 Prozent über die Leberarterie ernährt. Leberkarzinome und Metastasen in der Leber sind jedoch von der Pfortader abgekoppelt. Sie werden zu 95 Prozent über die Leberarterie versorgt. Das erfolgt über kleine arterielle Gefäße, die sich von der Leberarterie abzweigen. Innerhalb dieser arteriellen Blutgefäße soll bei der TACE der Blutfluss durch Verstopfen zeitweise gestoppt werden, während das Chemotherapeutikum wirkt. Um das zu erreichen, wird in der Leistenarterie (Arteria femoralis) ein sogenanntes Sondierungskatheter am Abgang zur Leberversorgung platziert.

Mithilfe von Kontrastmitteln kann der Tumor und die Position der Katheterspitze sichtbar gemacht werden. Nun wird über das Sondierungskatheter ein Katheter in die Leberarterie geschoben und an der richtigen Position zum Tumor platziert. Je näher der Katheter am Karzinom ist, desto besser kann er bekämpft werden. Eine nähere Positionierung ermöglicht eine aggressivere lokale Chemotherapie. Es gibt auch Katheter, die noch tiefer in kleine Arterien, welche den Tumor versorgen, geschoben werden können. Wenn das Katheter zu weit entfernt vom Tumor platziert wird, besteht die Gefahr, dass auch die Blutversorgung von Bauchspeicheldrüse oder Dünndarm unterbrochen wird. Heute gibt es noch keine allgemeingültigen Standards hinsichtlich der Wahl der Embolisate und der Chemotherapeutika.

Als Embolisate werden häufig Lipiodol® oder kugelförmige Gelatine- beziehungsweise Plastikpartikel verwendet. Lipiodol® ist eine jodhaltige ölige Flüssigkeit, welche die Blutgefäße durch Tröpfchenbildung vorübergehend blockiert. Sowohl die Öltröpfchen als auch die Plastik- oder Gelatinepartikel können den Blutfluss verlangsamen. Dabei wird der Tumor mit Sauerstoff unterversorgt. Gleichzeitig wird auch das Chemotherapeutikum über das Katheter injiziert. Als Chemotherapeutika werden vor allem die Wirkstoffe Mitomycin C, Carboplatin oder Doxorubicin eingesetzt.

Nach dieser Behandlung erfolgt eine weitere Embolisation. Die transarterielle Chemoembolisation besteht in der Regel aus der Kombination von Embolisation mit Chemotherapie. In einzelnen Fällen wird die Embolisation auch ohne Chemotherapie oder die lokale Chemotherapie ohne Embolisation durchgeführt. Durch die Kombination beider Verfahren wurden jedoch die besten Langzeiterfolge erzielt. Es wird empfohlen, die TACE-Behandlung je nach Therapieerfolg mehrmals zu wiederholen, um so viel Krebszellen wie möglich zu bekämpfen. In Studien konnte festgestellt werden, dass die Zweijahresüberlebensrate gegenüber nicht behandelten Patienten deutlich ansteigt.

So besteht für deutlich mehr Betroffene die Chance, durch die Verlängerung der Überbrückungszeit eine Lebertransplantation zur vollständigen Heilung durchführen zu lassen. Die TACE kann auch alternativ mit anderen Therapieverfahren kombiniert werden. Dazu zählt die perkutane Ethanol-Injektionstherapie (PEI), die Radiofrequenzablation (RFA), die selektive interne Radiotherapie (SIRT) oder die Sorafenib-Chemotherapie. Bei der perkutanen Ethanol-Injektionstherapie wird eine 95-prozentige Ethanollösung über die Haut in den Tumor injiziert. Die Radiofrequenzablation funktioniert mit einem in das Gewebe eingebrachten Applikator, welcher durch Wärmeentwicklung das erkrankte Gewebe zerstört.

Das Chemotherapeutikum Sorafenib wird über Tabletten oral appliziert. Diese Verfahren können zusammen mit der Embolisation angewendet werden. Das SIRT-Verfahren verwendet mit radioaktivem Yttrium versehene Kügelchen, die sowohl den Tumor durch Bestrahlung zerstören als auch gleichzeitig eine embolisierende Wirkung besitzen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Für die transarterielle Chemoembolisation gibt es allerdings auch Kontraindikationen. So darf dieses Verfahren nicht angewendet werden bei einem gestielten Tumortyp, bei Blutgerinnungsstörungen, bei Allergien gegen das Kontrastmittel, bei Herzinsuffizienz oder bei schweren Herzrhythmusstörungen.

Kontraindiziert ist TACE auch bei starkem Tumorbefall der Leber oder bei der Tumorinfiltration in die Lebervenen, in die Pfortader sowie in benachbarte Organe. Selbstverständlich gilt das auch bei einer starken Leberinsuffizienz oder einem schlechten Allgemeinzustand. Es muss auch betont werden, dass die Erfolge des Verfahrens abhängig sind vom Stadium der Erkrankung. Je mehr Tumorherde vorhanden sind, desto aufwendiger wird die Behandlung. Manche Fälle stellen Grenzfälle dar, bei denen oft die Entscheidung schwerfällt, ob eine Behandlung überhaupt noch zielführend oder sogar schon kontraproduktiv ist.

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