Toxoplasmen (Toxoplasma gondii)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Unter Toxoplasmen werden parasitäre Einzeller verstanden, deren Endwirt Katzen bilden. Der einzige bekannte Vertreter der Toxoplasmen ist Toxoplasma gondii.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Toxoplasmen?

Toxoplasmen tragen auch die Bezeichnung Toxoplasma gondii. So bildet diese Spezies die einzige Art der Gattung. Das bogenförmige Protozoon führt eine parasitäre Lebensweise und nutzt Katzen als Endwirte. Als Zwischenwirte können auch andere Säugetiere, Vögel oder der Mensch dienen. Die Toxoplasmen sind verwandt mit dem Plasmodium, von dem die Malaria übertragen wird.

Toxoplasma gondii ist in der Lage, sich in den menschlichen Zellen zu vermehren. So finden sich in etwa einem Drittel aller Menschen Antikörper gegen Toxoplasmen. Zu einer Erkrankung durch die Einzeller wie die Toxoplasmose kommt es jedoch nur selten. Diese Infektionskrankheit gilt grundsätzlich als harmlos. Risiken bestehen allerdings für schwangere Frauen, deren ungeborene Kinder und Menschen, bei denen eine Schwächung des Immunsystems vorliegt.

Die Entdeckung von Toxoplasma gondii als Parasit erfolgte 1907 in Tunesien. Die Entdecker des Einzellers, Manceaux und Nicolle, gaben ihm den Namen Toxoplasma aufgrund seiner besonderen Form, die einem Halbmond ähnelte.

Als Krankheitserreger beim Menschen wurden die Toxoplasmen jedoch erst viele Jahre später identifiziert. 1948 gelang Albert Sabin (1906-1993) die Entwicklung eines serologischen Tests, der die Bezeichnung Dye-Test erhielt und mit Antikörpern funktionierte. Dadurch stellte sich die weltweite Verbreitung der Toxoplasmen im menschlichen Körper heraus. Allein in Deutschland kommen in 50 Prozent aller Bundesbürger Toxoplasmen vor. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter und beträgt bei Menschen über 50 rund 70 Prozent.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

In den Körper des Menschen, der allerdings nur einen Zwischenwirt bildet, gelangen die Toxoplasmen vorwiegend durch infiziertes Fleisch. Ebenso kann der Kontakt mit befallenem Katzenkot zu einer Infektion führen. Dabei dringt Toxoplasma gondii oral in den Organismus ein und durchquert die Magenpassage. Schließlich gelangt der Parasit über den Verdauungstrakt in die Darmwand. Von dieser Stelle aus hat er die Möglichkeit, via Blutbahn oder Lymphbahn weitere Gewebe oder Organe zu besiedeln und in die Körperzellen vorzudringen. In der Regel findet dies im Zentralnervensystem, den Muskeln sowie Teilen des Immunsystems statt.

Im Anschluss an die gelungene Ansiedelung können sich die Toxoplasmen durch ungeschlechtliche Zweiteilung vermehren. Dadurch kommt es zur Bildung der Trachyzoiten. Da sich das Abwehrsystem gegen die Parasiten zur Wehr setzt, erfolgt oft die Entstehung von Zysten, die dem Einzeller Schutz gewähren. Die Zysten zeigen sich in erster Linie in der Muskulatur von Herz und Skelett, in der Augennetzhaut, dem Gehirn und der Wand der Gebärmutter. In den Zysten kommen wiederum tausende von Einzelparasiten vor, die dort ohne Schaden überleben können. Gesundheitliche Probleme verursachen sie nicht.

Eine geschlechtliche Vermehrung der Toxoplasmen ist ausschließlich im Darm von Katzen oder ähnlichen Tieren möglich, die den Endwirt der Parasiten darstellen. Dabei findet die Bildung von Oozysten (Parasiteneiern) statt, die sich durch Katzenkot weiterverbreiten. Die Oozysten können sich binnen zwei bis vier Tagen weiterentwickeln und werden dadurch für andere Tiere und den Menschen infektiös. Dieser Zustand hält mehrere Monate an. Ist die Umgebung feucht, beträgt das Infektionsrisiko sogar bis zu fünf Jahre.

Die durchschnittliche Größe der Oozysten liegt bei etwa 11 Mikrometer. In den Oozysten sind zwei Sporozysten sowie jeweils vier Sporozoiten enthalten. Frost überstehen die Parasiten gut, Hitze bekommt ihnen allerdings weniger. Das Ausschlüpfen der Sporozysten erfolgt dann in einem Zwischenwirt.

Eine Übertragung auf den Menschen kann durch den Verzehr von rohem oder nicht genügend erhitztem Hackfleisch, in dem sich Oozysten befinden, erfolgen. Als riskant gilt zudem Fleisch von Wild, Schweinen, Ziegen und Schafen sowie von Rohwurst. Außerdem kommen die Toxoplasmen mitunter in rohem Obst und Gemüse vor, das nicht gewaschen wurde. Weiterhin kann sich der Mensch durch den Katzenkot, der im Katzenstreu, im Garten oder in einem Sandkasten vorkommt, mit dem Erreger infizieren.

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Krankheiten & Beschwerden

Dringt Toxoplasma gondii in den Organismus des Menschen vor, ist eine Toxoplasmose möglich. Zu einer solchen Infektion kommt es bei den meisten Menschen. Fast immer zeigen sich dabei jedoch keinerlei Symptome. Manche Menschen leiden allerdings unter Beschwerden, die einer Grippe ähneln. Dazu gehören Gelenk- und Muskelschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Fieber.

Bei Nagetieren rufen die Toxoplasmen sogar Verhaltensänderungen hervor. Die befallenen Tiere haben zum Beispiel keine natürliche Scheu mehr vor Katzengeruch, was den Lebenszyklus der Parasiten verlängert. Selbst nach einer Heilung der Toxoplasma-Infektion empfinden Mäuse keine Scheu mehr vor Katzengeruch. Auch beim Menschen stehen eventuelle Verhaltensänderungen, die durch die Toxoplasmen hervorgerufen werden, in der Diskussion.

Für schwangere Frauen gilt eine Infektion mit Toxoplasma gondii als riskant. Dies gilt besonders dann, wenn es sich um eine Erstinfektion handelt, die zu einer Störung der Entwicklung des ungeborenen Kindes führt. In Deutschland muss die kongenitale Form der Toxoplasmose sogar gemeldet werden. Um eine Infektion mit Toxoplasmen zu vermeiden, ist es für Schwangere empfehlenswert, kein unzureichend durchgebratenes Fleisch zu konsumieren. Außerdem sollten Gartenarbeiten und Kontakte mit Katzenklos unterbleiben sowie die Hände regelmäßig vor den Mahlzeiten gewaschen werden.

Wirksam bekämpfen lassen sich die Toxoplasmen in der Schwangerschaft mit Antibiotika. Als hilfreich gilt eine Kombination von Sulfonamiden oder Spiramycin mit Pyrimethamin, wodurch die Parasiten abgetötet werden. Eine zugelassne Impfung gegen Toxoplasmen gibt es bislang nicht.

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